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Ein Arztleben im Sensebezirk

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Für Anton Muggli aus Rechthalten ist der heutige Samstag ein besonderer Tag. Vor 150 Jahren, am 20. April 1869, ist einer seiner Vorfahren, Josef Balthasar Mugglin, verstorben. Er war nicht nur sein Urgrossvater, sondern auch der erste Arzt im Sense-Oberland. Da der Historiker Ferdinand Rüegg, der Ehemann einer Enkelin des Arzts, in den 1950er-Jahren dessen Vergangenheit aufgearbeitet hat, weiss Anton Muggli heute recht viel über das Leben und Wirken von Josef Balthasar Mugglin.

Ein Schüler von Pater Girard

Josef Balthasar Mugglin war ein Schüler des bekannten Pater Gregor Girard, dessen 250. Geburtstag der Kanton Freiburg vor drei Jahren gefeiert hat. Pater Girard war ein über die nationalen Grenzen hinaus bekannt gewordener Pädagoge, der den Unterricht auf nationaler und kantonaler Ebene revolutioniert hat. Er setzte sich dafür ein, dass alle Kinder Zugang zum Unterricht bekommen und dass sie individuell gefördert werden. Da ihm klar war, dass nur gesunde Kinder in der Lage sind, Wissen aufzunehmen, ermunterte der charismatische Pater Girard Ärzte dazu, aufs Land zu gehen. Einer davon war Josef Balthasar Mugglin aus Luzern. Dorthin war Pater Girard gegangen, nachdem man ihn aus Freiburg vertrieben hatte, weil seine Ideen der hiesigen Regierung zu modern waren.

Josef Balthasar Mugglin war am 11. April 1804 als Sohn einer angesehenen Burgerfamilie in Sursee zur Welt gekommen. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie nach Luzern, wo Mugg­lin die Schulen besuchte und bei Pater Girard Philosophieunterricht erhielt. Er folgte der Familien­tradition und tat eine Weile Dienst im päpstlichen römischen Heer. Dann studierte er in Freiburg im Breisgau sowie in München und Rom Medizin. Während der Studienzeit nannte er sich Muggly, später ging dann das n in Mugglin verloren, so dass seine Nachfahren den Namen Muggli tragen.

Kein guter Start in Plaffeien

1833 kam Josef Balthasar Mugglin in den Kanton Freiburg. Wie damals üblich, musste er hier erst ein Staatsexamen ablegen. Als 29-Jähriger kam er auf Veranlassung des früheren Ammanns und damaligen Staatsrats Jakob Thalmann nach Plaffeien. Doch dort hatte er keinen guten Start. Die Leute vertrauten lieber den ihnen bekannten Quacksalbern als einem fremden Arzt. Der Staat versuchte zwar damals, die medizinische Versorgung mittels eines 1803 neu eingesetzten Medizin- und Sanitätsrats zu verbessern, doch bis dies in den Dörfern Wirkung zeigte, dauerte es noch viele Jahrzehnte – vor allem, weil es an ausgebildeten Ärzten fehlte.

Dabei wären deren Dienste mehr als gefragt gewesen. 1830 gab es viele Tote durch Pocken. 1834 breitete sich ein typhusartiges Fieber aus, kurz darauf waren es die Blattern. Ein von Freiburg gesandter Arzt stiess auf eine Wand des Widerstands, vor allem die Quacksalber und Kräuterfrauen schürten im Volk das Misstrauen gegen Ärzte. Josef Balthasar Mugglin erhielt nicht einmal vom örtlichen Polizisten Unterstützung. Besser erging es ihm mit einigen Patienten aus Rechthalten, deren Anerkennung er gewinnen konnte. Als er Plaffeien verlassen wollte, nahm der damalige Gemeindeschreiber von Rechthalten, Aloys Wandeler, der zugleich Wirt, Lehrer und Viehinspektor war, mit ihm Kontakt auf. Ebenso machte der damalige Plasselber Pfarrer Karl Marty seinen Einfluss geltend, um dem jungen Arzt in Rechthalten eine neue Chance zu geben. Er überredete Staatsrat Charles Baron Griset de Forel, dem Mediziner sein Haus in Rechthalten zur Verfügung zu stellen: das Schloss, das – in umgebauter Form – noch heute neben der Kirche steht.

Praxis im Schloss

1835 zog Dr. Muggly nach Rechthalten. Das Schloss wurde zu seiner Praxis. Wiederholt kam es zu Blattern-Seuchen. So richtig konnte diese hoch ansteckende Krankheit nie bekämpft werden, immer wieder flammte sie in einem anderen Kantonsteil auf. Ein Rätsel war, warum nur die Land- und fast nie die Stadtbevölkerung betroffen war. Man vermutete, dass es mit der Bauart der Häuser zusammenhing, wo Wohnung und Stall oft nahtlos ineinander übergingen, aber auch mit der Tatsache, dass in den Räumen sehr viele Leute eng zusammenwohnten.

Per Gesetz vom 1. Juni 1836 verfügte der Staatsrat, die Bevölkerung aufzufordern, sich gegen die Blattern zu impfen. Für den deutschen Bezirk wurden vier Ärzte mit dieser Aufgabe betraut, Dr. Muggly sollte die Oberland-Bevölkerung impfen. Dies wurde der Bevölkerung nach dem Gottesdienst verkündet. Ein regelrechter Impfkrieg nahm damit seinen Anfang, denn so einfach war das Vorhaben nicht umzusetzen.

Kurpfuscher und Quacksalber

Die Quacksalber behaupteten, dass sie die Impfung selber vornehmen könnten. Den Berichten des Rechthaltner Arztes nach Freiburg ist zu entnehmen, dass eine Frau aus der Plötscha umherreiste, sich als amtlich befähigte Impfbeauftragte ausgab und den Familien drohte, wenn diese ihr nicht glaubten. Als dann der richtige Arzt auftauchte, kam die Bevölkerung nicht zu den Impfaktionen oder versteckte gar die Kinder. Kurpfuscher hatten es zu dieser Zeit relativ leicht. Es gab weder eine Kontrolle noch eine Bewilligungspflicht. Freiburg, der Sanitätsrat sowie alle neuen Gesetze waren weit weg. Die Ausübung der Heilkunst galt als uraltes Grundrecht, das man sich nicht durch staatliche Einmischung nehmen lassen wollte. Heiler wurden von den Behörden – Gemeinden und Oberamtmann – sogar gedeckt, obwohl ihre Behandlungen oft zu Todesfällen führten. Dr. Muggly kämpfte sein ganzes Arztleben lang gegen die Scharlatane. Er reichte unzählige Beschwerden und Berichte gegen sie ein. Der Sanitätsrat rügte die örtlichen Behörden zwar mehrfach, echte Konsequenzen hatte dies aber viele Jahre lang nicht.

Kein politischer Mensch

Josef Balthasar Muggly wirkte in der politisch unruhigen Zeit des Sonderbundskriegs. Als 1847 die konservative Freiburger Regierung von radikalen Kräften gestürzt werden sollte, eilten einige Rechthaltner zur Unterstützung nach Freiburg. Wie aus den Recherchen von Ferdinand Rüegg hervorgeht, hielt sich der Arzt aber zurück, Position für den Sonderbund oder für die Verfechter eines zentralen Bundesstaats zu beziehen. Er wurde jedoch als stellvertretender Regimentsarzt bei den freiburgischen Truppen aufgeboten, die den eidgenössischen Vormarsch auf Freiburg aufhalten sollten. Da er in Militärkreisen einen sehr guten Ruf hatte, erreichte er, dass die Schützengesellschaft Rechthalten ihre Gewehre wieder zurückbekam, nachdem die neue freiburgische Regierung diese nach dem Sonderbundskrieg eingezogen hatte.

Als er 46-jährig war, musste er zur eidgenössischen Militärschule in Thun einrücken, was es ihm ermöglichte, ab und zu seiner Luzerner Heimat einen Besuch abzustatten. Dank Kontakten zu früheren Schul- und Studienkollegen kamen weitere Luzerner nach Freiburg, etwa Pfarrer Fridolin Meyer, der später in der Pfarrei Plasselb wirkte. Er war der Gründer des Armenhauses und Altersheims Guglera, das heute als Asylunterkunft dient.

Die Anzahl an Luzerner Bewerbern für Ärzteposten fiel dem Sanitätsrat auf. In einem Protokoll ist 1851 zu lesen: «Mit Erstaunen gewahrt man, dass der Kanton Luzern eine ausserordentliche Anzahl Ärzte stellt. Der Kanton Freiburg bevölkert sich mit Luzernern, die in der Regel erst zu uns kommen, wenn sie es zu Hause zu nichts gebracht haben! Es erweist sich infolgedessen als angezeigt, die luzernischen Examensbestimmungen sich näher anzusehen und im allgemeinen bei der Aufnahme neuer Ärzte sehr strenge vorzugehen.» Diese misstrauische Haltung hatte Folgen, erst 14 Jahre später meldete sich wieder ein Luzerner zur Patentprüfung an.

Akribisch Tagebuch geführt

Dr. Muggly hat 1840 Anna Maria Udry aus der Stadt Freiburg geheiratet und wurde Vater von vier Söhnen und drei Töchtern. Sein Ruf war ausgezeichnet, und die Rechthaltner verehrten ihn. Wohl auch, weil er am Dorfleben teilnahm. So hat er etwa mitgeholfen, die Schauspieler auszuwählen, als 1859/60 das Stück «Wilhelm Tell» von Schiller als Freilichtspiel aufgeführt werden sollte. Er führte Buch über seine Beobachtungen der Landbevölkerung und ihrer Eigentümlichkeiten. Einige davon hat er in einem Referat festgehalten, das er vor der freiburgischen Ärzte-Gesellschaft hielt: Die Plaffeier seien «Schlaumeyer», die Plasselber blieben lieber für sich, die Taferser seien etwas eingebildet und derb und die St. Silvestner gutmütig und still.

Er arbeitete bis zu seinem tödlichen Schlaganfall am 20. April 1869 als Arzt. Sein Wirken ist auch deshalb gut dokumentiert, weil er Tagebuch geführt hat. Darin hat er zum Beispiel auch festgehalten, wie viele Medikamente er verschrieb. Mit den Jahren war er nicht mehr nur Arzt für Rechthalten und Umgebung, auch aus Düdingen, Murten, Jaun, Guggisberg und der Stadt Freiburg kamen Patienten. Er behandelte die Ärmsten aus den Armenanstalten, wurde aber auch von Familien mit «von» im Namen gerufen.

Der Historiker Ferdinand Rüegg erzählt in seiner Würdigung, dass Dr.  Muggly sich nicht zu gut war, bei einer Geburt sein Hemd zu zerreissen, weil es der Familie an Stoff fehlte, um den neuen Erdenbürger einzuwickeln. Aus den Unterlagen des Arzts geht zudem hervor, dass er einer mittellosen Familie nicht nur die Arzneimittel und die Behandlung erliess, sondern ihr auch noch 20 Franken und eine Milchziege schenkte. Auch seine Besuche in der Armenanstalt Guglera quittierte er oft ohne Rechnung. Den Grundsätzen seines Vorbilds, Pater Girard, blieb er also sein Leben lang treu. Passend denn auch der Spruch auf seinem Grabstein: «Er liebte Gott am höchsten. Und wie sich selbst den Nächsten. Den Armen sich sein Herz enthüllt, so hat er das Gesetz erfüllt. Als Arzt hat Gott er sich geweiht, gelobt sei Gott in Ewigkeit.»

Quellen: «Mélanges – Père Girard Gedenkschrift», verschiedene Autoren, 1953 erschienen. Freiburger Geschichtsblätter, Band 43/44 (1952).

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