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Die weite Welt von René Burri

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René Burri, Fotograf, Weltchronist, Reisender und Visionär, war einer, der nichts wegwerfen konnte. Er archivierte nicht nur Papierbilder und Diapositive, Kontaktbögen und Arbeitsabzüge, sondern sammelte auch Zeichnungen, Skizzen, Briefe, Notizen, Flugtickets und was sonst noch sein Leben dokumentierte. All dies hinterliess er in Kartons, Ordnern und Umschlägen, in Zigarrenkistchen und Weinkisten der Stiftung René Burri, die er 2013, ein Jahr vor seinem Tod, gegründet hatte. Die Stiftung hat ihren Sitz im Musée de l’Elysée in Lausanne. Mit dem auf Fotografie spezialisierten Museum hatte Burri seit dessen Eröffnung 1985 eine enge Verbindung. In den vergangenen Jahren hat das Museum den Nachlass des Magnum-Fotografen aufgearbeitet und präsentiert das Ergebnis jetzt in einer grossen Retrospektive.

Die Ausstellung «Explosion des Sehens» kommt natürlich um die wichtigsten Arbeiten Burris wie sein berühmtes Porträt von Che Guevara nicht herum. Ihre Stärke liegt aber vor allem in den vielen bisher grossenteils unbekannten Dokumenten, die eindrücklich Burris Vielseitigkeit zeigen. Das eigentliche Thema der Schau sei der Fonds Burri, der im Musée de l’Elysée verwahrt sei, sagte Museumskonservator und Co-Kurator Marc Donnadieu diese Woche vor den Medien. «Wir zeigen die vielen Facetten, die René Burri ausmachten, sowohl beruflich als auch menschlich.»

Ein Mann mit vielen Talenten

Burris Nachlass besteht aus fast 10 000 Papierbildern, 170 000 Diapositiven, 33 000 Arbeitsabzügen und über 7000 Kontaktbögen, dazu kommen Collagen, Skizzenhefte, Layout-Entwürfe für Bücher und Magazine und unzählige andere Dokumente. Das Museum zeigt eine Auswahl davon in neun Räumen auf zwei Etagen, gruppiert in zwölf Themen und ergänzt mit einer chronologischen Lebenslinie, die sich durch alle Räume zieht. Die Ausstellung ist dicht und doch leicht zugänglich, weil sie verschiedene Türen in die Welt von René Burri öffnet. Erklärende Texte sucht man vergeblich. «Die Besucher sollen sich fühlen, als würden sie Burris Archiv-Kisten öffnen und nach und nach seine Schätze entdecken», so Donnadieu. «Die Bilder sollen für sich selber sprechen – so, wie auch René Burri das immer wollte.»

Die erste Überraschung wartet gleich beim Eingang: Hier steht die Installation «Megaphotomobil», die Burri 1983 für die Ausstellung «One World» baute, seine erste Retrospek­tive nach über dreissig Berufsjahren, die 1984 und 1985 in Zürich, Paris, Mailand und Lausanne zu sehen war. Die Licht-Ton-Installation zeigt die verspielte und selbstironische Seite Burris – und war vielleicht ein bisschen inspiriert von Jean Tinguely, mit dem Burri befreundet war.

Zurück zu den Anfängen geht es im ersten Saal der Ausstellung. Neben Dokumenten wie einem Familien­album mit «Erinnerungen aus dem Leben unseres Kindes René Rudolf Burri» findet sich hier das allererste Foto des späteren Magnum-Fotografen: Das Bild zeigt Winston Churchill, stehend in einer offenen Limousine, bei seinem Besuch in Zürich im Herbst 1946. René Burri war damals gerade dreizehn Jahre alt und hatte von seinem Vater, einem Hobbyfotografen, dessen Kodak erhalten, um das Ereignis festzuhalten. Burris Lehrern war damals längst das Talent des Jungen für das Zeichnen und Malen aufgefallen; Burri selbst träumte davon, Filmemacher zu werden. 1950 trat er in die Kunstgewerbeschule Zürich ein, wo er bei jeder Gelegenheit Kurzfilme drehte – einer davon ist in der Ausstellung zu sehen. Seine grosse Liebe wurde dann doch die Fotografie, doch er drehte auch später immer wieder Filme wie «The Two Faces of China» (1968) oder einen Film über Jean Tinguely (1972).

Der Menschenfreund bei Magnum

Seine Neugier, seine Abenteuerlust, seine Sprachkenntnisse, sein Schweizer Pass, sein grosses Talent und sein Gespür für Menschen und Geschichten öffneten dem jungen Fotografen rasch viele Türen. Mit Anfang zwanzig veröffentlichte er seine ersten Reportagen. 1955 stellte er sich in Paris bei der Agentur Magnum vor. Sein älterer Landsmann, der Magnum-Fotograf Werner Bischof, hatte ihn dazu ermutigt. Inzwischen war Bischof bei einem Unfall ums Leben gekommen, und zwei andere grosse Magnum-Fotografen, Henri Cartier-Bresson und David «Chim» Seymour, nahmen den jungen Schweizer unter ihre Fittiche. 1959 wurde René Burri mit 26  Jahren Vollmitglied der renommierten Agentur. Der Beziehung Burris zu Magnum Photos und seinem grossen Einfluss in der Agentur widmet die Ausstellung in Lausanne ein eigenes Kapitel, das unter anderem die Gruppenfotos zeigt, die Burri gerne von seinen Fotografen-Kollegen machte. Wie gerne Burri unter Leuten war, zeigt sich in der Sektion «Ich und die anderen». Hier finden sich zahlreiche vergnügte Fotos, auf denen Burri sich selbst mit einem Augenzwinkern in Szene setzt oder mit anderen Menschen posiert. «René Burri liebte die Menschen und das Spiel», sagte Mélanie Bétrisey, Verantwortliche des Fonds Burri und Co-Kuratorin der Ausstellung. «Er war ein offener Gesprächspartner, der gerne und viel erzählte.»

Ein Bild für die Ewigkeit

Nicht fehlen darf in der Ausstellung die Geschichte von jenem Bild, das Burri in den Sechzigerjahren einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte: das Porträt des Zigarre rauchenden Che Guevara, damals die Nummer zwei in der kubanischen Revolutionsregierung. Der Schweizer Fotograf begleitete Anfang 1963 eine Journalistin der US-amerikanischen Zeitschrift «Look» zu einem Interview mit Che Guevara. Dieser war dermassen in das Gespräch vertieft, dass er den Fotografen beinahe vergass. Burri schoss fast 150 Fotos, die eine ganze Bandbreite von Gefühlsregungen und Gesichtsausdrücken zeigen, wie auf den ausgestellten Kontaktabzügen zu sehen ist. «Fast alle Bilder sind gelungen und hätten ebenso gut zu Ikonen werden können», so Marc Donnadieu.

Auch die weniger bekannte Seite Burris als Grafiker und Zeichner kommt in der Ausstellung nicht zu kurz. Zu entdecken sind Collagen, Skizzen und Zeichnungen, wie Burri sie zeit seines Lebens anfertigte. Schön schliesst sich dieser Kreis im letzten Raum. Hier hängt auf der einen Seite eine Zeichnung des fünfjährigen René, später vom erwachsenen Burri signiert. Auf der anderen Seite steht ein Skizzenheft mit dem allerletzten Werk Burris: einer Zeichnung, die er wenige Tage vor seinem Tod im Oktober 2014 im Spital in Zürich machte.

Musée de l’Elysée, Avenue de l’Elysée 18, Lausanne. Bis zum 3. Mai. Di. bis So. 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist bis zum 27. September frei; danach wird das Museum bis zur Wiedereröffnung in der neuen Plateforme 10 Ende 2021 geschlossen.

Zur Person

Der Fotograf als Chronist seiner Zeit

René Burri wurde am 9. April 1933 in Zürich geboren. Dort besuchte er ab 1950 die Kunstgewerbeschule, wo er unter anderem bei Hans Finsler und Johannes Itten lernte. Ab 1955 arbeitete er für die Fotoagentur Magnum; 1959 wurde er Vollmitglied. Er bereiste ganz Europa, den Nahen Osten, Nord-, Mittel- und Südamerika, Japan und China und berichtete scharfsichtig über viele einschneidende Ereignisse seiner Zeit. Seine Reportagen erschienen in Magazinen wie «Du», «Look», «Paris Match», «Stern» und «Geo». 1962 erschien sein erstes Buch «Die Deutschen», 1966 hatte er in Zürich seine erste Einzelausstellung «China». Nach über dreissig Jahren im Beruf eröffnete er 1984 seine erste grosse Retrospek­tive «One World». René Burri porträtierte auch einige bekannte Persönlichkeiten. Neben Che Guevara, dessen Porträt ihn in den Sechzigerjahren weltweit bekannt machte, fotografierte er etwa Pablo Picasso, Le Corbusier, Alberto Giacometti und Jean Tinguely. 2006 zeigte der Espace Jean Tinguely in Freiburg Burris Tinguely-Bilder in einer Sonderausstellung (das Bild oben entstand bei dieser Gelegenheit). Burri hatte drei Kinder aus zwei Ehen. In erster Ehe war er mit Rosellina Bischof, der Witwe des Fotografen Werner Bischof, in zweiter Ehe mit Clotilde Blanc verheiratet. Am 20. Oktober 2014 starb René Burri in Zürich.

cs/Bild ce/a

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