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Drei Tage Sonnenschein im Dorf der Musik

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Autor: Ueli Strasser

Am Freitagabend macht zum Konzertauftakt die Wohngruppen-Band Station 17 gleich mächtig Lust auf Bewegung. Anschliessend animieren die Rhythmen und ein übersteuertes Billigst-Keyboard von Jagwa Music aus Tansania zu wilden Verrenkungen, und dazwischen kommt bei Moonface die Frage auf, wann verhallter 80er-Jahre-Wavepop das letzte Mal in Mode war.

Konstantin Gropper war mit seiner Band Get Well Soon schon vor vier Jahren «the next big thing». Für ihn sind Songs noch «Lieder», die Musik hat Tiefgang und die Wechsel zwischen laut und leise funktionieren perfekt. Dafür will man dem Sängerknaben glatt die langen Fransen aus dem Gesicht wuscheln.

75-jährige Legende

Nichts mehr beweisen muss Lee «Scratch» Perry: Er betritt die Bühne in rotem Gewand, mit Glitzerhütchen und Rollkoffer. Das Konzert beginnt mit einem Flitzefinger-Solo des Gitarristen, die Show gehört dann aber Perry alleine. Am Bühnenrand klatscht er die Fans ab, referiert gegen Zigaretten, propagiert Marihuana und singt über weibliche Geschlechtsorgane. Eine 75-jährige lebende Legende darf das.

Alter und grosses Selbstbewusstsein garantieren aber noch lange keine gute Performance: Dieter Meier beginnt überschwänglich mit «Hallo!», wechselt dann verkrampft zwischen Züri-Dialekt und Züri-Englisch mit Dylan-Schlagseite. Tolle Band hin oder her – Meier wirkt so gelöst wie Ottmar Hitzfeld beim Torjubel, und das Ablesen der Texte vom Notenständer hinterlässt ein biederes Karaoke-Gefühl. Zum Glück gibts am Freitag zum Schluss noch Metronomy mit tanzbarem Pop, der nichts weiter sein will als tanzbarer Pop.

Drei Schlagzeuge

Den Samstag läuten die Freiburger Hubeskyla ein. Nun dürfte sich über die Kantonsgrenze hinaus herumsprechen, dass mit ihren Gitarrenattacken zu rechnen ist – nicht nur der Lautstärke wegen. Auf der Bühne stehen zudem noch drei Schlagzeuger – nein, kein Witz, sondern Action Beat –, welche im Verbund mit drei Gitarristen die Songs im Stil einer verpeilten Guggenmusik an die Wand fahren.

Nach einer weiteren Runde rhythmusbetonter Musik mit Jeri-Jeri aus Senegal und den experimentellen Katalanen Za! kommen mit Other Lives auch Freunde ruhiger Töne auf ihre Rechnung. Das Quintett aus Oklahoma zelebriert vielschichtige Songs und empfiehlt sich als kommende grosse Band.

Gitarrenrock – wie früher

Mudhoney und die Afghan Whigs zeigen am späteren Abend, was man in den 1990er-Jahren unter Gitarrenrock verstand. Beide kamen nie an Nirvana vorbei, strotzen dafür bis heute vor Tatendrang. Mudhoney rotzen ihre Dreiminüter mit Punk-Attitüde ins Publikum, die Afghan Whigs sind die Hochglanz-Variante mit Streichern und Tasten. Dass zwischendurch Lee Ranaldo sein bisher zugänglichstes Werk unters Volk bringt, tut der Stimmung auch keinen Abbruch.

The War on Drugs sind ebenfalls eine tolle neue Band, was die Lederfraktion der Coroner-Fans kaum stören dürfte. Aber vielleicht ist es auch umgekehrt. Und überhaupt: Wer in der Vielfalt der drei Tage an der Kilbi keine neue (oder alte) Lieblingsband gehört hat, war an der falschen Veranstaltung – oder hatte einen Sonnenstich.

Bilanz:Ein gelungenes Festival

Tolle Bands, schönes Wetter und ein ausverkauftes Areal voller friedlicher Menschen – das war die Bad Bonn Kilbi 2012. Mit einem Budget von rund 550000 Franken haben die Veranstalter zusammen mit 230 freiwilligen Helfern über drei Tage hinweg einen Event mit grosser Strahlkraft organisiert. Rund 6600 zahlende Zuschauer haben ein abwechslungsreiches Programm miterlebt, etwa 500 von ihnen haben auf dem Areal übernachtet.

Die Geschäftsführer Daniel Fontana und Patrick Boschung sind «rundum zufrieden» mit der Kilbi. Das Konzept mit den drei Bühnen, die eine Art «Dorfplatz» in der Mitte umgeben, gehe auf und werde wohl auch nächstes Jahr so praktiziert. Die Auftritte auf den beiden grossen Bühnen sind aufeinander abgestimmt: Die Leute pilgern vom einen Ort zum andern, und wer darob Hunger oder Durst kriegt, deckt sich auf dem Weg entsprechend ein. Vom heissen Wetter dürften die Organisatoren an den Ausschankstellen zusätzlich profitiert haben.us

 

Gute Stimmung, tolle Bands und 6600 Besucher: die Bad Bonn Kilbi 2012.Bild Aldo Ellena

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