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«Die Zeit vergeht so schnell»

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Am Montag, dem 19. März 1973, hatte André Fasel seinen ersten Arbeitstag als Konservator des Naturhistorischen Museums Freiburg. Heute überreicht er die Schlüssel an seinen Nachfolger und tritt in den vorzeitigen Ruhestand. 41 Jahre lang leitete der Zoologe die Geschicke des Museums. Mit dieser langen Amtszeit ist er in guter Gesellschaft: Seine Vorgänger Maurice Musy (1876–1927) und Othmar Büchi (1928–1966) waren dem Museum 51 respektive 38 Jahre lang treu.

 Ist dieses Museum, dessen Gründung ins Jahr 1823 zurückreicht, ein derart attraktiver Arbeitsplatz, dass man es nicht mehr verlassen will? André Fasel lacht–und relativiert dann: Musy und Büchi seien im Amt verstorben, nicht unüblich in einer Zeit, als es noch keine Altersvorsorge wie heute gab. Er selber habe tatsächlich kaum einmal den Wunsch verspürt, die Stelle zu wechseln. Und auch jetzt fällt es ihm nicht leicht, zu gehen: «Die Zeit vergeht so schnell, und ich konnte nicht alles zu Ende führen, was ich wollte.» Dabei denkt er etwa an den geplanten Umzug des Museums, ein Dossier, das er nun seinem Nachfolger Peter Wandeler überlasse.

Viele Reisepläne

Trotz aller Wehmut sei es der richtige Moment, zu gehen. Denn während seine Vorgänger im Amt verstarben, hat André Fasel noch viel vor im Leben. Der gross gewachsene 64-Jährige, der stets ein Lächeln auf den Lippen trägt, sprüht vor Energie, und seine Augen funkeln, wenn er von seinen Plänen erzählt: Vor allem anderen wolle er viel reisen. Diesen Frühling war er bereits im Senegal, geplant sind Reisen nach Spanien, in die Camargue, nach Quebec und nach Israel.

 Seine Offenheit und sein Elan haben Fasels Zeit im Naturhistorischen Museum geprägt. Das dynamische und lebendige Bild, welches das Museum heute abgebe, sei André Fasel zu verdanken, sagt Jacques Piller, Präsident der Vereinigung der Freunde des Museums. So führte Fasel regelmässige Sonderausstellungen ein; die erste fand 1976 zum Thema Käfer statt. Bis heute hat das Museum über 200 Wechselausstellungen gestaltet.

Die Küken und der Storch

Zu einem Dauerbrenner wurde die 1982 erstmals durchgeführte Kükenausstellung zur Osterzeit. Die Idee sei durch einen Zufall entstanden, erzählt Fasel. Ein Freund von ihm habe eine afrikanische Geflügelfarm mit Legehühnern beliefert und keine Verwendung für die männlichen Küken gehabt. So kam es, dass das Naturhistorische Museum erstmals lebendige Küken ausstellte. Schon am ersten Tag seien an die 300 Leute gekommen, um die Küken zu sehen und zu streicheln, so Fasel. Der Erfolg ist bis heute ungebrochen–auch wenn die Besucher die Küken seit 2001 aus Tierschutzgründen nicht mehr anfassen dürfen.

Nicht nur die Küken, auch die Weissstörche sind untrennbar mit Fasel und dem Naturhistorischen Museum Freiburg verbunden: 1999 versah das Museum zum ersten Mal einen jungen Storch mit einem Satellitensender. Es war der Beginn einer weiteren Erfolgsgeschichte: Störchin Max trug ihren Sender bis zu ihrem Tod im Dezember 2012; nie wurde ein Tier länger via Satellit verfolgt. Das Museum hat später weitere Tierarten per Satellitentelemetrie erforscht; aktuell läuft ein Rotmilan-Projekt.

Facebook und Webcams

Während seiner Amtszeit liess André Fasel nach und nach alle Ausstellungsräume des Museums erneuern: 1980 richtete er im Dachstock den grossen Raum für Sonderausstellungen ein. Ab 1993 folgte der Umbau der Dauerausstellung, der 2010 mit der Eröffnung des Saales der Wirbeltiere beendet wurde. Dort ist auch der berühmte Wal ausgestellt, den das Museum seit 1882 besitzt.

Ging es darum, die Öffentlichkeit über die Geschicke des Museums zu informieren, setzte André Fasel stets auf alle ihm zur Verfügung stehenden Kanäle. «Wir konservieren die Vergangenheit», sagt er dazu, «aber wir nutzen die Technologie der Gegenwart.» So hat das Museum seit 1996 einen eigenen Internet-Auftritt. Heute ist es auf Facebook und Flickr präsent, bietet einen Newsletter, beobachtet Tiere per Webcam und hat eine eigene Smartphone-App. Kaum erzählt Fasel davon, zückt er sein Smartphone, um die App zu demonstrieren und zeigt dann am Computer, was sich gerade in dem per Webcam beobachteten Mauersegler-Nest tut.

Kampf gegen das Wasser

Anpacken musste André Fasel im Naturhistorischen Museum von Anfang an: Gerade 22-jährig war er, als er die damalige 50-Prozent-Stelle des Konservators antrat. Sein Zoologie-Studium musste er noch abschliessen, das war Bedingung für seine Anstellung. Als er an seinem ersten Arbeitstag im Museum auftauchte, erwartete ihn dort niemand. Nur ein Tierpräparator war ausser ihm fest angestellt. Für das Publikum war das Museum bereits seit 1971 wegen Wasserschäden geschlossen.

Auch André Fasel musste als Erstes gegen das Wasser kämpfen. Er verlegte eigenhändig Blachen, weil es an mehreren Stellen ins Gebäude regnete. Er könne es selber fast nicht glauben, wenn er heute die alten Bilder sehe, sagt er, greift zu einem Fotoalbum und zeigt, in welch desolatem Zustand sich das Gebäude damals befand. Trotz allem konnte das Museum 1973 seine Wiedereröffnung feiern, und 1974 empfing es erstmals über 10 000 Besucher in zwölf Monaten. Heute zählt das Museum jährlich zwischen 60 000 und 70 000 Eintritte, und es beschäftigt zwanzig Mitarbeiter, die sich zehn Vollzeitstellen teilen.

André Fasel bleibt trotz seiner vielen Verdienste bescheiden. Seinem Nachfolger wolle er keine Ratschläge geben. «Er wird vieles anders und einiges besser machen», sagt er. Er selber werde in Zukunft gerne als einfacher Besucher ins Museum zurückkehren–wenn er nicht gerade auf Reisen ist.

Der Zoologe und seine Tiere: André Fasel mit einem ausgestopften Orang-Utan (oben, 2007), mit einem Bonobo (unten links, 2006), bei der Vorstellung einer Vitrine zur Satelliten-Telemetrie (unten Mitte, 2009) und mit einer lebendigen Eule (unten rechts, 2013). Bilder ce, vm und aw/a

Zahlen und Fakten

Das Museum: 41 Jahre unter André Fasel

1973André Fasel beginnt als Konservator mit einer 50-Prozent-Stelle im Museum.

1974Im Jahr nach der Wiedereröffnung empfängt das Museum erstmals über 10000 Besucher.

1975Nach Abschluss seines Studiums wird Fasels Stelle auf 100 Prozent aufgestockt.

1976Die erste Sonderausstellung findet statt.

1980Das Museum schreibt erstmals einen Fotowettbewerb aus, der bis heute alle zwei Jahre durchgeführt wird, stets zu Naturthemen.

1982Die Kükenausstellung findet zum ersten Mal statt.

1991Fasel wird vom «Konservator» zum «Direktor».

1996Das Museum zählt 76253 Eintritte: bis heute der absolute Rekord.

2010Die 1993 begonnene Erneuerung der Dauerausstellung ist abgeschlossen.

2013Das letzte ganze Jahr unter André Fasels Leitung ist ein Erfolg: 70874 Eintritte, der dritthöchste Wert in der Geschichte des Museums.

2014Am 1. Juli übernimmt Peter Wandeler die Verantwortung über das Museum.cs

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