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Drei Realitäten treffen aufeinander

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«Wie habt ihr euren letzten Sommer verbracht?»–Mit dieser einfachen Frage begann gestern Vormittag eine Schülerin aus Israel ihren Vortrag am Kollegium St. Michael. Zusammen mit 44 anderen Schülerinnen und Schülern ist sie Teilnehmerin an einem trilateralen Austauschprojekt zwischen Israel, Mazedonien und der Schweiz.

Die Schülerin erzählte dann von ihrem Sommer: Sie sei Leiterin in einem Lager gewesen, wo sie ohne Handy und Fernseher gelebt habe. Von den Spannungen aufgrund der Entführung und Ermordung dreier israelischer Schüler und später eines palästinensischen Schülers habe sie deshalb zu Beginn nichts mitbekommen. «Dann wurden wir informiert, dass es Bombenalarme geben wird, und wir wussten, dass wir mit den Kindern darüber sprechen mussten.» Genau in dem Moment, in dem sie die Kinder versammelten, sei die Sirene losgegangen. «Wir wussten zuerst nicht, was zu tun ist, und gerieten in Panik. Dann sagte uns jemand, wir sollten alle in ein Klassenzimmer gehen und uns dort an einer Wand niedersetzen. Ich hielt fünf Kinder im Arm, die weinten. Wir alle hatten Angst.»

Passiert sei ihnen nichts. «Aber ich habe danach realisiert, dass wir einfach Teenager sind und uns ein friedvolles Leben wünschen. Wir versuchen wirklich, eine Freundschaft mit den arabischen Menschen aufzubauen.»

 Die Schüler aus der Schweiz und Mazedonien lauschten gespannt der Erzählung. Von einem solchen Sommer mussten sie–glücklicherweise–nicht berichten.

Vorurteile abbauen

 In andere Schülerwelten einsehen und die anderen Länder kennenlernen–das ist ein Ziel des Schüleraustauschs, den Daniela Zunzer, Geschichtslehrerin des Kollegiums St. Michael, zusammen mit ihren Kollegen aus Israel und Mazedonien organisiert (siehe Kasten). «Das wichtigste Ziel ist aber, dass durch einen Austausch Vorurteile abgebaut und Stereotype aufgebrochen werden», sagt Zunzer. «Wenn sich junge Leute aus verschiedenen Ländern begegnen, sehen sie meist, dass diese Stereotype der Realität nicht standhalten.»

Ähnlich sieht es ihr Kollege Iljo Trajkowski aus Mazedonien. «Wir möchten den anderen Schülern zeigen, dass Mazedonien ein Teil Europas ist und europäische Werte vertritt.» Mazedonien liege wirtschaftlich gesehen weit hinter der Schweiz zurück. «Die Schüler sollen aber merken, dass zwar ihr Lebensstandard nicht der gleiche ist, dass sie sich aber in vielen Bereichen trotzdem sehr ähnlich sind.»

Der Austausch beschränkt sich nicht auf den einwöchigen Besuch in der Schweiz: Im April reisen die Schüler für eine Woche nach Jerusalem, im September dann nach Mazedonien. «Vor Ort bekommen sie ein ganz anderes Verständnis», sagt Zunzer. Nach einem früheren Austausch mit Jerusalem habe ihr eine Schülerin gesagt: «Ich sehe jetzt, dass es nicht einfach Gut und Böse gibt.»–«Wenn wir das in einer Woche erreichen, ist das sehr viel», so Zunzer.

Mehr als dieser Konflikt

Auch den israelischen Schülern war viel daran gelegen, ihr Land von den gängigen Vorurteilen zu befreien. «Wir sind mehr als dieser Konflikt. Meistens beeinflusst er unseren Alltag nicht», sagte eine Schülerin. Und eine andere: «Der Konflikt wird von Extremisten beider Seiten geführt, der allergrösste Teil der Menschen will Frieden.»

Austausch: Abwechslungsreiches Programm

D aniela Zunzer, Geschichtslehrerin am Kollegium St. Michael, hat bereits mehrmals Schüleraustausche mit der Beit Hinuch High School in Jerusalem und dem Josip Broz Tito Gymnasium in Bitola, Mazedonien, organisiert. «Dann kam die Idee, die Projekte zusammenzulegen», sagt Zunzer. Am trilateralen Austausch nehmen nun 45 Schülerinnen und Schüler teil – je 15 aus jedem Land. Es ist kein Klassenaustausch: Interessierte Schüler konnten sich für das Projekt einschreiben.

Die Schüler haben in dieser Woche ein abwechslungsreiches Programm. Nach der Ankunft am Sonntag und den Vorträgen sowie einem Stadtrundgang von gestern reisen sie ins Bundeshaus nach Bern, zum UNHCR in Genf und nach Greyerz. Sie wandern im Berner Oberland und besuchen die Schokoladenfabrik in Broc. Die israelischen und mazedonischen Schüler sind bei den Familien der Schüler vom Kollegium St. Michael untergebracht.

Relativ hohe Kosten

Das Projekt ist mit Kosten verbunden. «Vor allem für die Schüler aus Mazedonien ist die Finanzierung nicht ganz einfach», sagt Zunzer. Die Stiftung Mercator Schweiz unterstütze das Projekt mit einem grosszügigen Beitrag; ansonsten wäre die Realisierung kaum möglich gewesen. mir

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