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«Die Wissenschaft hat ihre Arbeit getan»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Anfang Oktober hat der Weltklimarat seinen 1,5-Grad-Report herausgegeben. Kann man den Klimawandel noch abstreiten?

Nein, natürlich nicht. Seit den 1990er-Jahren gibt es den Weltklimarat, und seither stehen in den Schlussfolgerungen der verschiedenen Reporte immer dieselben Empfehlungen. Daran hat sich nicht viel geändert. Was sich verändert hat, ist, dass die Wissenschaft heute genauer sagen kann, wie sich die Klimaveränderungen auswirken werden.

 

Hat Sie an dem Report etwas überrascht?

Als Wissenschaftler, der sich tagtäglich mit den verschiedenen Klimaszenarien befasst, hat mich der Report nicht überrascht. Positiv aufgenommen habe ich, dass er Hoffnung kommuniziert. Um ehrlich zu sein, müssen wir heute wohl froh sein, wenn wir schon die 2 Grad des Pariser Übereinkommens erreichen, die 1,5 Grad sind eine grosse Herausforderung. Der Report sagt dennoch aus, dass es machbar ist.

Klingt nach Mutmacher-­Rhetorik?

Nein. Ich denke, wenn man die wirklich grossen Anstrengungen unternimmt, von denen der Report spricht, kann es effektiv gelingen. Wenn ich allerdings sehe, welche Massnahmen weltweit tatsächlich getroffen werden respektive welche Massnahmen aus politisch motivierten Gründen nicht getroffen werden, bin ich hin und wieder weniger optimistisch.

Was tun sie im Kampf gegen den Klimawandel? Hier geht’s zum Leseraufruf.

Denken Sie, dass jetzt, wo die Klimaerwärmung für uns alle physisch erlebbar ist, sich etwas ändert?

Ich hoffe es. Ich hoffe, dass das Thema an die erste Stelle der politischen Agenda rückt und dass die Dringlichkeit erkannt wird. Bisher gingen Auswirkungen der Klimaänderung eher langsam vonstatten. Sie werden sich aber immer schneller entwickeln und dramatischere Zustände annehmen.

Soll das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden, müssen gemäss dem Weltklimarat die CO2-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent abnehmen, bis 2050 um fast 100 Prozent. Wie soll das gehen angesichts der Tatsache, dass unsere materielle Welt grösstenteils CO2-basiert ist?

Wir leben heute in einer gros­sen CO2-Abhängigkeit, das stimmt. Das hat die Industrialisierung mit sich gebracht. Heute sehen wir aber immer mehr Möglichkeiten, uns davon zu lösen. Zum Beispiel im Verkehr: Es gibt schon heute Elektroautos. Es ist aber wichtig, dass für ihre Herstellung ebenfalls erneuerbare Energien verwendet werden, damit sie möglichst wenig graue Energie enthalten.

Aber für ihren Antrieb braucht es auch Strom.

Ja, aber gerade in der Schweiz stehen wir in Bezug auf die Energieherstellung relativ gut da. Wir produzieren unsere Energie praktisch ohne Verwendung fossiler Energieträger. Ein Teil der Lösung für das Problem der Treibhausgase liegt mit anderen Worten in der Energieherstellung. Denn sie ist fundamental, gerade für die aufstrebenden Länder, die relativ schnell auch zu Wohlstand kommen wollen. Darum investieren sie oft noch in fossile Energien, weil diese billig sind. Das ist allerdings eine künstliche Verbilligung. Das sehen wir in der Flugindustrie. Kerosin wird vom Staat subventioniert und nicht besteuert. Das entspricht dem Gegenteil von dem, was man heute tun sollte. Man darf heute auf keinen Fall fossile Energien subventionieren. Das ist völlig falsch.

«Ich glaube daran, dass wir es schaffen, wenn die Politik jetzt intensiv an der Transformation unserer Gesellschaft arbeitet.»

 
 

In erster Linie müssen wir genügend alternative Energieträger finden. Welche anderen Lösungen gibt es?

Es gibt heute grob gesehen zwei verschiedene Ansätze, die unter dem Begriff ‹Geoengeneering› bekannt sind. Der erste Ansatz versucht, aktiv CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen. Es gibt heute schon einige Anlagen dafür. Eine davon wurde bei der Kehrichtverbrennungsanlage Hinwil installiert, die CO2 aus der Umgebungsluft entfernt. Ein anderer Ansatz verfolgt die technische Beeinflussung der Strahlung, wobei in den höheren Atmosphärenschichten aktiv Aero­sol eingebracht wird, um diese zu reduzieren und somit die Atmosphäre zu kühlen.

Der zweite Ansatz klingt aber unheimlich, und die Konsequenzen sind unabsehbar.

Das ist unheimlich. Aber wenn wir es nicht schaffen, und die Adaptation immer teurer und teurer wird, wird das eines Tages in der Politik einen sehr grossen Stellenwert bekommen.

Lassen Sie uns doch davon sprechen, wie wir es schaffen.

Ich glaube daran, dass wir es schaffen, wenn die Politik jetzt intensiv an der Transformation unserer Gesellschaft arbeitet, hin zu einer CO2-freien Wirtschaft.

Jetzt, sofort?

Je länger wir warten, umso grösser werden die Probleme und umso steiler wird der Pfad der Anpassung. Das wird teurer und unangenehmer.

 

Die Entwicklung alternativer Technologien braucht aber Zeit. Ohne den Konsum zu drosseln, wird es wohl nicht gehen. Auf was müssen wir im Alltag verzichten?

Wir kommen wahrscheinlich nicht darum herum, ein wenig zu verzichten. Aber Verzicht muss nicht etwas Negatives sein. Wenn ich nicht nach Amerika reise, sondern in der Schweiz wandern oder baden gehe, ist das keine Einbusse meiner Lebensqualität.

Ein bisschen CO2 dürfen wir aber noch produzieren.

Ja. Netto Null-CO2 heisst, wir dürfen schon noch CO2 ausstossen, aber nur so viel, wie die Erde etwa durch Wälder absorbieren kann.

«Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, die die finanziellen und technologischen Mittel haben, um zu zeigen, dass die Transformation möglich ist.»

 
 

Womit kann die Schweiz den grössten Einspareffekt ­erzielen?

Weil wir keine Schwerindustrie haben, sehe ich den grössten Hebel bei der Mobilität und den Gebäuden. Dabei kann man mit Verboten oder Anreizen arbeiten. Man kann Elektroautos subventionieren und das Benzin für die anderen immer stärker besteuern. Mithilfe einer guten Raumplanung kann der Verkehr langfristig beeinflusst und auch vermieden werden.

Oft wird argumentiert, dass die grössten CO2-Emittenten China, USA und Indien seien. Einsparungen eines kleinen Landes wie der Schweiz schenkten nicht genug ein. Ist das so?

Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, die die finanziellen und technologischen Mittel haben, um zu zeigen, dass die Transformation möglich ist. Ich habe Verständnis, wenn arme Länder nicht wissen, wie sie es bewerkstelligen sollen. Aber wir Schweizer können das.

Tun es aber nicht …

Mich erschüttert es manchmal, wenn ich nach Norwegen schaue und sehe, wie massiv dort in die Transformation investiert wird. Die Elektromobilität wird gefördert, und dem grössten Pensionskassenfonds wurde verboten, in CO2-verursachende Projekte zu investieren. Die Norweger nutzen diese Hebel, und was ich der Schweiz vorwerfe, das ist, dass wir es nicht tun. Wir sind einer der grössten Finanzdienstleister der Welt und nutzen diesen vorhandenen Einfluss nicht, um an ganz vielen Orten auf der Welt den Schalter umzulegen.

Und warum hat die Schweizer Politik nicht den Mut, die nötigen Massnahmen zu ergreifen?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Offenbar haben es viele Politiker nicht verstanden. Sie sehen die Wichtigkeit nicht. Und jene, die es verstanden haben, stehen hinten an. In einer Demokratie muss man aber eine Mehrheit überzeugen können. Darum ist die Kommunikation entscheidend. Wir vom Beratenden Organ für Fragen der Klimaänderung (OcCC) haben unsere Arbeit getan. Und wir sprechen eine klare Sprache: Eine Transformation ist immer noch möglich, aber wir müssen sie mit Vollgas angehen. Es ist uns voll bewusst, dass es bei Transformationen immer Verlierer und Gewinner gibt. Stark CO2 verursachende Wirtschaften werden wohl langfristig zu den Verlierern gehören.

Was kann der Einzelne ­bewirken?

Das OcCC hat verschiedene Massnahmen angeschaut und ein paar Studien ausarbeiten lassen. Bei einer davon ging es um die Idee, personalisierte, also individualisierte, CO2-Budgets einzuführen. Dabei werden Einsparungen gefördert, indem sowohl Individuen als auch der öffentlichen Hand eine bestimmte Menge CO2 zugesprochen wird. Langfristig würde das jeweils total vorhandene CO2-Budget von Jahr zu Jahr verkleinert, bis das Ziel der CO2-Neutralität erreicht wird. Bei dieser Studie wurden auch exemplarische Lebensstile von vier Personentypen in der Schweiz betrachtet und ihre CO2-Emissionen inklusive der grauen Energie im Ausland geschätzt. Dabei hat man geschaut, wie sich ihr Fussabdruck in Zukunft verändert, wenn sie versuchen CO2 einzusparen. Es hat sich gezeigt, dass neben der Mobilität und dem Gebäudesektor vor allem im Bereich des Konsums gehandelt werden muss. Am schwierigsten ist es allerdings genau beim Konsum.

«Es gibt im Klimasystem Punkte, die derart einschneidend sind, dass es für den Menschen nicht mehr so einfach ist, sich anzupassen.»

 

Warum?

Weil wir oft nicht wissen, wie viel CO2 in einem Produkt steckt. Ein weiterer Aspekt sind aber auch die staatlichen Emissionen, beispielsweise durch das Militär, den Strassenbau und die öffentlichen Dienstleistungen, auf die das Individuum keinen Einfluss hat. Eine Idee, um Einsparungen zu fördern, ist es, dass sowohl Individuen als auch der öffentlichen Hand eine bestimmte Menge CO2 zugesprochen wird. Zudem könnten CO2-Deklarationen auf Produkten eine Lenkungswirkung haben.

Wenn wir nichts tun, bedeutet das das Ende der Menschheit?

Das kann ich so nicht beantworten. Es gibt im Klimasystem einfach Punkte, die einschneidend sind und dazu führen, dass es für den Menschen nicht mehr so einfach ist, sich anzupassen. Darum muss an erster Stelle eine Mitigationsstrategie gefahren werden, das heisst, es muss verhindert werden, dass noch mehr CO2 in die Erdatmosphäre gelangt. Die zweite Stufe ist dann die Anpassung. Es braucht beides. Aber die Mitigation ist absolut entscheidend: Je mehr wir in sie investieren, umso weniger müssen wir uns später anpassen.

Weil die Anpassung aufwendig ist und noch mehr kostet?

Ja. Das sollte auch die Wirtschaft begreifen. Wenn wir nicht jetzt in die Mitigation investieren, dann wird die Anpassung teuer – unglaublich teuer.

Umweltschutz ist so gesehen nicht teuer?

Was heisst teuer? Das sind ja Ökosystemleistungen, die die Natur erbringt und die uns helfen, überhaupt auf dieser Welt zu existieren. Wir brauchen das, sonst haben wir ein grosses Prob­lem.

Sie haben die Hoffnung erwähnt, die der Report des Weltklimarats zulässt. Haben Sie persönlich manchmal Angst, es nicht zu schaffen?

(nachdenklich) Ja, manchmal denke ich schon, dass es schwierig wird. Aber Angst? Ich habe Angst um die nachkommenden Generationen, die uns eines Tages den Vorwurf machen könnten, dass wir nicht gehandelt haben, obwohl wir wussten, was auf uns zukommt.

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