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Dramatik pur in zwei Fünfsatz-Spielen

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Dramatik pur in zwei Fünfsatz-Spielen

Davis Cup: Schweizer trotz heroischen Leistungen in der Abstiegspoule

Das Schweizer Davis-Cup-Team ist nach einem völlig verrückten Wochenende in Freiburg gegen Holland in die Abstiegsrunde verbannt worden. Nach einer Spielzeit von 16 Stunden und 17 Minuten führten die Gäste uneinholbar 3:1.

Von MARCO KELLER

Im letztlich entscheidenden Spiel unterlag Stanislas Wawrinka im Duell der Nummern 1 Sjeng Schalken nach vier vergebenen Matchbällen 7:9 im Entscheidungssatz. Nachdem die Schweizer am Samstag im Doppel durch Yves Allegro/George Bastl ihrerseits drei Matchbälle abgewehrt und durch ein 9:7 im Entscheidungssatz die Hoffnung am Leben erhalten hatten, war dies der verspätete Dolchstoss. Marco Chiudinelli konnte dann im bedeutungslosen Schlusseinzel noch auf 2:3 verkürzen. Peter Wessels gab nach dem 6:4 gewonnenen Startsatz wegen angeblicher Rückenschmerzen Forfait. Der Holländer hatte an den beiden Tagen zuvor rund acht Stunden auf dem Court verbracht.

Wawrinka, der (tragische) Held

Am Sonntag fehlte nur ein Buchstabe, sprich ein Pünktchen, damit Wawrinka eines der schöneren Kapitel der jüngeren Schweizer Tennis-Geschichte nicht nur hätte schreiben, sondern auch vollenden können – und zwar in einem Krimi allererster Güte. Im Duell der Nummern 1 bewies der 19-Jährige, der bislang die grossen Vorschusslorbeeren auf Aktivstufe noch nicht hatte erfüllen können, weshalb er als potenzieller Star gehandelt wird. Er zeigte gegen den ehemaligen Weltranglisten-Elften Schalken keinerlei Berührungsängste, gewann den Startsatz mit fulminantem Tennis in 23 Minuten 6:1 und liess sich auch nach einem 1:2-Satzrückstand (2:6, 4:6) nicht beirren.

Wawrinka schaffte mit 6:2 deutlich den Satzgleichstand und zog dann mit Doppelbreak auf 4:1 davon. In dieser Phase spielte er wie in einem Rausch. Nachdem er unnötig seinen Aufschlag zum 4:2 abgegeben hatte, hatte er bei 5:4 die grosse Chance zum Sieg. Er kam zu nicht weniger als vier Matchbällen und mehrmals erstickte dem Schweizer Anhang der Siegesschrei auf den Lippen. Zum ersten Mal, als Stuhlschiedsrichter Enric Molina einen Outruf des Linienrichters zu Gunsten Schalkens korrigierte. Zum zweiten Mal, als ein Servicewinner Wawrinkas nicht gegeben wurde, weil der Aufschlag die Netzkante touchiert hatte, und zum dritten Mal, als Schalken den vierten Matchball aus der Defensive heraus mit einem unglaublichen Backhand-Slice-Passierball abwehrte.

Der spanische Schiedsrichter und der Grundlinienrichter hatten sich schon vorher den (berechtigten) Zorn des Schweizer Lagers zugezogen. Im selben Game landete bei 30:15 ein Ball Schalkens mindestens zehn Zentimeter im Out, die Offiziellen blieben aber stumm und verwehrten Wawrinka so zwei Matchbälle. «So etwas gibt es nur in der Schweiz», schüttelte Rosset den Kopf nicht zu Unrecht. Fehlentscheidungen hin, Pech und ein missratenener Aufschlag im entscheidenden Moment her: Wawrinka wehrte bei 5:6 zwei Matchbälle ab und konnte bei 7:6 noch einmal zum Match servieren, die Batterien waren aber schon leer. Nach 4:01 segelte eine Vorhand des grossen Talents ins Out, die Holländer konnten jubeln, währenddem Wawrinka mit den Tränen kämpfte. «Ich hatte viel Glück, das Spiel hätte auch umgekehrt enden können», war sich Schalken bewusst.

Mehrfach fast k.o. im Doppel

Schon der Samstag hatte erinnerungswürdiges Tennis gebracht, allerdings mit besserem Ausgang für die Schweiz. Yves Allegro/George Bastl gewannen das Doppel gegen Dennis van Scheppingen/Peter Wessels nach 4:29 Stunden 5:7, 4:6, 7:6 (7:5), 7:5, 9:7 und hielten die Schweizer Hoffnungen dadurch überhaupt einen weiteren Tag aufrecht.

Ehe die Schweizer jubeln und die Ovationen der begeisterten Fans entgegen nehmen durften, standen sie mehrmals mit eineinhalb Füssen am Abgrund. Im dritten Satz fehlten den Holländern, bei denen Van Scheppingen anstelle des nicht ganz fitten Sluiter spielte, im Tiebreak zwei Punkte zum vorzeitigen Ende der Begegnung, später hatten sie insgesamt drei Matchbälle, die Allegro bei 4:5 im vierten Satz (einen) und 4:5 im fünften Satz (zwei) allesamt mit Netzpunkten abwehrte.

Bei 7:6 im fünften Satz fehlten dann den Schweizern viermal zwei Punkte zum Matchgewinn, sie konnten aber den «Sack nicht zumachen». Wenig später und nach einem erneuten Break für die Schweizer war es dann ausgerechnet Allegro, der sicher nach Hause servierte und damit das fünfte Schweizer Doppel-Comeback der Geschichte nach Zweisatz-Rückstand perfekt machte. Der Walliser überzeugte erst in der Schlussphase, war aber vorher der von ihm erwarteten Leaderrolle nie gerecht geworden. Er beging insgesamt 17 Doppelfehler und strahlte auch sonst nur selten die Ruhe aus, die man von ihm erwartete. George Bastl hingegen zeigte bei seiner Rückkehr ins Team nach fast zwei Jahren eine grundsolide Leistung. «Ich habe mir etwas zu viel Druck auferlegt», so Allegro, «und war in den beiden ersten Sätzen zu verkrampft. Nachher ging es besser.»

Titelverteidiger Spanien out

Davis Cup. Weltgruppe. 1. Runde: In Freiburg (Halle): Schweiz – Holland 2:3. – Marco Chiudinelli u. Sjeng Schalken 6:7 (4:7), 6:4, 3:6, 7:5, 2:6. Stanislas Wawrinka u. Peter Wessels 6:7 (12:14), 7:6 (7:4), 6:7 (7:9), 4:6. Yves Allegro/
George Bastl s. Dennis van Scheppingen/Wessels 5:7, 4:6, 7:6 (7:5), 7:5, 9:7. Stanislas Wawrinka u. Sjeng Schalken 6:1, 2:6, 4:6, 6:2, 7:9. Chiudinelli s. Wessels 4:6, w.o.

In Bratislava (Halle): Slowakei – Spanien 4:1. In Sydney (Rasen): Australien – Österreich 5:0. In Buenos Aires (Sand): Argentinien – Tschechien 5:0. In Moskau (Halle): Russland – Chile 4:1. In Strassburg (Halle/Sand): Frankreich – Schweden 3:2. In Brasov (Halle/Sand): Rumänien – Weissrussland 3:2. In Carson (Hart): USA – Kroatien 1:2.
Viertelfinals (15. bis 17. Juli): Slowakei – Holland, Australien – Argentinien, Russland – Frankreich, USA/Kroatien – Rumänien.

Rossets Stolz
und Hoffnung

Das Einzige, was den Schweizern am Ende dieses verrückten Wochenendes, dieser vier Spiele fehlte, waren die Punkte zur ersten geglückten Wende nach 0:2-Rückstand im 45. Anlauf. Das sah auch Marc Rosset so: «Wer das Wochenende gesehen hat, weiss, dass nicht das bessere Team gewonnen hat. Ich bin stolz auf die ganze Mannschaft.»

Rosset richtete den Blick in der bitteren Stunde wieder vorwärts und hofft, dass Roger Federer schon auf das Abstiegsspiel im September ins Team zurückkehrt. Schliesslich, so der Captain zurecht, habe man in Freiburg endlich viel Positives gesehen: «Die Spieler haben sich an diesem Wochenende im besten Licht gezeigt. Darauf hatten wir lange gewartet.» Für die kommenden Jahre traut der lange Genfer dieser Truppe viel zu, sehr viel: «Wenn man diese Mannschaft nimmt und Federer dazurechnt, dann haben wir ein Team, das bei guter Auslosung den Davis Cup auch gewinnen kann.»

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