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Ein Film ist ein Film ist ein Film

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«Das Medium Film befindet sich an einer Epochenschwelle», sagt Thierry Jobin, künstlerischer Leiter des Filmfestivals Freiburg (Fiff), im Gespräch mit den FN. Mit dem Verschwinden der Filmrolle und des klassischen, analogen Kinobetriebs geht eine Ära zu Ende. Gerade noch zwei von rund 140 Filmen, die an der diesjährigen Ausgabe des Fiff laufen, werden noch von einer Filmrolle abgespielt. «Ich trauere der Filmrolle nicht nach», sagt Jobin. «Die Digitalisierung macht für uns auch vieles einfacher.» Doch sei der Wechsel von analog zu digital mehr als eine organisatorische Frage. «Der Film ist die jüngste und fragilste Kunstform», so Jobin. «Die Filmkultur wird sich durch diese Entwicklung grundlegend verändern». Für Jobin ist das Grund genug, um der siebten Kunst in diesem Jahr auf eine ganz besondere Art zu huldigen. Mit der Parallelsektion «Entschlüsselt» lässt das Fiff das Medium Film über sich selbst nachdenken: Die Sektion umfasst 15 meist dokumentarische Filme, die sich um die Entstehung, die Produktion, den Erhalt und um die Vergangenheit und Zukunft des Mediums drehen. «All diese Filme sind Liebesbriefe an das Kino», sagt Jobin.

Die Magie des Kinos

Einen nostalgischen Rückblick wagt der Film «The Dying of the Light». Der amerikanische Filmprofessor und Regisseur Peter Flynn drehte damit eine filmische Grabesrede auf eine fast ausgestorbene Berufsgattung: den Filmvorführer. «Wir sind wie die Dinosaurier: Einst waren wir gross und mächtig, und nun sterben wir einfach aus», sagt einer der Protagonisten im Dokumentarfilm. Mit feinfühligem Humor und viel Nostalgie und Melancholie porträtiert der Film die Menschen hinter den Filmprojektoren und erinnert daran, dass die Magie des Kinos einst in dunklen, kleinen Räumen mit ratternden Projektoren ihren Anfang nahm. Wo heute ein Knopfdruck ausreicht, war noch bis vor einigen Jahren viel technisches Know-how gefragt. «Die stille Arbeit der Filmvorführer zeigt exemplarisch, dass Kino nur mit dem leidenschaftlichen Einsatz von Filmbesessenen im Hintergrund möglich ist», sagt Jobin. «Das ist wie eine Metapher auf unsere Arbeit als Festivalveranstalter».

Filme überleben Krieg und Terror

Dass die Auseinandersetzung mit dem filmischen Erbe auch mehr sein kann als eine nostalgische Zeitreise, zeigt «A Flickering Truth». Der Dokumentarfilm porträtiert eines der weltweit mutigsten Teams eines Film­archivs: In Afghanistan retteten die Mitarbeiter der Filmgesellschaft Afghan Film unter Lebensgefahr 8 000 Stunden Filmmaterial vor den Wirren des Kriegs und der Terrorherrschaft der Taliban. Nun versuchen die Filmschützer, die erhaltenen Filmrollen zu restaurieren und zu digitalisieren – angesichts des desolaten Zustands des Materials ein Wettlauf gegen die Zeit. Dabei geht es um nichts weniger als um den Erhalt des kulturellen Erbes. «Die Filme eines Volkes hängen eng mit dessen Identität zusammen. Wenn die Filme verloren gehen, geht auch ein Teil der jeweiligen Kultur verloren», betont Jobin.

Die Geheimlehren des Films

Den Mysterien hinter der Entstehung von Filmkunstwerken widmet das Fiff gleich eine ganze Reihe von Filmen. Sie erlauben einen Einblick in das Leben und in die künstlerischen Geheimlehren von Filmgrössen wie Brian de Palma, Francis Ford Coppola oder Alfred Hitchcock. «Einige dieser Biografien sind selbst filmreif», so Jobin. Etwa diejenige von Toshiro Mifune – dem grössten japanischen Schauspieler aller Zeiten. Herausragend ist auch der Filmessay «76 Minutes and 15 Seconds with Abbas Kiarostami». Der Film zeigt erstmals äusserst persönliche Aufnahmen, die den öffentlichkeitsscheuen Regisseur, Fotograf, Maler und Dichter Abbas Kiarostami bei der Arbeit zeigen. Der Iraner gilt als einer der wichtigsten Filmemacher des vergangenen Jahrhunderts und als wichtigster Vertreter der iranischen Nouvelle Vague. Mit seinem Meta-Kino trieb er das Medium Film an seine Grenzen und verwischte die Übergänge zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, zwischen Fiktion und Realität. Damit reflektierte er auch immer die Rolle des Films und des Filmemachers in der Gesellschaft: Kaum jemand hätte besser zum Thema dieser Sektion gepasst. Zum Gedenken an den im letzten Jahr verstorbenen Künstler zeigt das Fiff im Anschluss an das Porträt auch den letzten Kurzfilm Kiarostamis.

Tod und Wiedergeburt

Die Beschäftigung mit dem Medium Film ist nicht nur in der Sektion «Entschlüsselt» das Hauptthema, sie zieht sich durch das ganze Programm des diesjährigen Fiff. «Die filmische Selbstreflexion ist der rote Faden des Festivals», sagt Thierry Jobin. So sind mit dem senegalesischen Kurzfilm «Samedi Cinéma» und dem indischen Spielfilm «The Cinema Travellers» auch zwei Filme zum Thema im Wettbewerb für den besten Kurz- und Langfilm vertreten. Zudem ist mit Freddy Buache einer der wichtigsten Schweizer Cineasten in Freiburg zu Gast. Der 92-Jährige war fast ein halbes Jahrhundert lang Direktor des von ihm gegründeten Schweizer Film­archivs in Lausanne. Am Fiff zeigt er eine Auswahl seiner Lieblingsfilme und spricht im Rahmen einer Masterclass mit Interessierten über den Umgang mit dem Filmerbe. In der Programmsektion «Neues Territorium» gilt es ein bisher unbekanntes Filmland zu entdecken: In Nepal entstand in den letzten Jahren fast explosionsartig eine neue Filmindus­trie. Das neue nepalesische Kino konnte nicht zuletzt auch wegen des Wandels hin zur digitalen Filmtechnik entstehen. So hat der Untergang der mit der Filmrolle verbundenen Kinokultur denn auch etwas Gutes: «Das Kino stirbt heute», sagt Thierry Jobin. «Doch wird es gleichzeitig vielerorts neu geboren».

Das 31. Internationale Filmfestival Freiburg dauert bis zum 8. April. Ganzes Programm: www.fiff.ch

Programm

Die Filme der Sektion «Entschlüsselt»

«76 Minutes and 15 Seconds with Abbas Kiarostami»: Fr., 7.4., 18.45 Uhr; Sa., 8.4., 12.45 Uhr, Arena 6.

«78/52»: Mi., 5.4., 20 Uhr, Arena 5; Sa., 8.4., 12.45 Uhr, Rex 1.

«Apocalypse Child»: Mo., 3.4., 21.15 Uhr; Mi., 5.4., 15.30 Uhr, Arena 6.

«De Palma»: So., 2.4., 12.30 Uhr; Do., 6.4., 18 Uhr, Arena 6.

«The Dying oft the Light»: Mo., 3.4., 18.30 Uhr; Do., 6.4., 13 Uhr, Arena 6.

«A Flickering Thruth»: Sa., 1.4., 12.45 Uhr, Arena 6; Fr., 7.4., 16.45 Uhr, Arena 1.

«Gentleman Rissient»: Sa., 1.4., 18.15 Uhr; Di., 4.4., 17 Uhr, Arena 6.

«The Graduation»: Sa., 1.4., 15.15 Uhr und Fr., 7.4., 21.15 Uhr, Arena 6.

«Hearts of Darkness: A Filmmaker’s Apocalypse»: So., 2.4., 20.15 Uhr, Arena 7; Mo., 3.4., 12.45, Arena 6.

«Mifune: The Last Samurai»: So., 2.4., 15 Uhr, Arena 6; Sa., 8.4., 16:45 Uhr, Rex 1.

«Seduced and Abandoned»: Do., 6.4., 16.45 Uhr; Sa., 8.4., 18.15 Uhr, Arena 7.

«Voyage à travers le cinéma français»: Sa., 1.4., 20.45 Uhr; Sa., 8.4., 20:30 Uhr, Arena 6.

«All diese Filme sind Liebesbriefe an das Kino.»

Thierry Jobin

Künstlerischer Leiter Filmfestival Freiburg

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