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«Drei Angeschuldigte – null Verantwortung»

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Autor: Pascal Jäggi

FreiburgBeim letzten Wort kam gestern vor dem Strafgericht des Saanebezirks wieder alles hoch. Der angeschuldigte Bauleiter konnte seine Emotionen nicht mehr zurückhalten, worauf auch Familienmitglieder des verunfallten Portugiesen zu weinen begannen. Nachdem er sich gefasst hatte, sagte der 34-Jährige: «Es ist schrecklich. Seit vier Jahren ist die Erinnerung an das Unglück da. Ich sehe die Familie, den Zustand meines ehemaligen Equipenchefs, den Polier, der jeden Tag arbeiten gehen muss, als ob nichts passiert wäre. Ich selber konnte die Verantwortung über Baustellen nicht mehr länger ertragen.» Er habe versucht, den Arbeitern die Gefahren zu erklären, doch niemand habe seine Sorgen ernstgenommen, meinte der Bauleiter.

Der Polier sagte frustriert: «Ich kann nicht den ganzen Tag meinen Arbeitern hinterherrennen und sie auf Verstösse aufmerksam machen. Ich bin doch kein Polizist.» Der Equipenchef schliesslich bedauerte, wie die beiden anderen, was damals geschah. Er habe aber auch nicht gewusst, wie er das Unglück hätte verhindern können.

Der Substitut der Staatsanwaltschaft, Laurent Moschini, sah das anders. Für ihn waren alle drei Angeschuldigten mitverantwortlich für den Tod des 45-jährigen Portugiesen. Für den Equipenchef und den Polier forderte er bedingte Geldstrafen von 60 Tagessätzen, für den Bauleiter 30.

Die Sicherheit sei zu wenig berücksichtigt worden, wofür alle verantwortlich seien, befand Moschini. «Alle drei wussten über die nötigen Sicherheitsmassnahmen Bescheid. Sie hätten z. B. den Arbeitern nicht erlauben dürfen, ohne Auffanggurte auf Leitern zu stehen», erläuterte Moschini.

Kategorisch lehnten die Verteidiger Schuldsprüche für ihre Mandanten ab. Michel Bussey, Anwalt des Bauleiters, kritisierte die Untersuchung scharf: «Die Vorwürfe gegen meinen Mandanten sind völlig unklar. Es ist falsch, wenn wir erst am Prozess herausfinden, wogegen wir uns wehren müssen.» Er gab zu bedenken, dass sein Mandant am fraglichen Tag gar nicht gearbeitet habe und konkrete Fragen, wie das Benutzen von Gurten, nicht habe bestimmen können.

Auch Laetitia Crétin hob die Abwesenheit ihres Mandanten, des Poliers, zum fraglichen Zeitpunkt hervor: «Die Arbeiten wurden in der Mittagspause, angeordnet vom Equipenchef, durchgeführt. Mein Mandant wollte aber erst um 15 Uhr weiterarbeiten.» Jacques Piller schliesslich, Anwalt des Equipenchefs, fand, dass die Falschen vor Gericht stünden: «Die Verantwortung trägt die Baufirma. Alle Sicherheitsrichtlinien werden von ihr herausgegeben.»

Verantwortung akzeptieren

Catherine Python, Anwältin der Familie des Opfers, hielt den Angeschuldigten vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen. «Drei Angeschuldigte und null Verantwortung. Doch es sind alle drei schuldig», so Python, die sich in ihren Forderungen der Staatsanwaltschaft anschloss. Die Urteile werden am Montag gefällt.

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