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Drei Herzen schlagen in seiner Brust

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Wie kaum ein anderer hat Kaspar Zehnder Murten Classics geprägt. Seit 15 Jahren ist er künstlerischer Leiter. Als Dirigent leitet er sieben Konzerte und tritt auch als Flötist auf. Zehnder ist in Riggisberg und Bern aufgewachsen und hat schon als Kind das Dirigieren entdeckt. Davon und einiges mehr erzählt er im Gespräch mit den FN.

 

 Wie alt waren Sie, als Sie das erste Mal dirigiert haben?

 Das war mit dem Quartanerorchester meines Gymnasiums, ich war knapp 16 Jahre alt – für mich zu Hause allerdings habe ich schon mit 10 dirigiert, und zwar die Aufnahme der «Zauberflöte» unter Karl Böhm.

 

 Wie war das damals?

 In beiden Fällen nicht ganz, was ich mir vorstellte, aber beides hat den Traum wachgehalten.

 

 Was machen Sie heute anders?

 Ich habe gelernt, dass Dirigieren nicht nur Taktschlagen und Organisieren bedeutet, sondern in erster Linie eine psychologische Arbeit ist.

 

 Zwei Herzen schlagen in Ihrer Brust, jenes des Dirigenten und jenes des Flötisten. Welches ist stärker?

 Ein Dirigent muss meiner Meinung nach auch Musiker sein. Ich möchte die beiden Tätigkeiten nicht «fusionieren». Das eine Herz schlägt im Moment noch nicht ohne das andere.

 

 Seit 15 Jahren sind Sie künstlerischer Leiter. Was genau ist Ihre Aufgabe?

 Ich dirigiere und spiele nicht nur, sondern gestalte auch die Programme und wähle die Künstler und Künstlerinnen aus. Programmdramaturgie ist das dritte Herz, das in mir schlägt, deshalb mache ich es auch schon so lange.

Sie dirigieren rund sieben Konzerte in drei Wochen. Wie bereitet sich ein Dirigent vor? 

Das ist sicher sehr individuell, aber in jedem Fall eine Frage der Zeiteinteilung. Stücke, die ich schon lange kenne, nehme ich mir über eine mehrmonatige Zeitspanne immer wieder vor, damit ich mich langsam von meiner letzten Interpretation distanzieren kann. Neue Stücke erarbeite ich kurzfristiger, dann sind sie frisch, und ich freue mich wie ein Kind auf die erste Probe. Eine Partitur muss immer wieder gelesen werden. Daher investiere ich dafür fünf bis zehn Mal mehr Zeit als für die Vorbereitung meiner Partie als Orchesterflötist im gleichen Stück.

Seit zwei Jahren dirigieren Sie das Sinfonieorchester Biel- Solothurn (SOBS). Vier Jahre lang haben Sie die PKF Prague Philharmonia dirigiert: Gibt es Unterschiede punkto Orchesterqualität und Mentalität?

 Die beiden Orchester gleichen sich in Grösse und Qualität. In Bezug auf ihr Profil ist SOBS ein westeuropäisches Opern- und Konzertorchester und die PKF ein osteuropäisches Konzert- und Tourneeorchester. Was die Mentalität angeht, so gilt bei beiden: Unterwegs ist man vielleicht noch einen Tick motivierter als zu Hause, aber in der Regel hat es der Dirigent in der Hand, wie gut man spielt.

Es gibt verschiedene Arten zu dirigieren: autoritär oder demokratisch. Wo sehen Sie sich?

 Ich würde sagen: Dirigieren ist immer autoritär, das Wort sagt es ja, aber dem Orchester gegenüber möchte ich mich demokratisch und vor allem respektvoll verhalten.

 

 Können Musiker mitreden?

 Zunächst bietet jedes Orchestermitglied seine Interpretation des Notentextes an, das Orchester spielt ja, der Dirigent koordiniert nur; je besser vorbereitet das Orchester an die erste Probe kommt, desto leichter kann der Dirigent von Beginn an auch die Ideen der einzelnen Musiker und Musikerinnen in seine Interpretation einfliessen lassen. Ansonsten reduziert sich seine Arbeit erst mal aufs Einpauken und Organisieren.

 

 Einige sagen, der Dirigent sei ein Überbleibsel aus alter Zeit. Was sagen Sie dazu?

 Überbleibsel aus alter Zeit sind vielleicht Frack oder Taktstock, aber für eine Oper, eine gross besetzte Sinfonie oder ein kompliziertes zeitgenössisches Stück wird es den Dirigenten schon nur aus Koordinationsgründen immer brauchen. In kleiner besetzten Stücken kann man vielleicht sagen: Je besser der Dirigent probt, desto weniger braucht es ihn am Konzert. Aber sofern er nicht nur Kapellmeister, sondern auch Künstler ist, lässt sich das Orchester am Konzert eben doch gerne inspirieren, das ist zumindest mein Anspruch an mich selbst.

 

 Am 31. August dirigieren Sie das Abschlusskonzert – und dann: Ab in die Südsee? Kurzum: Wie erholen Sie sich?

 Berge und Meer sind für mich das Schönste, aber ein Tag ohne Termine zu Hause, eine kleine Velotour mit meinem Sohn, ein Abendessen mit meiner Frau oder meinen Eltern, das bringt alles auch schon viel.

 

 Auch Ihre Frau ist Flötistin. Zeigt sich bereits bei Ihrem Sohn eine Nachfolge?

 Dieser Zug ist leider schon abgefahren, Marius hat vor kurzem mit Geigen begonnen. Aber wir erwarten ja wieder Nachwuchs, also hat die Flöte vielleicht doch noch eine Chance.

Schlosshof,Murten. Serenadenkonzert der Camerata Zürich mit den Solisten Agata Raatz (Violine) und Marcin Fleszar (Klavier): Mi., 27.8., 20 Uhr. Sinfoniekonzert mit Kaspar Zehnder und Viviane Chassot: Donnerstag, 28. 8., 20 Uhr. Weitere Informationen und Tickets: www.murtenclassics.ch

 

Kaspar Zehnder 1982. Bild zvg

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