Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Die Weihnachtskrippe als Tatort

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Kathrin Reist, reformierte Pfarrerin in Murten, traute ihren Augen nicht, als sie einige Tage vor Weihnachten in der Deutschen Kirche einen Blick auf die reich geschmückte Krippe warf. Da fehlten zwei Geissen. Nein, drei. Und vier kleine Schafe, wie sich dann bei einer genaueren Zählung zeigte. «Ich war enttäuscht», sagt sie. Dabei konnte sie auf dieses Jahr hin erreichen, dass die Krippe nicht erst an Weihnachten selbst, sondern schon in den Tagen zuvor für das Publikum zugänglich war. «Wir fanden es schade, dass die Krippe nur für einen Tag zu sehen war.»

Kein schlechter Scherz

Deshalb hat die Murtner Kirche ein Angebot lanciert, das die Bevölkerung schon vor dem Weihnachtsgottesdienst auf das Fest einstimmen und Freude machen soll. Reist und Ursula von Niederhäusern von der Kirchgemeinde haben auf diese Weihnachten hin einen Regieplan für ihre Krippe erstellt. Dieser definierte, wann welche Figur gewissermassen auf der Bühne auftaucht.

Die verschwundenen Tiere waren zugekauft. Die Hauptfiguren, die nicht vom Diebstahl tangiert waren, wurden 2007 nach dem Vorbild der Künstlerin Doris Egli von den Gemeindemitgliedern selbst hergestellt. Der finanzielle Schaden beläuft sich zwar «nur» auf rund 110 Franken. Doch die braunen Geissen gibt es nirgends mehr zu kaufen, so von Niederhäusern.

Mahnzettel aufgehängt

Um einen noch schlimmeren Schaden zu vermeiden, hängte Kathrin Reist für die Tage danach einen Zettel an die Wand der Kirche mit der Bitte um Respekt: «‹Kommt und seht› heisst nicht: ‹Kommt und klaut›.» Sie habe viele empörte Reaktionen von Kirchenbesuchern erhalten, so Reist, die Freude an der Krippe und kein Verständnis für den Diebstahl hatten.

Zuerst habe man gedacht, ein Spassvogel habe sich einen schlechten Scherz erlaubt und die Figuren irgendwo in der Kirche versteckt, sagt Reist. Doch keine kam zum Vorschein. Die ernüchterte Erkenntnis der Verantwortlichen: Auch eine Kirche und Krippenfiguren sind nicht gegen Diebstahl gefeit. Heute vermutet Reist, dass jemand vielleicht seinen Kindern einfach ein Weihnachtsgeschenk machen wollte. Für die Kirche Murten stelle sich jedoch für die Zukunft die Frage, ob der Kirchenraum mit Videokameras überwacht werden müsse. «Das will eigentlich niemand.» Aber wie anders könne ein solcher Vorfall vermieden werden, fragt man sich in Murten. Letzte Woche wurde die Krippe plangemäss entfernt.

Nur ein Jesus kam mal weg

Eine Umfrage unter einzelnen Kirchgemeinden und Pfarreien in der Region zeigt, dass die verschwundenen Krippentiere in Murten ein Einzelfall sind. In Kerzers sei kein ähnlicher Fall bekannt, sagt der reformierte Pfarrer Christoph Bühler, doch das sei auch nicht verwunderlich, da die Kerzerser Krippenfiguren Einzelanfertigungen von Konfirmanden und damit identifizierbar seien. «Denn sie tragen unsere Handschrift.»

In der Kirchgemeinde Cordast, welche den oberen Seebezirk umfasst, bleibt neben Weihnachtsbaum und Krippenspiel kaum Platz für eine grössere Krippe, sagt Sekretärin Monika Zurkinden, doch sie könne sich auch an kei- nen Diebstahl erinnern. Wie in Murten kennt man auch in Merlach seit dem mutmasslich gelegten Brand in der Kirche von Anfang 2006 Sicherheitsbedenken. Doch geklaut wurde in letzter Zeit nichts, sagt Kirchgemeindepräsidentin Christine Salvisberg. «Der Vorfall gibt mir zu denken, denn eigentlich sollte jede Kirche für alle immer offen sein.»

In den letzten Jahren gab es nur in der katholischen Kirche in Murten einmal einen Fall von Krippendiebstahl. Pfarrer Thomas Perler vermisste eines Tages eine Figur, eine der kleinsten: Es war ausgerechnet das Jesuskind.

Krippenklau: Wie die Aura eines Tabus

C hristina Mönkehues von der katholischen Kirche Deutschfreiburg sind ausser demjenigen in Murten keine ähnlichen Fälle von Kirchenklau zu Ohren gekommen, wie sie erläutert. Auch für den Krippensammler Walter Burkhard von der Kirchgemeinde Düdingen scheinen Krippen die Aura eines Tabus zu umgeben. Sogar Kinder gehen gemäss seiner Beobachtung vorsichtig mit ihnen um. Und Haustiere machen einen weiten Bogen darum. «Eine Krippenfigur zu klauen ist absurd», so Burkhard. fca

Mehr zum Thema