Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Die Zahl der Care-Migrantinnen nimmt zu

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Stellen sie sich vor: Seit einem Sturz ist eine allein lebende 90-jährige Dame auch in der Nacht auf Hilfe angewiesen. Sohn und Tochter können die Betreuung in den eigenen vier Wänden nicht garantieren, sie sind am Ende ihrer Kräfte. Über Bekannte bekommt man Kontakt mit Maria aus der Slowakei. Sie war bereits früher in der Schweiz im Einsatz und wird die Betreuung der Mutter übernehmen. Man vereinbart einen Lohn von 2000 Franken, ein Arbeitsvertrag steht aber nicht zur Diskussion. Maria arbeitet schwarz, ohne eine einzige Versicherung. Sollte sie erkranken oder verunfallen, würde sie Schulden machen. Und sie handelt ausserdem gegen das Gesetz. Sohn und Tochter machen sich ebenfalls strafbar. Dem Staat gehen die Einnahmen der Sozialversicherungen sowie die Steuern durch die Lappen.

Nur rudimentär geregelt

Dieses Szenario ist nicht unwahrscheinlich, denn die Betreuung älterer Menschen im eigenen Zuhause ist ein boomender Markt. Laut der Sonntagszeitung vom 16. Juli 2017 haben sich in der Schweiz in den letzten fünf Jahren über 300 neue Firmen für Pflege und Betreuung ins Handelsregister eingeschrieben. Für die 24-Stunden-Betreuung gibt es bereits rund 90 Agenturen. Diese vermitteln Betreuerinnen wie Maria an Privatpersonen. Beat Vogel, Leiter Caritas Care, sagt dazu: «Im Normalarbeitsvertrag für Arbeitnehmer in der Hauswirtschaft (NAV Hauswirtschaft), nach dem diese Betreuerinnen angestellt sind, ist vieles nur sehr rudimentär geregelt. Es ist deshalb nötig, dass der Bundesrat die Anstellungsbedingungen der Pflegerinnen regelt.» Für Vogel ist klar, dass dies allein nicht ausreichen wird, um Betreuerinnen aus Osteuropa nachhaltig zu schützen. Denn viele von ihnen würden schwarzarbeiten und deshalb mit einer Regelung nicht erreicht werden.

Unbekannte Dunkelziffer

Wie hoch die Dunkelziffer dieser schwarzarbeitenden Betreuerinnen ist, könne oder wolle niemand so genau sagen, so Vogel weiter, aus den umliegenden Ländern wisse man allerdings, dass ihre Zahl sehr hoch sei. In Italien beispielsweise ist die Altenbetreuung ganz Sache der Familie. Diese bekommt zur Pflege der Angehörigen nur geringe finanzielle Unterstützung durch den Staat. Das hat eine hohe Zahl illegaler Anstellungen zur Folge. Anders ist es dagegen in Österreich, denn seit Betreuer und Betreuerinnen den Status von selbständig Erwerbenden haben, sind heute drei von vier Personen staatlich gemeldet. In den nordischen Ländern ist das Problem weniger stark vorhanden. Der Grund könnte darin liegen, dass dort ältere Menschen einen staatlich gestützten Anspruch auf Betreuung zu Hause geniessen.

Schwarzarbeit bekämpfen

Beat Vogel sieht in der Schweiz Handlungsbedarf auf drei Ebenen: Einerseits fordert er, dass das Seco eine Studie in Auftrag gibt, die das Ausmass der Schwarzarbeit bei der 24-Stunden-Betreuung aufdeckt. Andererseits müsste der Staat mittelfristig aktiv Massnahmen ergreifen, um die Schwarzarbeit zu vermindern, «denn Betreuung zu Hause ist zu einem Markt geworden, in dem je länger, je mehr Personen ihren Lebensunterhalt verdienen. Damit ist sie nicht mehr Privatsache, sondern gehört in den Blick der Behörden», so Vogel. Langfristig gesehen möchte Vogel, dass die Schweiz den Anspruch auf Betreuung älterer Menschen durchsetze, so wie er ja bereits in der Bundesverfassung verankert sei. Vogel geisselt den Spargang vieler Gemeinden bei der Altenbetreuung, da dies seiner Meinung nach die älteren Menschen einem unüberschaubaren Markt überlasse, der für Schwarzarbeit und prekäre Arbeitsbedingungen prädestiniert ist.

Vogel betont, dass die Caritas Schweiz seit fünf Jahren Betreuerinnen aus Osteuropa vermittelt. Dabei wird nicht nur Wert auf eine korrekte Anstellung und gute Arbeitsbedingungen gelegt, sondern auch auf eine faire Care-Migration. Das bedeute, dass man den Blick auch auf die Herkunftsländer richte. Die Betreuerinnen würden demnach ihren Lebensmittelpunkt zu Hause behalten, und die osteuropäischen Caritas-Organisationen profitieren in der Kooperation mit Caritas Schweiz von einem Fonds für Bildung und Entwicklung, um die Arbeitsbedingungen in Osteuropa nachhaltig zu verbessern.

Care-Migration

Ausländische Betreuerinnen im Privathaushalt

Der Bedarf an Pflege von kranken, behinderten oder betagten Personen steigt. Die Gründe dafür liegen im demografischen Wandel und in der Zunahme chronischer Erkrankungen. Aber die hohe Lebenserwartung und neue Therapieformen bringen längere, anspruchsvollere Pflegeverläufe mit sich. Gleichzeitig wird die Betreuung vermehrt in die eigenen vier Wände verlagert. Parallel zu den professionellen Pflegediensten entwickelt sich nun ein länderübergreifender Betreuungsmarkt. Care-Migrantinnen arbeiten bei betreuungsbedürftigen Menschen zu Hause und wohnen oft auch als «Live-Ins» dort. Meist kehren sie nach einer vereinbarten Arbeitsphase in ihre Herkunftsländer zurück und tauschen den Dienst mit anderen. Das wird als «Pendelmigration» bezeichnet.

tr

Mehr zum Thema