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Ein Bubenstreich, der fatal endete

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«Schreckensdrama im Sense-Oberland» lautete am 13.  April 1963 der Titel eines Artikels der FN über die Vorfälle, die sich drei Tage vorher in einem abgelegenen Winkel nahe der Buchenkapelle abgespielt hatten. Der «Blick» widmete dem Fall gar die Titelseite. Die dramatische Geschichte, bei der ein 15-jähriger Bub ums Leben kam, wurde damals im Bezirk wochenlang diskutiert. Die Meinungen waren geteilt, denn neben dem grossen Mitgefühl für die Familie des jugendlichen Opfers gab es auch für den Täter ein wenig Verständnis.

Ein Sonderling

Was war geschehen? In der Schlossweid lebte damals ein 63-jähriger Mann auf seinem kleinen Hof. A. wurde als «seltsames Original» beschrieben, als Einsiedler und Eigenbrötler, der lieber für sich allein blieb, als mit anderen Leuten zu verkehren. Die Hofgebäude habe er mehr schlecht denn recht instand gehalten und das umliegende Waldstück, das ihm ebenfalls gehörte, kaum unterhalten. In der Bevölkerung nahm man an, «dass der Sonderling einiges Vermögen besass, das er entweder daheim aufbewahrte oder auswärts angelegt hatte», wie es im damaligen Bericht der FN hiess.

Die Schlossweid heute: Keine Spur mehr vom Drama, das sich dort vor 57 Jahren abgespielt hat.

Jahrgänger von ihm erzählten damals gegenüber dem «Blick», dass sie ihn in jungen Jahren als feinfühligen, intelligenten und belesenen Burschen gekannt hätten. Nach einem Familienstreit sei er immer verbitterter geworden und habe sich vernachlässigt.

Üble Neckerei

Auf diesen Mann hatte es eine Gruppe von jungen Burschen aus Oberschrot abgesehen. Wie sich später herausstellte, hatten die 15-Jährigen sein kleines Heimet des Öftern besucht, hatten den Mann gestört, gereizt und geneckt. Er sei «Ziel ihrer Abenteuerlust» gewesen, wurde 1963 in den FN berichtet. Die Jugendlichen hatten zum Beispiel Steine auf das Dach des alten Hauses geworfen. Da dieses aus Blech war, verursachten die Steine im Haus viel Krach.

Situation eskaliert

Am Mittwoch, 10. April 1963, war das Mass offenbar voll, denn an diesem Tag kamen die Buben mit Luftgewehren und Luftpistolen und schossen auf die Scheiben des Hauses. Der alte Mann warnte die Buben noch einmal und forderte sie auf, endlich aufzuhören. Als sie es nicht taten und ihn weiter reizten, wurde der Mann offenbar richtig wütend: Er lud sein Vetterli-Gewehr, ging vor die Tür und schoss in Richtung der jugendlichen Störefriede, die sich zu dem Zeitpunkt etwa 70 bis 100 Meter vom Haus entfernt am Waldrand aufhielten.

Die vier jungen Burschen rannten davon, jeder in eine andere Richtung. Jeder von ihnen dachte von den anderen, dass sie sich in Sicherheit gebracht hätten und nach Hause gegangen seien – das stellte sich im Nachhinein als verheerender Irrtum heraus.

Wohl nur ein Schuss

Denn der Schuss hatte sein Ziel nicht verfehlt. Einer der Jünglinge wurde in den Arm getroffen. Er ging nach Hause und wurde von dort nach Freiburg in die St.-Anna-Klinik gebracht. Die Polizei wurde alarmiert und unternahm erste Ermittlungen.

Was niemand wusste: Das gleiche Geschoss hatte zuvor seinen Kameraden M. durchbohrt, der sich zu dem Zeitpunkt in seiner Nähe befunden hatte – und zwar offenbar in den Unterleib. Als M. nicht mehr nach Hause kam, suchten ihn seine Eltern. Sie gingen sogar in die Schlossweid in den Wald, fanden ihn dort aber nicht. M. war schwer verletzt in der Nähe des Hauses liegen geblieben.

Die Eltern benachrichtigten am nächsten Tag die Polizei von Plaffeien, weil ihr Sohn die ganze Nacht weggeblieben war. Wie es im Tagesjournal von Wachtmeister Albin Carrel heisst, forderte dieser eine Hundestaffel an, um den Vermissten im unwegsamen Wald zu suchen.

Mit Erfolg: Die Beamten fanden M. etwa 70 Meter südöstlich des Hauses am Waldrand. Er war wohl innert kurzer Zeit seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Kugel wurde später in einem Baumstamm gefunden.

Erste Annäherung

Als der Leichnam gefunden worden war, fing der zweite Teil des Dramas an: Die Polizei, der damalige Oberamtmann und der Untersuchungsrichter des Sensebezirks begaben sich am Donnerstagmorgen zur Schloss­weid. Auf Anordnung des Untersuchungsrichters Mo­ritz Waeber sollte Wachtmeister Albin Carrel den alten Mann verhaften. Doch das war nicht so einfach.

Wachtmeister Carrel wollte einen Versuch wagen, den alten Mann zu überreden, aus dem Haus zu kommen. Die beiden kannten sich von der Schulzeit. Der Polizeibeamte näherte sich deshalb offen dem Haus, während seine Dienstkollegen sich heimlich heranschlichen, um für seine Sicherheit zu sorgen.

Keine Ahnung

Wachtmeister Carrel schaffte es tatsächlich, mit A. ein Gespräch zu beginnen und ihm zu sagen, dass er wegen der Buben komme, die ihn am Vortag geplagt hätten.

A. kam zwar nicht aus dem Haus, sagte jedoch durch die Tür, dass es nicht das erste Mal gewesen sei. Doch weil die Buben dieses Mal die Wohnzimmerfenster eingeschossen hätten, habe er sie mit seinem Vetterli-Gewehr vertrieben.

Wie Albin Carrel in seinem Rapport festhält, habe er aus diesen Äusserungen klar geschlossen, dass A. zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung davon hatte, was er mit seinem Schuss angerichtet hatte.

Stundenlang belagert

Die Situation änderte sich, als Oberamtmann Arnold Waeber dazutrat und A. direkt fragte, warum er auf die Buben geschossen und einen davon erschossen habe.

Da wurde dem alten Mann wohl das ganze Ausmass der Situation bewusst. Die Behördenmitglieder vor seiner Tür gaben an, in der Folge von drinnen ein metallisches Geräusch gehört zu haben, das sich danach angehört habe, als ob ein Gewehr geladen würde. Sie entfernten sich, und die Verantwortlichen forderten die Spezialdienste der Polizei an. Wie es im FN-Bericht heisst, verschanzte sich alsdann ein starkes Polizeiaufgebot um das Haus in den Wäldern.

Täter richtete sich selbst

Bis gegen halb vier Uhr nachmittags passierte nichts. Dann kam A. aus dem Haus und ging in den Stall. Von dort hörten die Wartenden draussen dann mehrere Schüsse: Der alte Mann hatte seine sechs Kühe erschossen. Aus dem Haus sah man Rauch aufsteigen.

A. ging vom Stall zurück ins Haus. Er hatte an verschie­denen Stellen seines Hauses Feuer gelegt. Bevor die Flammen ganz um sich griffen, war ein weiterer Schuss zu hören: A. hatte sich offenbar selbst gerichtet. Das Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder. Erst am Freitagvormittag fand man die verkohlte Leiche.

Am nächsten Tag konnte die Leiche von A. aus der Brandruine geborgen werden.

Zum 100-Jahr-Jubiläum gewährt die Kriminalpolizei Einblick in alte Fälle.

Erinnerungen

«Der Fall bewegte die Leute»

«Es war ein richtiges Drama und weniger ein Kriminalfall», sagt Robert Sturny. Der frühere Vize-Oberamtmann des Sensebezirks erinnert sich noch ganz genau an das Drama in der Schlossweid. Er hatte am 1. April 1963, also nur wenige Tage vor den Ereignissen, als Sekretär und Buchhalter beim Oberamt in Tafers angefangen. «Der Fall hat die Region bewegt, die Bestürzung über die Vorfälle war gross.» Robert Sturny ist auch heute überzeugt, dass der alte Mann nicht die Absicht hatte, den Buben zu schaden oder gar einen von ihnen zu töten. «Er wollte sie nur erschrecken, damit sie endlich aufhörten, ihn zu plagen.» Dass es dann so geendet habe, sei traurig und tragisch zugleich.

Die Gesellschaft habe damals wenig Erbarmen mit Aussenseitern wie A. gehabt. Robert Sturny nimmt an, dass sich A. dessen sehr bewusst war und dass er sich deswegen selbst richtete. «Ihm war klar, dass er nach so einer Tat wohl nie wieder in die Schlossweid hätte zurückkehren können – auch dann nicht, wenn er hätte beweisen können, dass der tödliche Treffer ein Unfall war.»

Anderes Vorgehen

Heute würde so ein Fall wohl anders angegangen. Die Jünglinge müssten beispielsweise erklären, warum sie mit Gewehren durch den Wald laufen würden, sagt Hugo Schuwey, Brigadechef und stellvertretender Chef des Kriminaltechnischen Kommissariats. Der alte Mann würde vielleicht eine Beschwerde wegen Belästigung oder eine Klage wegen Sachbeschädigung einreichen. Um zwischen den Parteien zu vermitteln, würde man wohl eine Mediation anordnen.

Heute hätte man auch andere Möglichkeiten, um mit einer Person zu kommunizieren, die sich in einem Haus verschanzt. «Heute hat man geschulte Vermittler und gute Kommunikationsmittel. Damals hatte man nur das Megafon, mit dem kein Gespräch möglich war.»

im

 

 

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