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Ein Dossier-Politiker will ins Stöckli

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Ein Dossier-Politiker will ins Stöckli

Autor: Karin Aebischer (Text) und Corinne Aeberhard (Bilder)

Alle 14 Tage reist Jacques Bourgeois am Montag mit dem 7.04-Zug ab Freiburg an den Hauptsitz des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) nach Brugg. Dort trifft er sich zur Sitzung mit der Geschäftsleitung. Dunkel gekleidet und mit einem Rollkoffer und einer Mappe im Schlepptau macht er sich auch an jenem Montag Ende Januar auf in den Aargau. Am Bahnhof in Freiburg bleibt der FDP-Nationalrat und Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes mehrheitlich unerkannt – trotz Wahlkampf. Einige Bekannte grüssen ihn mit «Salut Jacques». Dann rollt der Schnellzug heran und er nimmt mit Francis Egger im oberen Stock der ersten Klasse Platz. Egger ist seit 2010 Mitglied der Geschäftsleitung des Bauernverbandes. Der ehemalige Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts von Grangeneuve leitet beim SBV das Departement Wirtschaft und Politik.

Bourgeois zieht Mantel und Schal aus und legt diese fein säuberlich auf die Ablage über dem Sitz. Dann zückt er sein iPhone und erklärt Francis Egger die technischen Probleme, die er am Wochenende mit seinem neuen Gerät hatte. Die Mappe stets auf dem Schoss, greift Bourgeois zur Zeitung «Schweizer Bauer» und dann zur «Liberté». Das «20 Minuten» hat er in zwanzig Sekunden durchgeblättert. Es ist ruhig im Zug. Bourgeois und Egger, die sich gut kennen, sind zum Scherzen aufgelegt.

Vorbereitet in die Woche

In Bern heisst es umsteigen. Mantel und Schal werden wieder fein säuberlich abgelegt und die Mappe kommt auf den Schoss. Der 53-Jährige nimmt sein Minenbleistift und Unterlagen hervor, in denen er noch einige Details anschauen will. «Die Strecke Freiburg–Bern nutze ich, um Zeitung zu lesen. Zwischen Bern und Brugg kommen die Dossiers zum Zug», sagt Jacques Bourgeois. Sechs bis sieben Stunden pro Wochenende setzt er für das Dossier-Studium seiner beiden Ämter ein. «Eine gute Vorbereitung am Wochenende ist wichtig, um während der Woche flexibler zu sein.»

Am Abend auf die Berra

Ein voller Terminkalender macht dem gelernten Agrar-Ingenieur HTL nichts aus. «Ich bin einer, der gerne nonstop arbeitet», sagt Bourgeois über sich. Am Wochenende nimmt er sich jedoch auch Zeit, um für die Patrouille des Glaciers zu trainieren. Bereits sechs Mal war er mit dabei. Während der Woche besteigt er einmal mit Stirnlampe und Tourenskis die Berra. «Sport ist für mich ein Ausgleich. Ich spüre, dass ich auch im Kopf mehr leisten kann, wenn ich körperlich fit bin.»

Hartnäckig in der Sache

Politisch bezeichnet sich Bourgeois als «Dossier-Person», nicht als Parteipolitiker. Er arbeite sehr zielgerichtet und tue immer alles, um seine Ziele zu erreichen. Sein Leistungsausweis gibt ihm recht. Von den 53 Vorstössen, die er in den vergangenen vier Jahren eingereicht hatte, hat er die meisten durchgebracht. Erfolgreich war er auch dann, wenn er zu Beginn fast gar keine Unterstützung auf seiner Seite hatte. Wie beim Vorstoss zur Ernährungssouveränität, mit dem die Förderung der Selbstversorgung des Landes als wichtige Aufgabe des Bundes gesetzlich verankert wurde.

Zum Wohle der Freiburgerinnen und Freiburger würde er sich auch gegen die Partei stellen, sagt Bourgeois. Beim Thema erneuerbare Energien sei er beispielsweise selten auf der FDP-Linie. «Wenn ich das Gefühl habe, etwas ist richtig, bleibe ich dabei.» Er müsse jeden Morgen in den Spiegel schauen können. «Sonst kann ich nicht politisieren». Die Tage des gebürtigen Waadtländers sind sehr gut durchorganisiert. Er plane gerne, so Bourgeois. «Ich verschiebe nichts, was ich sofort erledigen kann».

Seit er 2007 in den Nationalrat gewählt worden ist, hat sein Stellvertreter Urs Schneider beim Bauernverband zusätzliche Aufgaben übernommen. «So bin ich ein wenig entlastet». Klar sei er während der Sessionen manchmal etwas unter Druck. «Deshalb habe ich mich auch entschieden, im Falle einer Wahl in den Ständerat das Direktorium abzugeben». Denn im Stöckli sieht er noch mehr Kommissionsarbeit auf sich zukommen. «Dieser Entscheid ist mir nicht leicht gefallen», sagt Bourgeois. Er würde das Dossier Landwirtschaft auch auf politischer Ebene in irgendeiner Form weiterführen können. Mit seiner Wahl in die kleine Kammer will der FDP-Nationalrat dort die Präsenz der Parlamentarier erhöhen, die sich für die Interessen der Landwirtschaft einsetzen. «Mit zirka 30 Parlamentariern sind wir im Nationalrat gut vertreten, im Ständerat hat es jedoch zu wenige.»

Keine Wohnung in Bern

Eher selten geht er während der Session mit anderen Parlamentariern mittagessen. Lieber nutzt er die Zeit, um kurz in seinem Büro in Bern vorbeizuschauen. Abends reist er immer zurück nach Avry. «Auch wenn die Nächte manchmal kurz sind». In den vier Jahren in Bern habe er erst zweimal dort übernachtet. Zuletzt nach der Wahlfeier des neuen Nationalratspräsidenten Hansjörg Walter.

Um 8.28 Uhr kommt der Zug in Brugg an. Mit schnellem Schritt geht es zum SBV-Hauptsitz. Hinter dem älteren Gebäude erstreckt sich eine Grossbaustelle. Der Bauernverband investiert 20 Millionen Franken in seinen neuen Hauptsitz mit Wohnungen.

Die Begrüssung im Büro ist herzlich und kollegial. Bourgeois bedient sich an der Kaffeemaschine und startet um 8.50 Uhr die Geschäftsleitungssitzung. Speditiv führt er in gutem Deutsch durch die elf Traktanden. Strategiefragen im Bereich Gentechnologie, die Parolen zu den Abstimmungsvorlagen oder die Agrarpolitik 2014–2017 sind Themen. «Ich dulde es nicht, wenn jemand unvorbereitet zur Sitzung kommt.» Um 11.20 Uhr schliesst er diese und geht mit einigen Mitarbeitern auf ein kurzes Mittagessen in ein Café.

Kurze Wahlkampf-Phase

Bei Bier und Ravioli mit Gemüsesauce spricht ihn das junge Team zaghaft auf seine Ständeratskandidatur an. «Die Zeit ist sehr knapp, um alles gut zu organisieren», sagt Jacques Bourgeois. Er könne zum Glück auf sein Unterstützungsteam zählen, das schon bei den Nationalratswahlen aktiv war. Sechs gute Freunde und ein erweitertes Komitee mit Personen aus allen sieben Bezirken gehörten zum Team. Finanziert wird der Wahlkampf durch die Kantonalpartei. Wahlkampf zu betreiben brauche viel Zeit und Engagement, gehöre aber zu einem Politikerleben dazu, so Bourgeois. «Ich mache es gerne, bin aber auch froh, wenn es vorbei ist.» Er hofft, dass es nicht zu einem zweiten Wahlgang kommt.

Seine Wahlchancen könne er nicht einschätzen. «Die Ständerats-Ersatzwahl ist klar eine Personenwahl», so Bourgeois. Die Freiburger müssten entscheiden, wen sie in der kleinen Kammer sehen wollen: Einen Parteipolitiker wie Christian Levrat, oder einen offeneren Politiker, wie er einer sei. Dass Levrat durch sein Amt als Parteipräsident eine stärkere Medienpräsenz hat, erachtet er für diesen nicht als Vorteil. «Es ist einfach sein Job.»

An anderer Kreuzung

Mit dem 12.32-Zug geht es zurück in sein Büro. Dort muss er einen Bericht für die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) vorbereiten, deren Präsidium er kürzlich abgegeben hat. Noch im Sommer hatte Bourgeois erklärt, er stehe noch nicht an der Kreuzung, bei der eine Ständerats-Kandidatur eine mögliche Richtung sei. «Ich wollte nicht zwei Ziele gleichzeitig avisieren, sondern den Nationalratssitz sichern.» Als Präsident der UREK habe er zudem noch das CO2-Gesetz unter Dach und Fach bringen wollen. «Jetzt stehe ich wieder an einer Kreuzung und habe mich entschieden, es zu tun.»

Oft mit Schwaller einig

Zu seinem möglichen zukünftigen Kollegen Urs Schwaller habe er eine gute Beziehung. «Wir haben meistens die gleiche Meinung», sagt er und visiert die ausgedruckten Mails, die ihm die Sekretärin aufs Pult gelegt hat. Dreieinhalb Stunden hat er nun Zeit. Dann geht es nach Freiburg zur Preisverleihung des Panathlon-Clubs. Sollte danach kein Zug mehr nach Avry fahren, holt ihn seine Frau ab.

Zur Person

Berufskarriere in der Landwirtschaft

Jacques Bourgeois ist seit 2002 Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, vorher amtete er während vier Jahren als stellvertretender Direktor. Von 1985 bis 1998 arbeitete er für den Verband Schweizerischer Gemüseproduzenten, während sieben Jahren als Direktor. Von 2001 bis 2007 war er FDP-Grossrat. 2007 wurde er in den Nationalrat gewählt und am 23. Oktober 2011 mit 17932 Stimmen wiedergewählt. Bourgeois ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er ist u.a. Mitglied des Stiftungsrats des Dalerspitals und sitzt im Verwaltungsrat der TPF. ak

Ausgangslage

Vier Kandidaten für einen Sitz

Die Ständerats-Ergänzungswahlen vom 11. März werden zwischen vier Kandidaten entschieden. Nebst Jacques Bourgeois (FDP) kandidieren Christian Levrat (SP), Francis Fasel (unabhängig) und Charles Pache (Piratenpartei). Hinter Christian Levrat steht die gesamte Linke: SP, CSP, EVP und Grüne hatten dies an einer Pressekonferenz bekannt gegeben (FN vom 2. Februar). Die CVP-Spitze will Jacques Bourgeois unterstützen – die Delegierten der CVP werden nächste Woche über den Vorschlag des Vorstandes entscheiden. Die Delegierten der SVP entscheiden heute Abend. ak

Die Zugfahrt nutzt Jacques Bourgeois meist, um in den Dossiers noch einige Details anzuschauen und um Zeitung zu lesen. Zusammen mit Francis Egger (Bild unten rechts, l.) reist er jeden zweiten Montag nach Brugg an den Sitz des Bauernverbandes.

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