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Diese Gesichter sprechen Bände

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Diese Gesichter fesselten mich.» Das sagt der Fotograf Peter Klaunzer über das Projekt «Verdingkinder», für das er 25 ehemalige Verding- und Pflegekinder aus der ganzen Schweiz porträtiert hat. «Man kann in den Gesichtern die Spuren von dem sehen, was diese Menschen erlebt haben.» So sind es denn auch die Gesichter, die im Mittelpunkt des Projekts stehen, das noch bis Ende Juni im Käfigturm in Bern ausgestellt ist. Es sind voll ausgeleuchtete Nahaufnahmen, die in ihrer schlichten Präsenz berühren. Dazu hat Peter Klaunzer auch das Umfeld der Porträtierten festgehalten: Mal ist ein Ehepartner zu sehen, mal eine Stube, mal ein Erinnerungsstück. Er habe sich für jeden Einzelnen viel Zeit genommen, erzählt der Fotograf; einen Tag hat er im Durchschnitt für jedes Porträt eingesetzt, verteilt auf eineinhalb Jahre.

Die Idee für das Projekt hatte der Keystone-Fotograf, als er im Dezember 2014 in Bern bei der Einreichung der Unterschriften für die Wiedergutmachungsinitiative fotografierte. Bei der Umsetzung arbeitete der 49-jährige Liechtensteiner eng mit dem Verein «Netzwerk verdingt» zusammen, der den Erfahrungsaustausch unter Betroffenen fördert und sich für die Aufarbeitung der Geschichte der Verding-, Heim- und Pflegekinder einsetzt. Hunderttausende Kinder wurden gemäss Schätzungen im 19. und 20. Jahrhundert in der Schweiz verdingt; etwa 10 000 dürften noch am Leben sein. Die 25 Menschen, die Peter Klaunzer porträtiert hat, stehen mit ihren Bildern und Geschichten stellvertretend für sie.

So auch der heute 68-jährige ­Willy Uldry: Geboren in Genf, wurden er und seine sechs Geschwister nach der Scheidung der Eltern in ein Waisenhaus in Avry-devant-Pont, in der Heimatgemeinde des Vaters, gebracht. «Anstatt meinen Eltern zu helfen, hat man uns in die Hölle geschickt», so Uldry. Die Kinder seien im Waisenhaus systematisch geschlagen und gequält worden. «Es waren die schlimmsten Momente meines Lebens.» Das gleiche gilt für den gebürtigen Waadtländer Hubert Meyer, der in den Fünfzigerjahren in die «Ferienkolonie» Salette de Bouleyres in Broc geschickt wurde, wo er während vier Jahren immer wieder von zwei Priestern missbraucht wurde. Mit Peter Klaunzer ist der heute 70-Jährige in den Wald zurückgekehrt, in dem er damals vergewaltigt wurde, und liess sich dort fotografieren. Das typische Schicksal eines Verdingkindes erlebte Rita Soltermann: 1938 in Burgdorf geboren, wurde sie auf Verlangen des Stiefvaters fremdplatziert: auf einem Bauernhof im Emmental, als jüngstes von vierzehn Verdingkindern. Sie und die anderen Kinder hätten dort die harte Arbeit von Mägden und Knechten erledigt, erzählt sie, und der Bauer habe dafür noch Kostgeld kassiert. Heute gehe es ihr gut. «Doch die gestohlene Kindheit wird in meiner Erinnerung bis ans Lebensende präsent sein.»

cs

Ausstellung: Käfigturm Bern. Bis Ende Juni. Mo. bis Fr. 8 bis 18 Uhr, Sa. 10 bis 16 Uhr.

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