Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Dr Handball-Goalie bin ig

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Schade, gibt es «Wetten, dass..?» nicht mehr. Das wäre doch auch ein Beitrag gewesen: «Ich wette, dass ich bei 20 Pfosten- oder Lattenschüssen auf ein Handballtor nur mit dem Gehör mindestens 18 Mal richtig erkennen kann, ob der Ball vom Pfosten gegen innen oder gegen aussen, von der Latte in die Höhe oder gegen den Boden wegprallt.»

Ich hätte die Wette gewonnen. Garantiert. Und die Wettpatin Jennifer Lopez hätte dann als Wetteinsatz an der Christmas Party des Handball-Clubs Sense im Limbo-Dance antreten müssen. Und auch dort hätte sie wohl gegen einen erfahrenen Handball-Goalie schlecht ausgesehen. Immerhin verlangt man von einem Handball-Goalie auch, dass er eine gewisse Grundbeweglichkeit mitbringt.

Ja, dr Goalie bin ig. Seit rund 35 Jahren. Handball-Goalie. Erst bei den Kadetten der Stadtschulen Murten, D-Junior, C-Junior und dann direkt der Sprung zu den Männern des Handball-Clubs Murten. Nun beim HBC Sense. Die Nummer 1. Das steht zumindest hinten auf dem Goalie-Pullover. Doch meistens ist es die Nummer 2, oder die Nummer 16. Die Nummer 1, die darf der junge Goalie tragen. Der hat schliesslich noch einige Jahre als aktiver Handballer vor sich.

Neben der Nummer 1 hat der Goalie weitere Privilegien. Er darf sich modische Extravaganzen leisten, muss er sich doch in der Kleidungsfarbe von den anderen Akteuren auf dem Feld unterscheiden.

35 Jahre im Handball-Tor, einige Momente bleiben ewig haften. Als D-Junior zwei Siege gegen die drei Köpfe grösseren Gegner von Lorraine und Länggasse. Den Unterschied machten der Torhüter und ein wieselflinker Flügel. Am Schluss gab’s zur Belohnung den Berner Meistertitel. Dann einmal ein 30:2-Sieg. Der Trainer verlangte, den Ball nicht abzuwehren, als der Kleinste der gegnerischen Mannschaft einen Penalty werfen durfte. Der theatralische Hechtsprung neben das Tor war vergebens, der Kleine traf das Tor nicht. Später der 3.-Liga-Match in Neuenburg, als ein Goalie-Wechsel das Signal war, um aus einem 10:16 Rückstand noch einen 17:16-Sieg zu machen. Oder die gebrochene Nase beim Spitzenspiel in Kerzers. Nein, nicht von einem Ballwurf ins Gesicht. Sondern von einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler, der einen schnellen Gegenstoss mit einem Sprungwurf abschliessen wollte. Der Gegenspieler verlor nach Punkten: Er verlor einen Schneidezahn, und der Ball landete nicht im Tor. Das Spiel artete später aus, es wurde abgebrochen, der Verband verlangte einen schriftlichen Bericht.

Die gebrochene Nase war die einzige Verletzung in 35 Jahren als Handball-Goalie. Die Mitspieler hatten da weniger Glück: Bänderriss am Fussgelenk, Finger gebrochen, Schulter operiert, neues Hüftgelenk. Eine Handball-Goalie-Laufbahn dauert in der Regel länger als die eines Feldspielers. Er hat weniger Körperkontakte, aber als Einziger einen Körperschutz.

Während beim Pläuschli-Fussball oft die grösste Pfeife der Mannschaft ins Tor gestellt wird, ist es beim Handball eher derjenige, der am wenigsten Bammel hat. All diese Schüsse, aus nächster Nähe, dann noch solche Knaller, und wenn mal einer ins Gesicht …? Pustekuchen. Beim Handball ist die Wurfgeschwindigkeit gar nicht so hoch. Die Spitzenwerte liegen bei 130 Stundenkilometern. Badminton ist bedeutend schneller. Und wenn der Ball doch mal im Gesicht landet, jäh nu de halt.

Wie steht es mit dem Frust, so viele Gegentore zu erhalten? Eine weitere häufig gestellte Frage an einen Handball-Goalie. Sicher. Jedes Gegentor ist frustrierend. Doch ganz so schlecht muss die Fangquote nicht sein. Auch jeder Schuss neben das Tor darf der Torhüter für sich in Anspruch nehmen. Dann hat er nämlich das Tor so gut abgedeckt, dass der Angreifer keine freie Lücke im Tor sah. Und die gepflückten Bälle, wenn der Gegenspieler allein vor dem Tor zum Schuss kam: Das ist Glücksgefühl pur. Dieses Glücksgefühl kommt pro Match fünf bis zehn Mal häufiger vor als beim Fussball-Goalie.

Ja, ja. Dann kommt da noch der Ruf, die Handball-Goalies hätten alle irgendeinen Flick ab. Aber solange dieser Text einigermassen fehlerfrei geschrieben ist, kann es nicht so schlimm sein. Oder nehmen Sie Daniel Eckmann: Der war persönlicher Bundesratsberater, Pressesprecher im Militärdepartement und stellvertretender Generaldirektor der SRG. Er ist ein ehemaliger Handball-Nationaltorhüter. Ein Handball-Goalie muss auch auf dem Feld den Durchblick haben: Er leitet mit schnellen Pässen Gegenstösse ein, er nimmt das Tempo aus dem Spiel, wenn die Mitspieler Ball um Ball verjufeln. Irgendwo ist er ein bisschen der Regisseur für das Spiel seiner Mannschaft.

Tja, und dann eben noch die unnachahmliche Fähigkeit, am Pfostenknaller zu hören, wohin der Ball prallt. Das ist wichtiger, als man glaubt. Springt der Ball nämlich von hinten Richtung Goalie, dann ist Reaktion gefragt, die Körperspannung blitzschnell zusammensacken zu lassen. Nicht dass der Ball vom gespannten Schulterblatt oder vom Hinterkopf zurück ins Tor prallt. Dann sieht der Goalie uralt aus. Und das will er ja nicht, weil er sowieso schon der Älteste auf dem Spielfeld ist.

Dieser Artikel ist Teil derSerie «Nummer eins». Im ersten Monat des Jahres gehen die FN Premieren und Erstklassigem nach. Bisher erschienen: «Neue Organistin feiert Premiere» (6.1.), «Ein Spontanentscheid von grosser Tragweite» (8.1.), «Manager und Rebellen» (13.1.), «Der grosse Traum vom Fliegen» (14.1.) und «Die Ruhe ist eine erstklassige Illusion» (17.1.). Alle Artikel unter:www.freiburger-nachrichten.ch.

Mehr zum Thema