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Ein Disput und Kraftausdrücke im Gerichtssaal

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«Das Gericht fühlt sich verarscht.» Die Aussage von Markus Ducret im gestrigen Prozess gegen vier junge Vandalen in Murten war überaus deutlich. Bereits zuvor hatte der Präsident des Strafgerichts des Seebezirks zunehmend ungeduldig auf die Taktik der Angeklagten und ihrer Verteidiger reagiert. Die 22- und 23-jährigen Emmentaler müssen sich für rund 80 Delikte verantworten, darunter zahlreiche Sachbeschädigungen, Tätlichkeiten, ein versuchter Raub in Avenches sowie ein vollendeter Raub in Murten (siehe FN von gestern). Der Schwerpunkt der Delikte lag zwar im Kanton Bern, weil das schwerste Delikt aber in Murten stattfand, ist das Gericht des Seebezirks zuständig.

Bereits zu Beginn der Verhandlung forderten die Verteidiger, dass das Gericht mehrere Protokolle von Einvernahmen nicht verwerten dürfe. Es ging um Einvernahmen, bei denen kein Verteidiger anwesend gewesen war. Als das Gericht den Antrag ablehnte, verweigerten zwei Angeklagte auf Anraten ihrer Verteidiger die Aussage komplett, die anderen beiden wollten sich grösstenteils nicht mehr an die Ereignisse erinnern oder verwiesen auf frühere Aussagen. So reagierte Gerichtspräsident Ducret zunehmend ungehalten auf die wiederkehrenden Antworten.

«Prozesstaktische Mätzchen»

Der eigentliche Disput entzündete sich aber an Fragen, die ein Verteidiger Staatsanwalt Markus Julmy stellen wollte. Gerichtspräsident Ducret zögerte, die Fragen überhaupt zuzulassen. Auch Staatsanwalt Julmy meinte, er sei nicht da, um solche Fragen zu beantworten. In Richtung Verteidiger fügte er an: «Ich bin nicht bereit, diesen Kindergarten mitzumachen.» Auf den heftigen Protest der Verteidiger entgegnete Gerichtspräsident Ducret: «Ich rate Ihren Klienten, zu Ihren Taten zu stehen, statt sich hinter prozesstaktischen Mätzchen zu verstecken.» Die jungen Männer dürften nicht das Gefühl erhalten, mit einem Gericht könne man machen, was man wolle. Die Strategie der Verteidiger und der Angeklagten sei kontraproduktiv. Ducret riet den Verteidigern: «Warten Sie das Urteil ab. Wenn Sie das Gefühl haben, das Verfahren sei ungerecht gelaufen, können Sie dann immer noch rekurrieren.»

Wenige Erkenntnisse

Angesichts dieser Spannungen geriet der eigentliche Prozess zeitweise in den Hintergrund. Gerade weil sich die Angeklagten nicht oder nur vage zu den Taten äusserten, brachten die Einvernahmen vor Gericht nur wenig Erkenntnisse.

Immerhin: Nach der Standpauke des Gerichtspräsidenten äusserten sich zumindest einige Angeklagten etwas deutlicher zum Fall. «Ich weiss, dass man solche Sachen nicht macht», sagte einer der 22-jährigen, der nach eigenen Angaben keinen Kontakt mit den übrigen Beschuldigten mehr pflegt. Er könne nicht erklären, was die Motivation für die Taten gewesen sei. «Wir waren vier Tubel.» Als die Delikte zunehmend schwerer wurden, habe niemand aus der Gruppe gewagt, einzuschreiten. «Nach dem Überfall habe ich gedacht, das kann es nicht mehr sein.» Er frage sich noch heute, warum er so etwas gemacht habe. Auch der zweite 22-jährige Beschuldigte argumentierte mit der Gruppendynamik. «Ich war endlich einmal in einer Gruppe akzeptiert», sagte der junge Mann, der seit der Verhaftung zeitweise unter einer schweren Depression litt.

Eine andere Erklärung hatte der vorbestrafte 23-Jährige, der gemäss Staatsanwaltschaft als einziger bei allen Taten beteiligt war: «Alles lief aus dem Ruder und wurde immer schlimmer.» Weil lange nichts passiert war, hätten sie mit jeder Tat die Hemmungen etwas mehr verloren. Der vierte Angeklagte gab zu Protokoll, er trinke seit der Untersuchungshaft weniger Alkohol; denn die Angeklagten begingen die Taten mindestens teilweise in stark angetrunkenem Zustand.

Am Freitag folgen die Plädoyers, und am Montag wird das Gericht das Urteil verkünden. Nach der Ablehnung der Anträge der Verteidigung hat ein Verteidiger aber bereits einen Rekurs angekündigt.

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