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Ein eindringlicher Anti-Kriegs-­Roman – aktueller denn je

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Hunderttausende Menschen fliehen aus Syrien. Laut einer Studie der Nichtregierungsorganisation SCPR sind in dem Krieg bislang 470 000 Menschen getötet worden, 45 Prozent der Bevölkerung wurden vertrieben.» (Die Zeit, 2016).

So oder ähnlich müsste die Schlagzeile lauten, wollte man die Situation im Land beschreiben, wie sie der ehemalige Peschmergakämpfer Muzafari Subhdam im Roman «Der letzte Granatapfel» in den 80er-Jahren erlebt hat. Damals Kurdistan im Irak, heute Syrien. Der Protagonist, an Bord eines Bootes auf der Flucht nach Europa, erzählt seinen «Mitreisenden» die Geschichte eines kurdischen Freiheitskämpfers – und dies in einer Art und Weise, die einfach nur unsere Bewunderung erheischt.

21 Jahre in Gefangenschaft

Muzafari, der Ich-Erzähler, rettete dem legendären kurdischen Revolutionsführer das Leben, als die Truppen des Regimes sie umstellt hatten. Er aber geriet in 21-jährige Gefangenschaft im Niemandsland der Wüste, ohne den geringsten Kontakt zur Aussenwelt.

Dank eines Gefangenaustauschs wird er nach mehr als zwei Jahrzehnten aus dem irakischen Wüstengefängnis entlassen. Sein ehemaliger Anführer Jakobi Snauber, den er einst gerettet hat, organisiert den Gefangenenaustausch. Snauber, nach erfolgreicher Revolution nun auch als Sieger im kurdischen Bruderkrieg hervorgegangen, ist inzwischen zu grosser Macht und zu Reichtum gekommen.

Er bringt Muzafari in sein Schloss, weitab der zerstörten kurdischen Gebiete und des gebeutelten Volkes. Er will verhindern, dass sein Freund Muzafari von den Verwüstungen erfährt, die der Diktator und auch die zwei kurdischen Grossparteien angerichtet haben, von Flucht und Tod so vieler Menschen.

Obwohl es dem Befreiten materiell an nichts fehlt, hält er es in diesem goldenen Käfig nicht lange aus. Er flieht, und nun beginnt die albtraumhafte Suche eines Vaters, stellvertretend für Hunderte anderer Väter, nach seinem Sohn in Kurdistan. «Er lotet den Bruch aus, der die im Widerstandskampf gestählten und im irakischen Bruderkrieg schuldig gewordenen Väter von ihren Kindern trennt, die auf der verbrannten Erde dieser Heimat aufwachsen mussten; einen Abgrund, in dem die Söhne vor den Vätern sterben und diese ratlos mit der Liebesschuld ringen, die sie gegenüber ihren Kindern nie einlösen konnten», beschreibt die NZZ diese Suche.

Für eine bessere Welt

Während dieser Suche trifft der Ich-Erzähler die verschiedensten Personen: Kinder und Jugendliche auf den Schlachtfeldern, darunter drei junge Männer, die den gleichen Namen wie sein Sohn tragen, zwei weisse Schwestern, welche mit ihren Liedern die Menschen verzaubern, Freiheitskämpfer, die zu Fürsten werden, unzählige Seelen in schwarzer Trauer und einen Jungen namens Glasherz, der in diesem aus­sergewöhnlichen und teilweise schon fast märchenhaft anmutenden Roman den Wunsch nach einer besseren, friedlichen, durchsichtigen und reinen Welt verkörpert.

Faszinierend – und für westliche Ohren schon fast ungewohnt – ist die wunderbare, orientalisch bildhafte Sprache. Auch die Übersetzerinnen haben ganze Arbeit geleistet.

Ali Bachtyar: «Der letzte Granatapfel», Roman (aus dem Kurdischen übers.), Deutsche Erstausgabe, Zürich, Unionsverlag, 2016, 343 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

Zur Person

Von der Geologie zur Poesie

Ali Bachtyar ist 1960 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Sadam Husseins. Er brach sein Geologiestudium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein Werk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Er lebt seit Mitte der 1990er-Jahre in Deutschland.

af

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