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Ein einsamer, verkannter Held

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Wer kennt nicht Monaco? Den mondänen Tummelplatz und Zufluchtsort der Reichen und selbst ernannten Schönen, der Steueroptimierer, der prächtigen Villen! Sehnsuchtsort der sich krampfhaft an der Vergangenheit labenden Adelskaste. Doch den grössten Bekanntheitsgrad verdankt das Fürstentum wohl dem alljährlich stattfindenden Formel-1-Rennen in den engen Gassen des Stadtbezirks Monte Carlo.

Und in diesem berühmten Umfeld – Schicki-Micki und Hochwohlgeboren auf den Tribünen und bei den Fahrern, Formel-1-Boliden und Benzingeruch in den Boxen – befindet sich die Hauptfigur: Jack Preston, englischer Automechaniker, im Einsatz für das legendäre Team Lotus, dessen Gründer Colin Chapmann höchstpersönlich ihn für seinen Rennstall engagiert hat. Und für Autorennen-Nostalgiker seien hier noch einige weitere Personen erwähnt, die der einfache Mechaniker Preston wegen ihrer Popularität nahezu vergöttert: Enzo Ferrari, Jim Clark, Graham Hill, Jochen Rindt, Jo Siffert.

Formel 1, Grosser Preis von Monaco, 1968 im Mai: Minuten vor dem Start, Stars und Sternchen, Wichtigtuer, Fahrer und Bodenpersonal noch immer in der Startzone. Und aller Augen richten sich auf Deedee, die charismatische Filmdiva.

Da geschieht das Unfassbare! Aus einer Benzinpfütze entsteht urplötzlich eine höllische Stichflamme. Geistesgegenwärtig wirft sich Mechaniker Preston über die schöne, charismatische Filmdiva und schützt sie so vor dem verheerenden Feuer. Er aber erleidet dabei schwerste Verbrennungen, die seinen Körper teilweise arg entstellen. Es lässt sich nicht wegleugnen, Deedee wäre verbrannt, wäre nicht Jack Preston dazwischengesprungen, um sie zu schützen. Einem Leibwächter gelingt es dann noch, die beiden, Deedee und Preston, wegzuziehen und in Sicherheit zu bringen.

Wer ist nun der wahre Retter der Filmdiva, wer hat Deedee vor einer möglichen Entstellung durchs Feuer bewahrt und ihre Karriere damit gerettet? Der Mechaniker oder der Leibwächter?

Warten auf Anerkennung

Jack kehrt in sein Heimatdorf zu seiner Frau zurück. Hier gilt er zunächst als Held und wird für seine schier übermenschliche Tat von fast allen Dorfbewohnern bewundert und verehrt. Und wann und wie reagiert Deedee? Jack Preston wartet sehnsüchtig auf seine Anerkennung als Retter und hofft auf ein Zeichen der Anerkennung des von ihm inbrünstig angebeteten Filmsternchens. Das ist doch das Mindeste! Denn immerhin hat er sich für sie geopfert und erholt sich zu Hause nur ganz langsam von den Brandwunden.

Doch mit der Gerechtigkeit ist es so eine Sache. Die Medien feiern stattdessen den Leibwächter als Helden, und wer den Schaden hat, muss bekanntlich nicht lange auf den Spott der lieben Mitmenschen warten. Und immer noch hofft der bemitleidenswerte Jack, dass Deedee den Irrtum richtigstellen wird. Wird sie es tun und ihn von seinem Frust erlösen und für späte Gerechtigkeit sorgen?

Kurze Kapitel und ein knapper, aber durchgehend eleganter Sprachstil prägen die ergreifende Geschichte des einsamen Helden.

Peter Terrin: «Monte Carlo», Roman, München: Berlin Verlag, 2016, 190 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

Zur Person

Erzählungen und sieben Romane

Peter Terrin, 1968 geboren, ist einer der bedeutendsten flämischen Autoren der Gegenwart. Er begann mit 23 Jahren zu schreiben und debütierte 1998 mit dem Erzählband «De Code». 2001 schrieb er mit «Kras» seinen ersten Roman. 2010 wurde er mit dem Europäischen Literaturpreis ausgezeichnet und war als Ehrengast an der Frankfurter Buchmesse 2016.

af/im

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