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Ein Festival findet seinen Abschluss

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Ein Festival findet seinen Abschluss

Michel Corboz über seine Musik und sein Festival

Der Freiburger Michel Corboz gilt weltweit als einer der bedeutendsten Interpreten geistlicher Musik. Zum neunten und letzten Mal findet ab Sonntag in Freiburg sein Festival statt. Im Gespräch mit den FN blickt ein vitaler, tiefgründiger und weltoffener Musiker auf sein Wirken zurück.

Mit MICHEL CORBOZ sprach
HUGO SCHALLER

Herr Corboz, das «Festival Michel Corboz Fribourg» findet ab nächstem Sonntag zum letzten Mal statt. Was empfinden Sie dabei?

Keine Beerdigungsstimmung und keine Bitternis. Ich habe in Freiburg mein gesamtes Repertoire – mit einer Uraufführung von Rainer Bösch – aufgeführt. Der Bogen spannt sich von Monteverdis «Vesper» über den «Elias» von Mendelssohn und das Requiem von Verdi bis zu Poulenc, Honegger und Frank Martin. Diese Aufgabe neigt sich jetzt ganz einfach dem Ende zu. So gesehen empfinde ich eigentlich nur Freude und Dankbarkeit.

Bereits sind alle Karten ausverkauft. Sind Sie überrascht?

Die St.-Michaels-Kirche war zwar so gut wie immer voll besetzt. Doch mit einem solchen Ansturm hat niemand gerechnet. Die Veranstalter haben schon eine Verdoppelung der Konzerte in Erwägung gezogen, doch der Aufwand wäre zu gross.

Überrascht war ich aber besonders über das enorme Echo in den Medien. Die Freiburger Medien haben uns immer unterstützt. Doch die Westschweizer Medien, insbesondere die Rundfunkmedien aus Genf und Lausanne, waren bis vor kurzem kaum interessiert an diesem Festival. Und jetzt rennen sie uns die Türen ein und berichten ausgiebig über das Ende. Das finde ich ziemlich schade.

Wie ist eigentlich dieses «Festival Michel Corboz» entstanden?

1985 besuchten mich drei Personen aus Freiburg, ein Journalist, ein Advokat und ein Vertreter der Behörden. Sie trugen mir ihre Idee vor. Da ich mich als ehemaliger Absolvent des Lehrerseminars mit Freiburg besonders verbunden fühle, habe ich spontan zugesagt. Seither konnte ich auf ein treues Publikum zählen, mit dem ein besonders inniger Kontakt während der Konzerte möglich war.

Stimmt es, dass auch wirtschaftliche Gründe zum Ende beigetragen haben?

Tatsache ist, dass in den letzten Jahren die Finanzierung des Festivals durch Unterstützungsbeiträge zusehends schwieriger wurde. Ein Festival von dieser Grössenordnung braucht aber auch mehr und mehr eine Professionalisierung der Administration. Doch das ist mit grossen Kosten verbunden. Das Festival von Montreux zum Beispiel musste aus solchen Gründen aufgeben.

Von welchen musikalischen Persönlichkeiten sind Sie am nachhaltigsten geprägt worden?

Mein Onkel, der Musiker André Corboz aus Bulle, gab mir als Kind Klavierunterricht. Bei ihm lernte ich auch zu singen, Melodien aufzuschreiben, Stücke zu erfinden und Lieder zu begleiten Er war für mich ein wunderbares Vorbild.

Bei Abbé Kälin im Lehrerseminar habe ich präzise Grundlagen im Dirigieren erworben. Und natürlich Juliette Bise! Sie gehört zu jenen seltenen Menschen, die als Künstler und als Lehrer unersetzbar sind.
Nach dem Lehrerseminar wurde ich Kapellmeister an der Kathedrale Nôtre-Dame (Valentin) in Lausanne. Die Zusammenarbeit mit dem Organisten Dante Granato war für mich sehr bereichernd. 1961 gründeten wir das «Ensemble Vocal de Lausanne». Eines Tages wurde die Schallplattenfirma Erato aus Paris auf uns aufmerksam, und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Sie können auf eine grandiose Musikerlaufbahn zurückblicken. Wie viele Aufnahmen haben Sie eigentlich gemacht?

Es sind mehr als 120, davon wurden etwa 30 Aufnahmen mit Schallplattenpreisen ausgezeichnet. Aber es war nie mein Ziel, eine Karriere zu machen. Mein Ziel war es, Werke aufzuführen, die mir vollends entsprochen haben. Ich hatte das grosse Glück, genau diese und nur solche Werke zur Aufführung bringen zu können. Die Zusammenarbeit mit Erato begann 1966 und dauert bis heute an. Diese Dauerhaftigkeit – mit dem «Ensemble Vocal» ebenso wie mit dem Orchester der Gulbenkian-Stiftung in Lissabon – ermöglichte mir eine kontinuierliche Arbeit mit einem freundschaftlichen Kontakt zu den Choristen, Solisten und Orchestermusikern.

Dadurch war es möglich, so lang und intensiv zu proben, um dann die emotionale Spannung zu ermöglichen, die mir unentbehrlich scheint. Dies wird in unserer heutigen Entwicklung zur Gewinnmaximierung – die auch nicht vor den grossen internationalen Orchestern Halt macht – immer schwieriger.

Nennen Sie uns einen ganz bedeutenden Moment in Ihrer musikalischen Arbeit.

Ja. Das war an einem sonnigen Herbsttag 1973. Ich war damals in Biel tätig. Frank Martin kehrte mit seiner Frau von einem Besuch in der Schweiz im Auto nach Frankreich zurück. Er liebte es, als Beifahrer im Auto zu sitzen und die Landschaft zu betrachten. Da sagte er mir, dass er all meine Aufnahmen immer und immer wieder angehört habe, als er seine Kantate komponierte, die er mir gewidmet hat. Es war sein letztes Werk. Dies war der höchste Moment in meinem musikalischen Leben.

Gibt es in Ihren Konzerten Platz für Spontaneität?

Ja. Spontaneität ist etwas Zentrales für mich. Meine Konzerte sind voller Überraschungen. Keine Aufführung ist wie die andere. Es ist eine Art Improvisation. Deshalb müssen meine Musiker sehr aufmerksam sein. Es verlangt von allen höchste Konzentration.

Was kann man in der Musik – zum Beispiel als Dirigent – erlernen und was nicht?

Lernen kann man die technischen, ästhetischen und stilistischen Aspekte der Musik, sogar die Intonation.

Nicht erlernen kann man den Kontakt, die Kommunikation, den Austausch mit dem Publikum. Ebenso wenig das musikalische Temperament und das geistige Potenzial. Und das Wichtigste: die Intuition.

Man misst ihr heute zum Glück wieder mehr Bedeutung zu. Interpretieren heisst für mich, das Gefühl aufzuspüren, welches der Komponist im Augenblick des Komponierens hatte, um genau dieses Gefühl im Zuhörer zu erwecken. Eine Musik, die die Zuhörer nicht emotional berührt, sie nicht zum Träumen bringt, scheint mir nicht erstrebenswert.

Im Rahmen des Festivals finden drei Konzerte statt. Das erste am Sonntag, 14.9., um 17.00 Uhr in der Kollegiumskirche St. Michael: Theresienmesse von Haydn und Requiem von Mozart.

Zur Person

Michel Corboz wurde 1934 in Vuippens geboren. Er absolvierte das Lehrerseminar und studierte am Konservatorium Freiburg Gesang, Komposition und Direktion.

1961 gründete er das «Ensemble Vocal de Lausanne» und seit 1969 hat er die Direktion des Chors der Gulbenkian-Stiftung in Lissabon inne.

Für seine Schallplatteneinspielungen konnte Corboz zahlreiche Ehrungen und Preise entgegennehmen.

Der 69-jährige Musiker wohnt in Lausanne. hs

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