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Ein anspruchsvolles Werk

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mit Handlungsdefizit

Sabine Haupts erster Roman, «Der blaue Faden – Pariser Dunkelziffern», erschien zum richtigen Zeitpunkt. Er spielt im Jahr 2003, als eine schier unvorstellbare Hitze die Menschen im Griff hatte. Heute, nach dem Hitzesommer 2018, kann der Leser genau diese Atmosphäre nachvollziehen. Gleich von Beginn weg schafft Haupt eine unheimliche, teils apokalyptische Stimmung, die unter die Haut geht.

In einer Pariser Wohnung sitzt die Ich-Erzählerin, Charlotte, schwitzt bei über 40 Grad und wartet. Und wartet. Die unerträgliche Hitze hat nicht nur das gesamte Leben in den Strassen der Metropole zum Stillstand gebracht, sie zwingt auch die Bewohner des Appartements zum Nichtstun, zum Stillstand. Wie es der Zufall so will, schreibt Charlotte an einem Buch über das Warten. «Eine Kulturgeschichte des Wartens» soll es werden. Aber je weiter die Erzählung voranschreitet, desto offensichtlicher wird aus der Kulturgeschichte eine Autobiografie der Erzählerin. Charlotte flieht, eingesperrt in ihrem Appartement, in die eigene Vergangenheit und reflektiert über ihre Kindheit und ihre gescheiterten Beziehungen, etwa zu einem genialen Philosophiedozenten oder einem tobsüchtigen Gerichtsdiener. Und sie flieht in die virtuelle Welt, erstellt Dutzende von Fake-Profilen bei Dating-Agenturen, um sich in immer anderer Gestalt den immer gleichen Psychopathen anzunähern – auf der Suche nach Grenzüberschreitungen, dem sexuell Perversen, Sadismus und Dominanz.

Sprachlich brillant – und derb

Diese Ausgangslage verheisst einen spannenden Roman, der sich aber zu oft und willentlich verzettelt. Bewusst greift die Autorin verschiedene philosophische Themen auf und lässt die Erzählerin mal in Erinnerungen, mal in angeblichen Notizen für ihren Traktat, mal via Notizen ihrer Verlegerin über die Zeit und das Warten reflektieren. Dabei bleibt jedoch – das Thema Warten verheisst es schon – die Handlung auf der Strecke. Ein nicht geringes Defizit für einen über 500 Seiten dicken Roman.

Vielleicht will Haupt auch keine aufregende Action. «Es geht um Zeit und Geschichte: historisch, philosophisch, physikalisch, mathematisch, zwischenmenschlich, um Liebe und Tod und den Wahnsinn des Lebens», liest man auf dem Buchrücken – «Intellektueller Frauenroman», schreibt die Autorin auf der Homepage.

Wer einen kurzweiligen Roman sucht, der greife nicht zum «Blauen Faden»; wer ein anspruchsvolles und sprachlich brillantes, wenngleich bisweilen derb ausuferndes Buch sucht, ist hiermit bestens bedient.

Sabine Haupt: «Der blaue Faden. Pariser Dunkelziffern», Roman. Verlag die brotsuppe, Biel, 2018, 520 Seiten.

Zur Person

Erster Roman einer Literaturprofessorin

Sabine Haupt ist 1959 in Giessen, Deutschland, geboren und hat in München und Genf Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft studiert. Sie unterrichtet als Professorin für Literaturwissenschaft an der Universität Freiburg. Nebst wissenschaftlichen Arbeiten ist Sabine Haupt auch als Journalistin tätig. Sie hat 1994 «Eunuchenglück. Erzählungen» sowie 2015 den Erzählband «Blaue Stunden. Kleine Quadratur der Liebe» veröffentlicht. «Der blaue Faden. Pariser Dunkelziffern» ist ihr erster Roman. Sabine Haupt ist Mutter von zwei Töchtern.

vau

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