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Ein Exempel fällt in sich zusammen

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Autor: Pascal Jäggi

Freiburg Genüsslich schaute sich Verteidiger Jacques Bonfils im Saal des Bezirksgerichts Saane um. «Zu meiner Rechten sitzen weder die Staatsanwaltschaft noch die Klägerin», konstatierte er. Von einem Fall, der gross angekündigt worden sei, bliebe fast nichts mehr übrig, so Bonfils. Die Klägerin hat vor kurzem alle Forderungen zurückgezogen.

Exemplarisches Urteil

Tatsächlich hatte Untersuchungsrichterin Yvonne Gendre den Fall einer heute 52-jährigen Somalierin im Frühling 2008 den Medien als Exempel im Kampf gegen die Beschneidung von Mädchen (oder weniger höflich ausgedrückt: Genitalverstümmelung) präsentiert. Die Angeschuldigte wurde von Gendre wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, was der Höchststrafe entsprach. Die Frau hat dagegen rekurriert.

Was war geschehen? Die 52-Jährige hatte ihre Halbschwester, für die sie in der Schweiz gesorgt hat, 2001 nach Somalia geschickt. Dort hat das Mädchen bei seiner leiblichen Mutter gelebt. Es kam zur Beschneidung der damals 13-Jährigen. Das Mädchen floh nach Kenia, von wo sie mit ihrer ehemaligen Lehrerin Kontakt aufnahm und ihr von der Beschneidung berichtete.

Die Angeschuldigte sah sich ihrer Pflichten enthoben, als das Mädchen wieder bei seiner Mutter war, und verstand deshalb die Vorwürfe nicht.

Vor Gericht bezeichnete sie (über einen Dolmetscher) die Beschneidung als einen banalen Akt, der zur Tradition gehöre. Auch sie selber und ihre Tochter hätten den schmerzvollen Akt über sich ergehen lassen müssen, wobei dies deutlich früher, im Alter von fünf Jahren, geschehen sei. Sie habe aber nicht gewusst, dass die Beschneidung auch bei ihrer Halbschwester geplant sei.

Druck oder Zweifel?

Das Opfer der Beschneidung mache sich Vorwürfe, weil sie ihre Halbschwester vor Gericht gebracht habe, erklärte die Angeschuldigte. Anwalt Jacques Bonfils präsentierte einen Brief der somalischen Gemeinschaft Freiburg und der Anwältin des Mädchens. Dieses habe mit einem «Loyalitätskonflikt» zu kämpfen, schreibt die Anwältin, und könne darum nicht vor Gericht erscheinen. Die Gemeinschaft stört sich daran, dass eine Frau angegriffen werde, die das Mädchen «wie eine Mutter» aufgezogen habe.

Ob Druck der Gemeinschaft, familiärer Zusammenhalt oder Gewissenskonflikt: Fakt ist, dass die Anschuldigungen durch den Rückzug der Klage an Gewicht verloren haben.

Anwalt fordert Freispruch

Bonfils erklärte vor Gericht, dass er die Unschuld seiner Klientin eigentlich gar nicht mehr beweisen müsse, da niemand versuche zu behaupten, dass sie schuldig sei. Er forderte dementsprechend einen Freispruch.

Das Gericht folgte dem Antrag hauptsächlich aus formalen Gründen. Die Untersuchung habe zu spät begonnen, sagte Gerichtspräsident Jean-Marc Sallin. Die Frist für die Verjährung einer Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sei nach fünf Jahren erreicht. Die Untersuchung hätte demnach schon 2006 eingeleitet werden müssen, was nicht geschah.

Die 52-Jährige bedankte sich überschwänglich, nachdem sie beim letzten Wort noch in Tränen ausgebrochen war. «Wir haben nur nach dem Recht gehandelt», gab Sallin zur Antwort.

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