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Doppelt hält besser

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Sie wägen gemeinsam Wörter und feilen zusammen an Zeilen: Rolf Hermann und Julia Rüegger machen mit beim Mentoratsprojekt «Double» des Migros-Kulturprozents, bei dem Schweizer Autorinnen und Autoren mit Nachwuchstalenten an Texten arbeiten.

Da kommen sie – schlendernd – an diesem sommerlichen Nachmittag. Er, mittleren Alters, trotz Hitze im eleganten Sakko; sie, jung und einseitig kurz geschoren, in bunten Stoffen. Das Treiben in der belebten Gasse scheinen sie nicht wahrzunehmen, so vertieft sind sie in ihr Gespräch – bis sie daraus auftauchen und sich im Bieler Altstadt-Restaurant St-Gervais an einen schattigen Tisch setzen. «Wir waren am See, um den ersten Teil der Texte zu besprechen», sagt Mentor Rolf Hermann, während die junge Autorin Julia Rüegger Kaffee bestellt und ein neues Mäppchen aus dem Rucksack holt.

«Lyrisches Material aus 76 Wochen, eine hohe und ungerade Anzahl von Textfassungen» sind es gemäss der Website des Double-Projekts, die Rüegger mit ihrem Mentor durcharbeiten will. «Es geht um Anatomie, um Schaukelstühle, um tröstende Trostlosigkeiten, um die Abmessung mit einem verbogenen Metermass und den Sprung in eine nie gekannte Stimmung.» Klingt spannend. Und poetisch. Sowohl die Jungautorin als auch der Mentor bewegen sich schreibend in einer Nische des Literaturbetriebs: der Lyrik.

Organisch schreiben

Soll der «Riesenfarn durch die Decke schlagen», bevor das «Paradies im Glashaus zu Gift gerinnt», wie in Textvariante IB? Oder umgekehrt? Schon sind die beiden am Sezieren der Zeilen. «Mich überzeugt dieser Anklang von Reim hier», sagt Rolf Hermann, tippt mit dem Stift auf Variante IA. «Vielleicht ist es ja gut, dass es kein offensichtlicher Reim ist.»

Bei der nächsten Variante kommen zum Riesenfarn im Glashaus weitere Textteile. Das Schreiben selbst ist Thema: «Wenn ich schreiben will, wachsen Lianen aus meinen Fingern / Unkraut fällt mir in den Schoss» – und irgendwo spriesst ein «Flohknöterich». «Wie sieht der eigentlich aus, dieser Floh­knöterich?», fragt Rolf Hermann. Julia Rüegger weiss es nicht. Als Lyrikerin schafft sie eigene Bilder, die real existierenden interessieren sie in diesem Moment weniger. Hermann zückt sein Smartphone, googelt, hat das Gewächs mit den purpurroten Blütenrispen schon gefunden. Nun kommt er auf die Lianen zurück, die der Schreibenden aus den Fingern wachsen: «Und um welche Lianenart handelt es sich? Die müsstest du vielleicht auch noch genauer bestimmen.» Das Organische, meint er, habe einen engen Bezug zum Schreiben, das selbst etwas sehr Organisches sei.

Sprechen über Geschriebenes

An den vom Migros-Kulturprozent finanzierten Mentoratstreffen sprechen die beiden über den Schreibprozess, auch über Publikationsmöglichkeiten oder Erfahrungen, die sie bei Lesungen machen.

Der 45-jährige Rolf Hermann ist als Autor mit zahlreichen Veröffentlichungen sowie Träger diverser Literaturpreise ein etablierter Teil des Literaturbetriebs. Die 23-jährige Julia Rüeg­ger steht mit einzelnen in Anthologien publizierten Texten und Auftritten an Literaturfestivals noch am Anfang. Die gebürtige Baslerin studierte in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, Theater und Philosophie.

Ihren Mentor lernte sie während eines Gastsemesters am Literaturinstitut Biel kennen, wo er als Lyrik-Dozent tätig ist. «Nachdem sich bei mir viel lyrisches Material angesammelt hatte», so Rüegger, «wurde mir klar, dass ich nun einen Aussenblick darauf brauche.» Deshalb habe sie sich bei «Double» für ein Mentorat mit Rolf Hermann beworben. Und er? «Ich wurde angefragt, und für mich war klar, dass ich da mitmache.» Hermann hat als Autor selbst die Erfahrung gemacht, «dass Sprechen über das Geschriebene einen weiterbringt».

Viel Material in Form bringen

Wohin soll das Mentorat die Jungautorin bringen? «Mir geht es darum, bestehendes Textmaterial in eine endgültige Form zu bringen», sagt sie und bündelt die vielen losen Blätter, die auf dem grossen Beizentisch verteilt liegen. Ob ein Buch daraus entsteht, lässt sie offen.

Auch davon, als noch sehr junge Autorin bereits einen unverkennbaren Stil vorweisen zu müssen, ist sie etwas abgerückt: «Die Gespräche mit Rolf haben mich in diesem Punkt entlastet.» Der Mentor nickt: «Erst einmal geht es darum, möglichst viel Textmaterial zu generieren.» Das Schreiben von Gedichten sei immer ein Suchen mit viel Lust. Ein stetiges Rotieren und Präzisieren.

So hat Julia Rüegger in der Lyrik «ein Gegengewicht» gefunden zur Prosa, die bei ihr lange im Vordergrund stand. Und was ist Lyrik für Rolf Hermann? Er gibt eine Antwort, wie nur ein Dichter sie geben kann: «Für mich ist es immer ein Aufglühen in einem sehr dunklen Raum, wenn ein Gedicht entsteht.»

*Dieser Text wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

Zahlen und Fakten

Ein Förderprojekt der Migros

Nach einer Analyse der Förderlandschaft hat das Migros-Kulturprozent 2015 die Literaturförderung neu ausgerichtet. «Double» ist nun eines von vier zeitgemässen Förderprojekten. Die Verantwortliche Yeboaa Ofosu stellt jährlich sechs bis sieben Mentoren und Mentorinnen auf. Diese bringt sie mit jungen Schreibenden zu Paaren zusammen, den sogenannten «Doubles». Zehn Arbeitstreffen werden mit 6000 Franken Mentorenhonorar und 2000 Franken Autorenhonorar unterstützt. Auf Wunsch können die «Doubles» die Künstlerresidenz Arc des Migros-Kulturprozents in Romainmôtier nutzen. Auf der «Double»-Website werden Ausschnitte der bearbeiteten Texte veröffentlicht. «Double» ist aktuell in der dritten Runde und wird weitergeführt.

sda

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