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Pio Brönnimann 22.11.2012

Von der Bedeutung des Sport-Sponsorings

Grosse Sportanlässe sind heutzutage ohne flankierende Sponsoringaktivitäten kaum mehr möglich. Eine der wenigen Ausnahmen bildet der Ryder Cup im Golf, in dem sich alle zwei Jahre die besten Spieler Europas und der Vereinigten Staaten duellieren. Als einer der grössten Sportanlässe überhaupt kommt er heute noch ohne Werbung aus. In diesem bedeutendsten Golfturnier der Welt spielen die besten Golfer mit, ohne Preisgeld zu erhalten, es geht lediglich um die Ehre. Dies ist aber eine grosse Ausnahme. Im Normalfall haben Einzelspieler, Teams und heute sogar Sportarenen engste Beziehungen zu ihren Geldgebern.

Jedes Kind weiss doch heute, welche Kaffeemaschine unser «Roger National» benutzt und bei Fussball- oder Formel-1-Teams steht der Sponsor oftmals sogar im Vordergrund – oder wissen Sie, wer den Motor in Sebastian Vettels Red-Bull-Rennboliden liefert? 
Unsummen werden von Firmen in Sportler und Mannschaften investiert, aber ist das überhaupt sinnvoll? Was ist mit den Verlierern? Haben sie auch noch einen positiven Einfluss auf die Marke, welche sie vertreten? Und wer bezahlt schlussendlich eigentlich das Sponsoring? Sind es die Firmen selber? Deren Aktionäre? Die Mitarbeiter durch Lohnverzicht oder gar die Kunden durch überteuerte Produkte? Trotz vieler Fragezeichen finde ich, im Grossen und Ganzen überwiegt das Positive, sowohl für die Marken wie auch für den Sport. 
Wenig Sinn macht es meiner Meinung nach jedoch, wenn Monopolisten wie beispielsweise die Kantonale Gebäudeversicherung oder die Groupe E gross im Sponsoring tätig sind. Was wird damit bezweckt? Dieses Geld bezahlen ganz klar die Kunden und wo bleibt hier der Nutzen? Ganz anders ist es, wenn der Kleinunternehmer den örtlichen Sportklub unterstützt. Mit Geld aus der eigenen Tasche wird ein erweiterter sportlicher Kundenkreis begünstigt, meist ohne wirkliche Werbewirkung.
Oft werde ich gefragt, was die Rückenwerbung der BSC Young Boys der Weiss+Appetito bringt? Für mich selber etwas überraschend ist die grosse positive Wirkung, indem die Mitarbeitenden ihr Firmenlogo beim Torjubel live im Fernsehen sehen oder auf einem grossen Farbbild in der Zeitung. Das kommt an, stärkt das WIR-Gefühl und bei schönen Toren – oder den leider etwas seltenen Siegen – auch das Image der Firma, ihrer Mitarbeitenden und sogar deren Familien. Sponsoring hat also durchaus auch unerwartete positive Effekte.
 
Pio Brönnimann lebt und arbeitet in Ried bei Kerzers. Als dipl. Bauingenieur ist er heute Verwaltungsratspräsident der Weiss+Appetito Holding AG, einer Unternehmung aus dem Bau- und Dienstleistungsbereich. Als Vizepräsident des GIME (Groupement des industrielles de Morat et Environ) ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.
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Philipp Schütz 15.11.2012

Anspruch und Realität

Letzte Woche haben wir uns in Magglingen getroffen, um die Resultate der Olympischen Spiele auszuwerten. Die besten Trainerinnen und Trainer des Landes, Funktionäre und Sportwissenschaftler.

Auf den ersten Blick ist die Bilanz von London 2012 ernüchternd: vier Medaillen, sechs Diplomränge. Nur 23 Prozent der selektionierten Schweizer Athletinnen und Athleten haben sich im ersten Drittel der Rangliste klassiert. Alle anderen haben ihre Top-leistung am Tag X nicht abrufen können. Liegt es an zu wenig finanzieller und personeller Unterstützung? An Wettkampfpech? An fehlender Erfahrung? Oder sind wir schlicht nicht gut genug?

Wohl von allem ein bisschen. Anspruch und Realität im Spitzensport klaffen hierzulande (weit) auseinander. Einerseits erwarten Herr und Frau Schweizer, dass die Schweizer Sportler möglichst jeden Tag eine Medaille gewinnen. Sind stolz, wenn Nicola Spirig und Steve Guerdat mit ihrer Goldmedaille in die TV-Kameras winken. Das vereint die Nation. Dass die Schweiz von 100 Sportfranken nur rund 25 Franken in den Spitzensport investiert und damit im Vergleich zu Mitkonkurrenten andere Prioritäten setzt, ist weniger bekannt. Dass in der Schweiz die staatliche Unterstützung für den Leistungssport im internationalen Vergleich deutlich kleiner ausfällt ebenfalls. Grossbritannien beispielsweise hat die Mittel für die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in den letzten zwölf Jahren verfünffacht. Die Konsequenzen davon haben wir gesehen.

Andererseits trainieren unsere Athletinnen und Athleten nicht professionell genug. Nicht hart genug. Und nicht konsequent genug. Der unbändige Wille, in jeder Trainingseinheit die Grenzen zu überschreiten, fehlt vielerorts. Und der nötige Mut, alles auf eine Karte zu setzen: gewinnen oder viel verlieren.

Wir Schweizerinnen und Schweizer bevorzugen vielmehr ein System mit einheitlichen Regeln, während in anderen Kulturen eine Prise Verrücktheit den Unterschied ausmacht. In der Fussballsprache ausgedrückt: Unsere Kultur fördert die defensiven Mittelfeldspieler. Und weitaus weniger die kreativen, unkontrollierbaren Stürmer. Vielleicht ist es genau dieses Sicherheitsdenken, welches unsere Athletinnen und Athleten im entscheidenden Moment hemmt. Ein Viertel unserer London-Delegation hat ungenügende mentale Stärke als Faktor für den Misserfolg genannt.

 Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Medaillen haben ihren Preis. Sowohl für eine Gesellschaft wie auch für die Sportlerinnen und Sportler und ihr Umfeld. Bleiben wir beim Status quo, sollten wir zwangsweise die heutige Realität akzeptieren. Wollen wir unsere hohen Ansprüche beibehalten, müssen wir die Schweizer Spitzensportkultur entwickeln. Uns für mehr Ressourcen und hoch professionelle Umfelder einsetzen.

Eine Möglichkeit dazu wäre eine Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022. Damit würde viel Energie freigesetzt. Und der Schweiz würden neue Perspektiven eröffnet. Nicht nur im Spitzensport. Doch dazu in meiner nächsten Kolumne mehr.

 

 Philipp Schütz (37) ist Ausbildner am Bundesamt für Sport in Magglingen und arbeitet als Pressebeauftragter beim internationalen Volleyballverband FIVB. Ausserdem war der gebürtige Murtner Volleyball-NLA-Trainer bei Neuchâtel UC.

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Bernard Waeber 31.10.2012

Babylonisches Freiburg?

Weltweit gibt es an die 6500 Sprachen. Wie viele davon werden im Kanton Freiburg als Muttersprache gesprochen? So zwischen 50 und 100? Oder doch eher 100 bis 200? Um es genauer zu wissen, erkundige ich mich beim Amt für Statistik. Dort gibt man mir bereitwillig Auskunft. Allerdings kann auch dieses Amt die Antwort auf meine Frage nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Das Erfassen und Verarbeiten von Daten ist ein komplizierteres Verfahren, als ich mir das vorgestellt habe.

Bei der Datenerhebung wird nämlich nicht, wie ich angenommen habe, die Muttersprache einer ausländischen Person erfasst, sondern deren Hauptsprache–oder allenfalls deren Hauptsprachen. Es können bis zu drei angegeben werden. Gefragt wird: «Welches ist Ihre Hauptsprache, das heisst die Sprache, in der Sie denken und die Sie am besten beherrschen?» Das ist an und für sich auch sinnvoll. Denn welche Sprache würde beispielsweise ein sich in der Schweiz aufhaltender Ghanaer als Muttersprache angeben: Englisch? Also die Amtssprache der ehemaligen britischen Kolonie. Oder Twi, Ewe, Dagbani und andere? Das heisst, eine der zahlreichen in diesem afrikanischen Land gesprochenen einheimischen Sprachen. Die meisten Ghanaer in der Schweiz haben mehrere Hauptsprachen. Und die Hauptsprache einer Person kann sich im Verlaufe des Lebens auch ändern.

Bei einer vor zwei Jahren durchgeführten Stichprobe im Kanton Freiburg wurden 6612 Personen befragt. Diese gaben 78 verschiedene Sprachen als ihre Hauptsprachen an. Haben Sie gewusst, dass bei uns auch Kinyarwanda, Malayalam und Hiligainon gesprochen werden? Wie gesagt, es handelte sich um eine Stichprobe, die Anzahl der Hauptsprachen dürfte in Wirklichkeit noch höher sein als 78. Man bedenke: Die Nomenklatur des Bundesamtes für Statistik für die Eidgenössische Volkszählung 2010 unterscheidet insgesamt über 1000 Sprachen.

Hierzulande werden viel mehr verschiedene Sprachen gesprochen, als wir allgemein vermuten. Als Folge der stetig wachsenden ausländischen Bevölkerung hat die Vielfalt punkto Sprachen und Kulturen zugenommen. Das zeigt sehr deutlich die Entwicklung unserer «Nati» in den letzten Jahren: Sie ist zu einer multikulturellen Fussballmannschaft geworden, mit einer gegenwärtigen Dominanz des albanischen Elementes.

Immer mehr Freiburger Jugendliche machen immer früher–noch bevor sie zwanzig Jahre alt sind–Reiseerfahrungen und Sprachaufenthalte in anderen Kontinenten. Auf und raus in die Welt! Und gleichzeitig kommt die «weite Welt» zu uns. Manchmal erscheint mir der «Röstigraben» als ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert.

Bernard Waeberist 1953 in Schmitten geboren und in der Stadt Freiburg zweisprachig aufgewachsen. Er hat Germanistik und Romanistik studiert, in Freiburg und an der Freien Universität in Berlin. Seit mehr als zwölf Jahren lebt er im Ausland. Zurzeit ist er als Lektor für deutsche Sprache an der Universität Belgrad tätig. Als Gastkolumnist macht sich Bernard Waeber in den FN Gedanken zur Zwei- und Mehrsprachigkeit.

 

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Heinz Pfander 25.10.2012

Vergessen...?

Nun sollte man meinen, dass mit zunehmendem Alter auch die Fülle der persönlichen Ereignisse und damit auch die Erinnerungen zunehmen. Ob das Gedächtnis die vielen Eindrücke dann auch sauber speichern, ordnen und wieder hervorzaubern kann, ist eine andere Frage! Zudem korrelieren Erfahrungen und Erlebnisse nicht zwangsweise mit dem fortschreitenden Alter und viele Menschen älteren Jahrgangs müssen sich eingestehen, eigentlich gar nicht so viel erlebt zu haben. Was aber auffällt und eine nähere Betrachtung verdient, ist das «Vergessen». Und zwar nicht das Vergessen von irgendwelchen Unwichtigkeiten, sondern von wegweisenden und prägenden Veränderungen respektive deren Verursacher.

Meist sind es Menschen, welche einem mit einer Idee, einem Hinweis oder sonst irgendwie die Augen öffnen. Oft entstehen persönliche Freundeskreise und Netzwerke nur, weil eine andere Person im richtigen Moment die entscheidenden Verbindungen knüpft. Und genau daran sollten wir uns immer wieder erinnern.

Überlegen Sie sich in einer stillen Stunde doch wieder mal, wer denn alles in Ihrem Leben «schuld» für gewisse Initialzündungen war! Ein Lehrer, der Chef vielleicht, die Eltern, Nachbarn, Bekannte oder vielleicht auch nur ein Buch, ein Film oder ein Lied? Schon nur der Versuch alleine, den Ursachen dieser Wirkungen wieder mal auf die Spur zu kommen und quasi darüber einen «Stammbaum» zu zeichnen, ist spannend. Warum wohnen Sie heute genau hier und wer gab Ihnen den Tipp jenen Arzt aufzusuchen, ohne den Sie vielleicht gar nicht mehr da wären? Und hätten Sie heute diesen erfüllenden Beruf oder genau den Partner kennengelernt, wenn damals …? Und warum haben Sie irgendwann mit Bergwandern, Velotouren, Lismen, Malen oder Sackgumpen angefangen oder haben genau diese Reise unternommen, die notabene dann auch wieder unzählige neue Verbindungen in Ihrem Leben hervorrief?

Sich jeden Tag kurz an eine Situation erinnern und die effektiven «Urheber» herauszufiltern, um sie dann zumindest in Gedanken zu würdigen, macht sichtlichen Spass. Sollten Sie sogar die Gelegenheit haben –, auch wenn es lange her ist – ein persönliches Lob auszusprechen, dann tun Sie es!

Dass es selbstverständlich auch die negativen Erfahrungen gibt, ist klar. Hier ist aber das «Vergeben» sinnvoller und das Verschwenden von Energie für schwelenden Groll, nicht empfehlenswert.

Ebenfalls interessant und berechtigt ist in diesem Zusammenhang die Frage, für wenSiediese Rolle bewusst oder unbewusst schon gespielt haben. Es ist sehr befriedigend zu wissen und mit Geld nicht aufzuwiegen, jemanden zum Glück oder zu sonst etwas Positivem verholfen zu haben, auch wenn nicht immer gleich ein unmittelbares Dankeschön zu erwarten ist.

Und zum Schluss sei einfach noch erwähnt, dass es nie zu spät ist, damit anzufangen.

Der Unternehmer Heinz Pfanderaus Düdingen ist Inhaber der ATEC Personal AG und Rega-Text TV, Gastgeber der Wallenried-Gespräche und Initiant des PRIX ATEC. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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Pascal Vonlanthen 11.10.2012

Grieee-chischer Weeein… la, la, la,…

So wie das Blut der Erde. Komm, schenk uns gopfertelli endlich mal was ein … na, na, na …

Ahh, Udos Schlager verfolgt mich seit einigen Tagen auf Schritt und Tritt. Es ist so weit, Koffer zwar noch nicht gepackt, aber was rein muss schon mal auf den geistigen «To-do»-Zettel notiert: Sonnencrème, Badehose, Gitarre. Am Sonntag um drei Uhr morgens – holy shit – wird man mich irgendwo in Freiburg aufgabeln, muss noch schauen, wo das genau ist – und vor allem, wie ich dorthin komme! Gegen den frühen Abend wird dann das Schiff ab Venedig lostuckern, Richtung Süden, Richtung Sonne, Wärme, blauer Himmel und Cocktails im kurzen Hemd. Die Kreuzfahrt hätte nicht in einem passenderen Moment stattfinden können. Findet ihr nicht auch?

Schade, dass die meisten von euch nicht dabei sein werden. Jammerschade, wirklich, wir werden euch vermissen, obwohl … eigentlich selber schuld. Wenn man bedenkt, dass ein halbes Jahr lang Werbung für die Kreuzfahrt gemacht wurde und sogar ich meine Visage nicht mehr auf dem Hornercar oder in dieser Zeitung sehen konnte. Aber es soll ja solche geben, die gerne etwas feuchtere Luft haben, der Schleimhäute wegen und so. Deshalb auch lieber zu Hause bleiben, Oktober ist ja auch schön, wenns draussen bisschen regnet und man wieder die Stiefel und den ganzen verdammten Winterkram aus dem Keller holen muss.

Ich habs lieber warm. Auch im Oktober oder November. Ich bin auch eher der pragmatische Kofferpacker. Devise ist: so wenig wie möglich, plus drei Flaschen Alkohol. Es gibt Tanten und Mamis, die immer noch einen warmen Pulli einpacken – auch für die Sommerferien in Südspanien, wo es ungefähr alle zehn Schaltjahre mal unter 40 Grad warm wird. So was kommt bei mir nicht in Frage. Es geht nicht um die Wahrscheinlichkeit eines kalten Ferienabends, sondern um die globale Ferien-Einstellung. Ich weigere mich, während meinen eher raren Ferien kaltes Wetter zu akzeptieren. Mir wird es egal sein, ob in den griechischen Meeren Poseidon den Kreuzfahrtdampfer nassrüttelt und -schüttelt: Ich werde mit kurzen Hosen und T-Shirt tapfer auf dem Deck den Sonnenuntergang–oder in diesem Fall, eher den Untergang als solches–geniessen, am Gläschen nippen und bisschen auf der Klampfe zupfen. Wobei, Ferien sind es ja nicht für uns Musiker. Hier mal kurz eine Auflistung der Highlights, die ihr nicht erleben werdet, weil eben zu Hause, im Faserpelz am Fallblätter im Garten zusammenrecheln:

Eröffnungsgala mit allen «Kampf der Chöre»-Auftritten, exklusiv für das Kreuzfahrtpublikum aufgewärmt und neu angerichtet, danach Stämpf mit seinem ersten Soloauftritt, Tag danach Covernight, die besten Coverbands der Region, alle an einem Abend, der Wahnsinn – Covers, bis die Ohren bluten!!! Inklusive Sandee mit Baby auf dem Schoss. Oder mal schauen, vielleicht nimmt der Käpt’n es schnell an die Brust, das Baby, meine ich. Hip-Hop, A-Cappella, stimmgewaltige Sängerinnen und Sänger aus dem Senseland und sogar eine Radio-Frybùrg-Stùbeta gibts, mit Jodel, Juchzer und Trudi. Hell, it’s a lot of music – und das alles auf drei Bühnen. Ich platze vor Freude. Und mit mir 500 weitere Deutschfreiburger.

Griechischer Wein, wir kommen! Wir bringen euch dann ein kleines Fläschchen mit heim. Adios amigos – oder wie sagt man das auf Griechisch? Egal. Alle Mann und Frau an Bord, Anker lichten und mit Volldampf ins Abenteuer!

Pascal Vonlanthen alias Gustav ist Musiker und lebt in Freiburg. Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

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Barbara Colpi 20.09.2012

Wie viele Emotionen dürfen sein?

Die Olympischen Sommerspiele liegen zwar schon wieder rund einen Monat zurück, doch so richtig verdaut habe ich dieses «Feuerwerk von Emotionen» noch immer nicht. Ich hatte das Privileg nach Peking und Vancouver zum dritten Mal als Radioreporterin bei diesem sportlichen Grossanlass dabei zu sein und einmal mehr waren es unvergessliche Augenblicke. Drei Wochen lang jagt ein Highlight das andere, und wenn ich sage, ich habe es noch nicht richtig verdaut, meine ich, dass ich eigentlich noch immer nicht richtig fassen kann, was ich alles erleben durfte. Von der Eröffnungsfeier bis zur Schlussfeier gab es kaum eine Möglichkeit, einmal länger inne zu halten und zu begreifen und zu geniessen versuchen. Was bleibt, sind die Erinnerungen an starke Emotionen, und das Schöne an meinem Job ist, dass ich diese Emotionen auch mitteilen darf. Dabei werde ich aber auch immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie emotional eine Radioreportage sein darf. Gerade weil ich in der Deutschschweiz sicher zu der Sorte der schneller, lauter und emotionaler sprechenden Reporter gehöre, werde ich immer wieder ermahnt, nicht zu übertreiben. Das verstehe ich ja, aber es tut manchmal auch weh, denn gerade wegen dieser emotionalen Momente bin ich ja Sportreporterin geworden. Das sind nicht immer nur schöne Momente. Angefangen hat es an den Olympischen Spielen für mich mit einem Schreckmoment, mit dem Sturz von Fabian Cancellara im Rad-Strassen-Rennen. Ich war genau in diesem Moment nicht auf Sendung und habe laut aufgeschrien. Dies sagten mir später die Reporter aus den anderen Ländern, die rund um mich sassen, denn realisiert hatte ich es nicht. Ich erinnere mich nur, wie ich mich dann bei der nächsten Radio-Schaltung unglaublich konzentrieren musste, um vor lauter Emotionen auch noch verständlich zu erzählen, was passiert war. Auch der letzte Tag war besonders emotional, als sich im Mountainbike-Rennen Nino Schurter in der letzten Kurve vom Tschechen Jaroslav Kuhlavy überholen liess und anstatt Gold, Silber gewann. Da erinnere ich mich, wie der tschechische Radioreporter und ich beide kommentierten und sich unsere Stimmen jeder in seiner Sprache fast überschlugen. Anschliessend sagte er zu mir sagte: «Weisst du, wir haben den besten Job, wir gewinnen immer!» Wie recht er doch hat, solange wir unseren Job gut machen, bestimmt. Die Olympischen Spiele sind nicht nur ein Treffen von Sportlern aus aller Welt, sondern auch von Journalisten aus aller Welt, und vielleicht sind es genau diese Treffen, die mich darin bestärkten, dass Radioreportagen emotional sein dürfen. Im internationalen Vergleich sind Radioreportagen in der Deutschschweiz nämlich immer noch eher ruhig. Spätestens als sich die sonst so sachlichen und fast schon überkorrekten Briten des Radiosenders BBC von der Sportbegeisterung in London anstecken liessen und beinahe von der Reportertribüne fielen vor lauter Anfeuerungsrufen und Schreien, die alle über den Sender gingen, als Bradley Wiggins die Goldmedaille im Rad-Einzelzeitfahren gewann, war mir klar: Emotionen darf es auch am Radiosender geben, und wenn dies einmal nicht mehr so sein sollte, dann wechsle ich den Job.

Barbara Colpi (37) ist Ethnologin und arbeitet als Sportredaktorin bei Radio DRS. Zuvor war die gebürtige Oltnerin Sportchefin bei Radio Freiburg. 
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Hubert Schaller 13.09.2012

Schafft die Spitäler ab!

Ich möchte mich einmal ganz weit aus dem Fenster hinauslehnen. Ich bin nämlich dafür, dass unser Regionalspital in Tafers geschlossen wird. Ja, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich plädiere dafür, dass es abgerissen wird. Und zwar nicht nur dieses Spital, sondern auch das Kantonsspital, dann das Inselspital und schliesslich alle 299 kleinen und grossen Spitäler vom Genfer- bis zum Bodensee. So, jetzt ist es raus. Jetzt könnt ihr auf mich eindreschen!

Meine Begründung ist so einfach wie einleuchtend. Entgegen der landläufigen Meinung machen Spitäler nämlich nicht gesund, sondern krank. Schon nur ihr Anblick verursacht Magenbeschwerden. Und wenn man dann noch bedenkt, was sie kosten, greifen die Beschwerden unweigerlich auf alle Organe über. Denn Spitäler folgen dem gleichen Imperativ wie Handys, Zahnpasta oder Büchsenfleisch: Einmal gebaut und in Betrieb genommen, müssen sie unaufhörlich und immer besser rentieren. Wehe, wenn ein Spitalbett während zwei Nächten leer bleibt! Damit das nicht geschieht, setzt man alles daran, dass die Leute krank werden. Allzu lange dürfen sie hingegen auch nicht krank sein, sonst beschweren sich die Krankenkassen. Der ideale Krankenhauspatient ist ein Kurzaufenthalter, der immer wieder kommt. Damit er aber immer wieder kommt und das Seinige zu einer Spitzenbelegung der Spitalbetten beiträgt, sollte er in (kurzen) Abständen immer wieder krank beziehungsweise rückfällig werden. Also schickt man ihn möglichst vor der endgültigen Genesung nach Hause. Einliefern, entlassen, wiederkommen; einliefern, entlassen, wiederkommen: So funktioniert das ökonomische Diktat unserer Spitalpolitik.

An dieser Logik und damit am zugrunde liegenden Problem wird sich auch nichts ändern, wenn kleine Spitäler geschlossen und grosse Spitäler immer grösser werden. Im Gegenteil, dadurch wird alles nur noch schlimmer. Am Ende dieser Entwicklung erwartet uns ein einziges kleinstadtähnliches Supermegahospital, in dem Abertausende von hoch spezialisierten Chirurgen für gigantische Honorare Abertausende von hoch komplizierten Operationen durchführen werden, während es an allen Ecken und Enden an Hausärzten fehlt, die eine einfache Grippe behandeln können. Stolz wird man darauf verweisen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung auf 100 und mehr Jahre hinaufgeschraubt werden konnte, sodass immer mehr Leute immer länger in den Genuss dieser hoch spezialisierten, gigantisch teuren Spitzenmedizin kommen werden, deren Endzweck sich darin erschöpfen wird, uns am Sterben zu hindern.–Ohne mich! Gegen ein solches Gesundheitssystem wehrt sich mein gesunder Menschenverstand. Ich weiss von keinem Weltreich, das nicht an seinem Grössenwahn, seinem Gigantismus zugrunde gegangen wäre.

Deshalb müssen wir meiner Meinung nach den radikalen Schnitt wagen und nicht bloss einzelne Krankenhäuser, sondern die Institution Krankenhaus kurzerhand abschaffen. Dadurch werden die Leute nämlich gezwungen, gesund zu bleiben. Das wäre geradezu die Rettung unserer ruinösen Spitalpolitik. Der Gordische Knoten eines gänzlich neuen Gesundheitssystems.

Glauben Sie mir, sobald das Spital Tafers seine Tore schliessen wird, werden «wier Seisler» schlagartig gesünder werden. Wir werden uns mit Händen und Füssen dagegen wehren, in ein Spital eingeliefert zu werden, wo man unsere Sprache nicht versteht. Wir werden uns deshalb gesünder ernähren, mit dem Rauchen aufhören, unseren Alkoholkonsum drosseln. Die Turn- und Sportvereine werden über Nacht einen Mitgliederboom verzeichnen. Erschöpfte Regionalpolitiker, die bis zum Umfallen für Tafers gekämpft haben, werden zu frischem Leben erwachen und ihre neue politische Berufung darin erblicken, das Spital in ein regionales Sport- und Gesundheitszentrum zu verwandeln. Die Kirchen werden sich wieder füllen, weil die Leute für ihre Gesundheit oder für die Genesung ihres kranken Nachbarn beten wollen. Kurz, das Verschwinden der Spitäler würde unsere Körper- und Seelenpflege revolutionieren und damit zu einer nachhaltigen Gesundung der ganzen Bevölkerung führen.

Aber leider bin ich nicht romantisch genug veranlagt, um an die Realisierbarkeit meines eigenen Vorschlags zu glauben. Die Gesundheitspolitiker werden weiterhin auf ihren Krankenhäusern und damit auf unseren Krankheiten beharren. Die Fusionen und Infusionen werden munter weitergehen, bis nur noch ein einziger Krankenhausmoloch übrig bleibt, der – wie der Turm zu Babel – grössenwahnsinnig in den Himmel wächst und letzten Endes doch zur symbolträchtigen Ruine erstarren wird.

P.S. Wer in einigen Äusserungen die Donnerstagarroganz eines bestimmten Kolumnisten entdeckt zu haben glaubt, liegt vollkommen richtig. Sie sehen, dass ich immer noch fleissig am Üben bin … Andererseits muss man einen falschen Standpunkt gelegentlich so lange auf die Spitze treiben, bis schliesslich die Wahrheit abbricht …

Hubert Schaller unterrichtet Deutsch und Philosophie am Kollegium St. Michael. Er ist unter anderem Autor der Gedichtbände «Trommelfellschläge» (1986) und «Drùm» (2005). Als Kulturschaffender ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.

«Spitäler machen nicht gesund, sondern krank.»

 

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Boris Boller 12.09.2012

Lost in Translation

Zumindest für eine offizielle Beschriftung des Bahnhofs mit «Fribourg/Freiburg» scheint die Zeit auch im Rahmen der «pragmatischen Art der Zweisprachigkeit» mittlerweile reif zu sein – ebenso wie für den Bahnhof Murten/Morat.

Der Entscheid der Stadtregierung für eine Kostenbeteiligung an der Umbenennung wurde durch die Ähnlichkeit der beiden Stadtnamen in Deutsch und Französisch immerhin nicht zusätzlich erschwert: Die beiden Bezeichnungen der Hauptstadt erscheinen naheliegend und eröffnen nur wenig Spielraum für inhaltliche Interpretationen der Übersetzung oder historische Spekulationen zum Ursprung der beiden Ortsnamen. Jedenfalls viel weniger als etwa im Fall von Belfaux/Gumschen oder Jaun/Bellegarde.
 
Beispiele für mündliche und schriftliche Fehl- und Uminterpretationen bei Übersetzungen sieht man in Freiburg an anderer Stelle nicht selten: Bei einer Tour durch die Unterstadt etwa machte mich meine Begleitung auf die Strassenschilder der Goltgasse/Rue d’Or aufmerksam. Sensibilisiert durch die Annahme, dass das Verhältnis der Freiburger Sprachgruppen nicht nur von Harmoniebestrebungen geprägt sei, folgerte sie kühn, dass die Schreibweise von «Golt» entweder der fremdsprachlichen Unbedarftheit eines subalternen Übersetzers («Müssen hier die Lehrlinge die Strassenschilder übersetzen?») oder aber einer boshaften Laune der Verwaltung geschuldet sei.
 
Ich fühlte mich verpflichtet, das vordergründig naheliegende Missverständnis aufzuklären. Glücklicherweise konnte mir schon lange vorher jemand weitgehend glaubhaft erklären, dass die ursprüngliche Übersetzung hier vom Deutschen ins Französische stattfand und dass es sich bei Golt nicht um Edelmetall, sondern vielmehr um eine alte Bezeichnung von Geröll, Kies oder Schutt handelt. Diese Erklärung erscheint jedenfalls naheliegender als eine andere, die mir am Ende eines langen Abends aufgetischt wurde, wonach die Gasse angeblich nach den einst dort residierenden Alchemisten und ihrer Kunst des Goldmachens benannt wurde. Letzte Klarheit kann hier wohl nur ein längeres Abtauchen ins Staatsarchiv schaffen.
 
Wenn wir die neue Bahnhofsbeschriftung als ersten symbolischen Schritt hin zu einer offiziellen Anerkennung der städtischen Zweisprachigkeit verstehen wollen, können wir auch annehmen, dass im Laufe der Jahre weitere Schritte folgen werden. Eine etymologisch und sprachlich korrekte Umbenennung der Rue d’Or ist jedoch auch in noch fernerer Zukunft kaum zu erwarten. Wer will schon seine Wohnadresse von einer edlen Gold- zu einer profanen Schuttgasse herabgestuft sehen?
 
Boris Boller ist Ethnologe. Er studierte, lebte und arbeitete lange in Freiburg. Nun interessiert er sich bis auf weiteres von Bern aus für die Belange der Zweisprachigkeit und pendelt zwischen den beiden Städten. Als Gastkolumnist macht sich Boris Boller in den FN regelmässig Gedanken zur Zwei- und Mehrsprachigkeit.
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