Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Drei Frauen ebneten ihm den Weg

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Bei seinem Rücktritt als Parteipräsident der Freiburger FDP im April 2017 sagte Didier Castella gegenüber den FN: «Ich denke, in den kommenden Monaten werden sie noch von mir hören.»

Auf diese Aussage angesprochen, muss Castella nun lachen: «Ich hatte die Ersatzwahl für Marie Garnier nicht antizipiert. Ich meinte damals, dass ich in der Partei in welcher Form auch immer aktiv bleiben würde und dass meine Überzeugung und Leidenschaft für die Politik ungebrochen sind.»

Als aber der Rücktritt von Marie Garnier (Grüne) bekannt wurde, da hat Castella sich Gedanken über eine Kandidatur gemacht. «Ich wusste, dass es innerhalb der FDP Kandidatinnen gibt, die dem Profil entsprechen», so Castella. «Ich hätte die Nominierung durch meine Bezirkssektion nicht akzeptiert, wenn eine dieser Frauen ins Rennen gestiegen wäre.» Nachdem aber der Reihe nach Nadine Gobet, Antoinette de Weck und Nadia Savary eine Kandidatur ablehnten, entschied sich Castella auf den Zug aufzuspringen: «Das Amt reizt mich. Ich stelle mich mit voller Überzeugung zur Wahl.»

Castella verlangt sein Recht

Die Frage der Frauenvertretung rückte somit bei der FDP und bei ihrem Kandidaten in den Hintergrund. «Ich bin zwar durchaus sensibel auf diese Thematik», so Castella. «Aber ich bin auch für eine Chancengleichheit. Ich will das Recht haben, meine Kompetenzen in einem Wahlkampf verteidigen zu können.»

Didier Castella ist der Meinung, dass die von Garnier verwaiste Direktion der Institutionen, der Land- und Forstwirtschaft gut zu ihm passen würde. «Ich bin auch der Enkel eines Bauern, kann melken und habe als Kind viel Zeit in der Alphütte verbracht. Zudem war mein Vater Forstinspektor, mein Bruder ist Forstwart, und ich habe auch schon geholzt.»

Falls Castella im März als zweiter FDP-Staatsrat gewählt wird, so würde der Greyerzbezirk gleich drei Mitglieder in der Regierung stellen. Auch das ist für Castella kein Argument gegen ihn. 2021 gebe es mit Georges Godel (CVP) und Anne-Claude Demierre (SP) zwei Rücktritte von Staatsräten aus dem Süden; dann würden die Karten wieder neu verteilt. «Ein Staatsrat dient in erster Linie dem Kanton und nicht seinem Bezirk.»

Castella sagt, er kenne auch die Empfindlichkeiten der Deutschfreiburger Minderheit. «Ich arbeite täglich in der Deutschschweiz und gehöre an meinem Arbeitsplatz auch zu einer Minderheit. Ich arbeite seit 2001 in der Verwaltung in Bern und spreche gerne Deutsch.»

Doktorat in Atomphysik

Im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport arbeitet der Greyerzer als Physiker. «Ich bin Verantwortlicher für das Umweltmanagement», präzisiert er. Seine Arbeit umfasse alle Umweltthemen wie Wasser, Energie, Luftqualität, Lärm, Biodiversität und Strahlenschutz. Im Speziellen sei er für die Koordination und Strategie von Zielsetzungen und den dazu nötigen Massnahmen zuständig, gerade bei grossen Bauprojekten und Renovationen.

Von seiner Ausbildung her ist Didier Castella Experimentalphysiker, und die Doktorarbeit verfasste er im Feld der Atomphysik. Doch warum überhaupt Physik? «Mich interessiert das Verständnis der Naturphänomene und die wissenschaftliche Herangehensweise», sagte er. «Als Physiker denkt man proaktiv.»

Eine akademische Karriere habe ihn aber nie interessiert, und den Doktortitel benutze er nicht oft. Doch sein Hintergrund als Naturwissenschaftler ist für den 47-Jährigen eine gute Basis für politische Arbeit. «In einer wissenschaftlichen Ausbildung lernt man, Lösungen zu finden. Das lässt sich in der Politik gut anwenden.»

«Ich brauche aber auch Momente, in denen ich meine Emotionen ausleben und aus dem organisierten Lebe n ausbrechen kann. Das ist im Sport und bei Ausflügen in die Natur der Fall. Dafür bin ich dann in meiner politischen Arbeit wieder ruhig. Politische Entscheide müssen gut überlegt sein.»

Diese Herangehensweise hat Didier Castella angewandt, als er 2012 die Geschicke der FDP übernahm. Die Partei steckte damals in einer Krise, und mit einem neuen Team und einem neuen Parteiprogramm feierte er Wahlerfolge, räumte mit dem elitären Image auf und konnte die Partei finanziell stabilisieren.

Grosse Baustellen im Kanton

Auch im Staatsrat ortet Castella nach dem letzten Jahr und dem Fall Garnier eine Krise: «Der Staatsrat muss mit einer Stimme auftreten. Es braucht Personen, welche die Kollegialität strikt und ehrlich anwenden.» Mit der Arbeit in einem Ratskollegium habe er keine Mühe: «Ich verteidige meine Ideen bis zu einem Entscheid. Dann schliesse ich mich der Mehrheit an und schaue, dass der Entscheid umgesetzt wird.»

Doch auch sonst habe der Kanton Freiburg eine ganze Reihe Probleme zu lösen. «Die meisten sind mit der starken demografischen Entwicklung verbunden.» Auch bei den Finanzen seien die Herausforderungen gross, so Castella. Es brauche massive Investitionen in die Infrastruktur; zudem sei die Situation auch bei der finanziellen Lage der Pensionskasse des Staatspersonals sowie beim Freiburger Spital kritisch. «Das Spital hat alleine sicher nicht genügend Mittel zur Realisierung seiner geplanten Investitionen.» Auch bei der Aufgabenentflechtung herrsche Handlungsbedarf.

«Keine Zauberformel»

Didier Castella ist schon bei der Jungen FDP politisch aktiv gewesen. Heute würde er sich als einen Vertreter der Parteimitte bezeichnen: «Das ist normal, wenn man an der Spitze der Partei war.» Er bezeichnet sich als liberal, wenn es um die Wirtschaft und den Staat geht, aber humanistisch in sozialen und gesellschaftlichen Fragen.

Wenn Castella nun der FDP einen zweiten Sitz in der Regierung sichern würde, sähe er darin keinen Rechtsrutsch. Seine Analyse sieht so aus: «Heute vertreten drei CVP-Staatsräte die Mitte, zwei die Linken, einer das bürgerliche Lager und Marie Garniers Profil ist auch eher zentristisch. Mit einem zweiten FDP-Sitz hätten wir zwei Linke, drei im Zentrum und zwei Rechte. Das wäre doch viel repräsentativer.» Er betont, dass es in Freiburg keine Zauberformel gebe, dass aber die SP noch nie drei Staatsräte hatte, die FDP wohl aber bereits zwei.

Dass für den ersten Wahlgang am 4. März weder eine bürgerliche noch eine linke Allianz zustande kommt, hat für Castella keine Bedeutung: «Das ist gut für die Demokratie. Zuerst soll alles offen sein, und im zweiten Wahlgang dürften sich dann die Allianzen bilden.» Eine wichtige Rolle komme der CVP zu, ist Castella überzeugt. «Die CVP hat ein Interesse, die bürgerlichen Kandidaten zu unterstützen. Sie braucht dann auch wieder bürgerliche Hilfe, wenn sie 2021 ihre drei Sitze verteidigen möchte.»

Mit seiner Staatsratskandidatur ist für Didier Castella auch eine Kandidatur zu den Nationalratswahlen 2019 für die Nachfolge von Jacques Bourgeois kein Thema mehr. Bereits zeichne sich ab, dass Nadine Gobet für dieses Amt Interesse zeige. Sie unterstützt Castella jetzt im Wahlkampf, er werde dafür sie bei ihrer Kandidatur für das Bundesparlament unterstützen.

«Ich bin für Chancengleichheit. Ich habe das Recht, meine Kompetenzen in einem Wahlkampf zu verteidigen.»

Didier Castella

FDP-Staatsratskandidat

Anders gefragt

Von Churchill und einem persönlichen Schicksal gelernt

Die FN haben den Kandidatinnen und Kandidaten fünf Fragen abseits der Politik gestellt:

Welches ist Ihre Lieblingsfigur aus Film oder Literatur?

Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war eine Biografie von Winston Churchill. Es ist ganz erstaunlich, zu sehen, wie er Höhen und Tiefen durchlief und immer wieder zurückkam. Das hat mich sehr beeindruckt.

An welchem Ort finden Sie Ruhe?

In der Natur, die ich entweder auf dem Mountainbike, auf Skitouren oder sonst beim Skifahren erlebe. Das ist für mich eine Möglichkeit, Distanz zu nehmen, meine Batterien wieder aufzuladen, Ruhe zu finden und nachzudenken, ohne dass ich wie im Alltag direkt zwischen Aktion und Reaktion eingebunden bin.

Wohin würden Sie einen besonderen Gast zum Essen einladen?

Ich würden diesen Gast auf eine Entdeckungsreise der Freiburger Spezialitäten mitnehmen. Beispielsweise auf ein Fondue im Restaurant Gothard in Freiburg oder im Midi in Bulle. Oder auch an eine Freiburger Kilbi.

Wann haben Sie zum letzten Mal getanzt?

Das war im November beim Comptoir Gruérien in Bulle.

Was haben Sie im letzten Jahr gelernt?

Es war der Lernprozess und das Wiedereingliedern in die Arbeitswelt nach fünf bis sechs Monaten als Folge eines schweren Unfalls. Mit Erstaunen habe ich bemerkt, wie schnell man sich wieder einbringen kann. Aber auch die Ängste, die eine solche Abwesenheit mit sich bringt.

uh

Zur Person

Der Parteipräsident mit dem Doktortitel

Der 47-jährige Didier Castella aus Pringy ist Doktor der Physik und arbeitet in einer Kaderfunktion beim Verteidigungsdepartement (VBS). Er ist Spezialist im Umweltmanagement und in nachhaltiger Bewirtschaftung. Castella war von 2002 bis 2011 Vize-Ammann der Gemeinde Greyerz und sitzt seit 2011 im Grossen Rat. 2012 bis 2017 war er Präsident der kantonalen FDP. Seit 2016 ist Castella Präsident des Senats der Uni Freiburg. Der Greyerzbezirkler, der neben Französisch auch Deutsch und Englisch spricht, ist Vater dreier Töchter.

uh

Meistgelesen

Mehr zum Thema