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Die Zeit als Präsident genossen

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Heute Abend tritt Benoît Piller als Präsident der SP Freiburg ab. Bevor er das Amt übergibt, zieht er im Gespräch Bilanz.

Haben Sie Ihrer Partei mit der Kandidatur von Christian Levrat für den Staatsrat ein Abschiedsgeschenk gemacht?

Benoît Piller: Nein. Ich plante, das Präsidium schon im Frühling abzugeben, damit das neue Team die Strategie für die kommunalen und kantonalen Wahlen erarbeiten kann. Aber Covid kam dazwischen, wir hielten keine Versammlungen mehr ab, und deshalb habe ich weitergemacht. So war ich noch in die Diskussionen um Christian Levrats Kandidatur involviert.

Für die SP ist seine Kandidatur aber ein Geschenk.

Ja, sicher. Er ist ein Politiker mit einer langen Erfahrung in Bundesbern, dazu kommt die Erfahrung als Präsident der SP Schweiz. Dies kann er nun in den Dienst des Kantons stellen. Gemäss Umfragen ist er der beste Politiker der Schweiz.

Die SP Freiburg hat viele prominente Köpfe: Bundesrat Alain Berset, Christian Levrat, zwei Staatsräte, den früheren Grossratspräsidenten David Bonny und die aktuelle Grossratspräsidentin Kirthana Wickramasingam. Wie kann man sich da als Parteipräsident durchsetzen?

Es ist ein grosser Vorteil, sie zu haben. Die Rolle eines Präsidenten ist es, sie noch stärker zu machen. Er bereitet die Bühne vor, auf der sie sich präsentieren und ausdrücken.

Parteien haben oft Mühe, Präsidenten zu finden. Die Belastung ist hoch, der Lohn gering …

Ja, man muss das Amt lieben. Man sollte es als Hobby anschauen, wie Pilze sammeln oder Fitness betreiben.

Als Präsident hat man doch auch seine Ideen, die sich nicht immer mit jenen etwa eines Christian Levrat decken …

Mit den Gewählten gab es kaum Divergenzen. Es gab eher Meinungsverschiedenheiten mit der Parteibasis. Zum Beispiel mit der Stadtsektion beim Gesetz über die Ladenöffnungszeiten. Oder bei der Steuervorlage 17: Die Mandatsträger waren sich einig darin, die Reform zu unterstützen, aber die Versammlung hat sich dann mehrheitlich für ein Nein ausgesprochen. Aber das ist normal: In einer Partei darf sich jeder ausdrücken.

Abgerechnet wird immer bei Wahlen. Sie gehörten nicht immer zu den Gewinnern.

Wir haben 2015 bei den eidgenössischen Wahlen wegen des Rechtsrutschs einen Sitz verloren. Wir haben auch Ergänzungswahlen in den Staatsrat verloren. Zuerst 2013 mit Jean-François Steiert, da wollten wir im Staatsrat eine linke Mehrheit erreichen. Und 2018, als wir mit Valérie Piller Carrard gegen Didier Castella verloren. Andrerseits sind wir seit den Nationalratswahlen die wählerstärkste Partei im Kanton, und wir sind auch im Grossen Rat mit 28 Sitzen die stärkste Partei. Wir haben dieses Jahr je eine SP-Frau an der Spitze des Staatsrats und des Grossen Rats. All diese positiven Punkte lassen die Niederlagen vergessen

Bei der Ersatzwahl um den Sitz von Marie Garnier wurde die Strategie der SP kritisiert.

Nachher ist man immer gescheiter. Aber im Kanton Freiburg bringt es die linke Wählerschaft auf rund 30 Prozent. Bei einer Ergänzungswahl ist es für einen linken Kandidaten immer sehr schwierig.

Wie vielleicht bald auch bei einer Ersatzwahl für Christian Levrat für den Ständerat?

Ja, das wird schwer. Aber wir werden alles versuchen, um den Sitz zu halten.

Wie sehr waren Sie ein Netzwerker über die Parteigrenzen hinaus?

Natürlich sind die Kontakte unter den linken Parteien zahlreicher. Aber es ist gut, wenn die anderen Präsidenten auch im Grossen Rat sitzen – da kann man sich öfter austauschen. Die Meinungen der anderen helfen auch, unsere eigene Position zu verstärken.

Sie sind ein Mann der leisen Töne: Steckt da eine Strategie dahinter?

Nein, das ist meine Natur. Ich spreche aber doch etwas lauter als Jean-François Steiert. Bei mir hat es eher damit zu tun, dass ich finde, es sollen sich die Leute profilieren, die Exekutivmandate haben.

Sie sind auch Grossrat: Mussten Sie sich wegen Ihres Parteipräsidiums etwas zurückhalten?

Nein. Man kann sich frei äussern. Ein Parteipräsident muss fast Grossrat sein. Im Grossen Rat fallen die wichtigsten politischen Entscheide. Zwar ist unsere designierte Präsidentin Alizée Rey nicht Grossrätin, sie wird aber sicher 2021 kandidieren. Und wir haben zwei Grossräte als Vizepräsidenten und nach dem heutigen Kongress wohl noch mehr. Solange Alizée Rey nicht im Grossen Rat sitzt, nehmen sie diese Rolle wahr.

Bleiben Sie im Grossen Rat?

Ich bleibe bis Ende dieser Legislatur. Ich bin in der Finanzkommission und in der PUK zur Fischzucht engagiert. Diese Aufgaben will ich bis zum Ende meiner Amtszeit wahrnehmen.

Sie kommen aus dem Saanebezirk, wie schon Ihre Vorgänger David Bonny und Solange Berset. Zufall?

Ja und nein. Im Saanebezirk wohnt ein Drittel der Bevölkerung und da haben wir auch am meisten Mitglieder. Das Reservoir ist also grösser.

Und Deutschfreiburg?

Dieser Kantonsteil war immer gut vertreten. Wir wollen durch unsere Vizepräsidenten in den Bezirken vertreten sein.

Fast überall sind nun Junge an der Spitzen der Freiburger Parteien. Ein positiver Trend?

Die Gesellschaft ist in einem steten Wandel. In den letzten zehn Jahren nahmen die sozialen Medien einen immer wichtigeren Platz ein. Das wurde durch Covid noch akzentuiert. Die Politik muss sich da anpassen: Sie ist die Organisation der Gesellschaft. Politiker müssen also ein Querschnitt der Gesellschaft sein.

Zur Person

Ein aufständischer Nuklearphysiker

Der heute 65-jährige Benoît Piller ist seit 2013 Präsident der SP Freiburg. Zur Politik stiess er 2004: In seiner Wohngemeinde Avry war er in einer Art Bürgerbewegung aktiv. Der Gemeinderat war in einem Clinch mit der Bevölkerung. Als der Gemeinderat zurücktrat, war die Gemeinde zeitweise unter Vormundschaft. Piller übernahm Verantwortung für den Aufstand und liess sich in den Gemeinderat wählen, wo er auch gleich Syndic wurde. Drei Mal wurde er wiedergewählt, bis ihm 2016 eine rechte Mehrheit das Amt entriss. Im Grossen Rat sitzt Benoît Piller seit 2011. Er ist seit drei Jahren pensioniert, arbeitete aber schon vorher in einem reduzierten Pensum. Er stammt aus dem Jura-Quartier, ist ausgebildeter Nuklearphysiker und arbeitete immer in der Telekommunikation.

uh

 

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