Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Die Wirtschaft profitiert vom Umbau»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Dominique Gachoud, wenn Sie die Prognosen des Weltklimarats, aber auch jene des Bundes zur Klimaerwärmung hören, was macht das mit Ihnen?

Wen könnten solche Nachrichten unberührt lassen? Ich glaube, es war der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry, der gesagt hat: Die Erde gehört uns nicht, sie ist uns nur geliehen von den künftigen Generationen.

Macht Ihnen der Klimawandel Angst, oder gehen Sie das sehr rational an?

Gerade weil ich rational bin, bereitet mir das einige Sorgen. Wir sind mit Wetterextremen konfrontiert, die sogar die grössten Skeptiker – abgesehen von US-Präsident Donald Trump – nicht mehr negieren können. Seriöse Wissenschaftler sagen, dass es schwierig wird, das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Entgegen früheren Vorstellungen erneuern sich die Ressourcen dieser Erde gemessen an unserem Lebensstil nicht schnell genug. Im Gegenteil, wir bedienen uns nicht nur der Zinsen, wir greifen das Kapital an.

Auf dem Weg zum Hauptsitz von Groupe E an der Murtenstrasse in Granges-Paccot sind mir einmal mehr die vielen Autos ins Auge gestochen. Müssten benzin- und dieselbetriebene Autos nicht von heute auf morgen aus dem Verkehr genommen werden?

Das Problem ist, dass die Automobilindustrie bis heute kein grosses Interesse daran hat, schnellstmöglich auf Elektroautos umzustellen. Wir von Groupe E haben schon in den 1990er-Jahren Ladestationen für Elektromobile in Broc und in Freiburg in Betrieb genommen. Damals war die Reichweite von Elektroautos noch klein, 60 bis 70 Kilometer. 25 Jahre später hat sich zwar etwas getan, aber es hat Zeit gebraucht.

Sollten Sie nicht noch mehr tun?

Wir investieren viel in Ladestationen. Groupe E tat sich gar als Vorreiterin hervor. Mit dem E-Ladenetz Move betreiben wir 740 eigene Ladepunkte und zusätzlich 2800 Ladepunkte, die mit der Move-Karte funktionieren. Aber sie werden bisher nicht intensiv genutzt, weil noch nicht genügend Elektroautomodelle auf dem Markt sind. Die Investitionen, die wir in Bezug auf die Elektromobilität jetzt tätigen, werfen noch keine Renditen ab.

 

Das heisst, Ihre Hände sind in gewisser Weise gebunden.

Für uns Energieversorger besteht die grosse Schwierigkeit der Transformation darin, dass wir oft nicht viel mehr tun können, als an sie zu glauben – sowohl bei den Ladestationen als auch bei den Studien zur Wind­energie, die wir oft abschreiben müssen, weil die Anlagen wegen Widerständen in der Bevölkerung nicht realisiert werden können. Bei der Realisierung von Fernwärmenetzen investieren wir im Moment viel, der Return on Investment braucht aber Geduld.

Bei der Suche nach alternativen Energien haben Sie es aber in der Hand, die Transformation aktiv voranzutreiben.

Groupe E kann 50 Prozent der Stromnachfrage im Kanton mit eigener Energie abdecken. Diese stammt fast ausschliesslich aus Wasserkraft. Die restlichen 50 Prozent beziehen wir auf den Märkten. Dabei handelt es sich zu 60 Prozent um Strom aus Wasserkraft und zu 40 Prozent aus Kernkraft. Das heisst, die Freiburger Konsumenten habe in ihren Steckdosen grob gesagt rund 80 Prozent Wasser- und 20 Prozent Atomstrom. Mit dem geplanten Ausstieg aus der Kernenergie wird 40 Prozent der heutigen Energie fehlen, die durch erneuerbare Energie gedeckt werden muss. In der Fotovoltaik machen wir dabei gute Fortschritte.

Bei der Windenergie hapert es aber noch.

Kürzlich gab es ein Urteil des Kantonsgerichts Waadt zugunsten eines Windparks, das das Interesse an der Produk­tion von nachhaltigen Ener­gien höher einstuft als den Landschaftsschutz. Die Gegner des Parks werden das Urteil aber wahrscheinlich ans Bundesgericht weiterziehen. Dieses Urteil wird fundamental sein für die Entwicklung der Windkraft in der Schweiz.

Wird Groupe E dereinst die Nachfrage ihrer Kunden zu hundert Prozent mit nachhaltigen Energien decken können?

Das ist möglich. Wir sind an drei von fünf Windparkprojekten im Kanton Neuenburg beteiligt. Der Richtplan des Kantons Freiburg hält zudem an sechs Windkraftprojekten fest, in die wir ebenfalls involviert sind. Die Gesetzgebung von Bund und Kanton fördert zudem die Eigenproduktion alternativer Energien sowie Eigenverbrauchsgemeinschaften. Das heisst, wenn jemand eine Fotovoltaikanlage auf seinem Haus installiert, kann er den Strom auch benachbarten Gebäuden zur Verfügung stellen.

Wenn die Energieversorgung mehr und mehr dezentral erfolgt, hat das Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen. Was bedeutet es für das Stromnetz? Muss es ausgebaut werden?

Nein, nicht unbedingt. Denn die Sonnenenergie wird in der Regel vor Ort gebraucht. Das ist, wie wenn man einen eigenen Garten hat. Manchmal isst man das Gemüse sofort, manchmal ist die Ernte zu gross und muss konserviert werden, und manchmal ist sie zu klein, und man muss sich die fehlenden Mengen im Laden besorgen. Eigenproduktion des Stroms bedeutet nicht, dass es einen Ausbau des Netzes braucht, sondern dass es stets gut unterhalten werden muss. Denn das Netz ist wie eine Versicherung für den Konsumenten, für die er bezahlen muss.

 

Wie ist die Versorgung bei einem dezentralen System steuerbar?

Wir haben ein Produkt mit dem Namen Smart Solar entwickelt und zu diesem Zweck 2018 ein Start-up gekauft, das im Bereich der Versorgungsoptimierung spezialisiert ist. Mit Smart Solar kann man den Konsum lokal produzierter Sonnenenergie maximieren. Grundsätzlich brauchen wir intelligente Systeme, um den Konsum und die Versorgung bei einer dezentralen Produktion automatisch steuern zu können. Da haben wir mit Smart Solar einen Anfang gemacht.

Kann ein Energieversorgungsunternehmen überhaupt ein Interesse daran haben, dass seine Kunden Selbstversorger werden?

Ja, aber wir müssen das Fakturierungssystem ändern. Heute ist es so, dass sich die Netzgebühr an den Kilowattstunden misst, die durch das Netz transportiert werden. Morgen muss es so sein, dass sie sich am Leitungsdurchmesser orientiert. Im Hinblick auf die Revision des eidgenössischen Stromversorgungsgesetzes ist vorgesehen, dass 50 Prozent der Netzgebühren aus einem fixen Betrag bestehen.

Die Rolle der Energieversorger ändert sich mit den anstehenden Herausforderungen grundlegend. Ist der Paradigmen- und Kulturwechsel vom alleinigen Energieversorger zum Dienstleister bei Groupe E mental schon vollzogen?

Ich sehe nicht in alle Köpfe der Mitarbeitenden. Aber das Personal hat in einer Mitarbeiterbefragung seine Zufriedenheit mit der Art und Weise unterstrichen, wie sich Groupe E an die Veränderungen anpasst. Klar ist, wir wollen ein wichtiger Akteur in der Energietransformation sein. Und wir geben uns dafür die Mittel.

Weil sich das am Ende auch für Ihr Unternehmen lohnt?

Ja, wir sehen klar auch Vorteile in der Transformation. Der Bau und der Betrieb von Fotovoltaikanlagen zum Beispiel brauchen Beratung und Lösungsangebote. Aber auch in den anderen Bereichen wollen wir Teil der Lösung sein.

 

Reichen die Mittel aus, und geht es schnell genug, um das Schlimmste abzuwenden?

Die Schweiz ist eine gute Schülerin. Dänemark und Kalifornien sind besser, aber wir tun auch etwas. Gerade mit dem neuen Energiegesetz des Kantons Freiburg wird es bis im Jahr 2030 oder 2040 beispielsweise nicht mehr möglich sein, mit Öl zu heizen. Im Gegenteil, man wird sogar noch selber alternative Energien produzieren müssen. Gemessen an der Geschichte der Menschheit ist das eine sehr schnelle Entwicklung. In weniger als zwei Generationen werden wir unser Energiesystem wechselt haben müssen.

Groupe E unterstützt die Aktion der «Freiburger Nachrichten» #FNTuWas. Was kann Ihrer Meinung nach der Einzelne im Kampf gegen den Klimawandel tun?

Jeder sollte über seinen Energiekonsum nachdenken. Beim Verkehr sollten häufiger Fahrgemeinschaften gebildet, unnötige Kilometer vermieden, die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden. In den Häusern ist an bessere Isolationen zu denken, effizientere Haushaltsgeräte. Es gibt viele Lösungswege.

«Wir sehen klar auch Vorteile in der Transformation. Die Installation von Fotovoltaikanlagen etwa braucht Beratung und Lösungsangebote.»

#FNTuWas

Erzählen Sie von Ihren Taten gegen den Klimawandel

Wir alle sind aufgefordert, den CO2-Ausstoss zu senken. Was tun Sie dafür? Berichten Sie von Ihren kleinen und grossen Taten via Mail an fn.­redaktion@freiburger-nachrichten.ch oder via Twitter und Face­book unter dem #FNTuWas. Mit dieser Aktion möchten die «Freiburger Nachrichten» eine Plattform für jede Art von Initiativen bieten und eine Bewegung auslösen. Es locken tolle Preise, die die FN unter den teilnehmenden Leserinnen und Lesern verlosen werden.

rsa

 

Mehr zum Thema