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Ein geflohener Häftling und ein Toter sollen den Mord begangen haben

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Wer hat im Mai 2013 in Frasses einen Familienvater mit 15 Schüssen getötet? Dieser Frage ging gestern das Freiburger Kantonsgericht nach. Zwei Männer aus dem Balkan waren wegen dieses Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Allerdings stritten sie jede Beteiligung ab und legten Berufung gegen das Urteil des ­Bezirksgerichts Glane ein.

Gestern erschien nur einer der zwei Beschuldigten am Kantonsgericht: Begleitet von Polizisten betrat der 35-jährige Mann mazedonischer Abstammung den Saal. Der zweite Beschuldigte, ein 36 Jahre alter Mann aus dem Kosovo, war Anfang September des letzten Jahres aus dem Freiburger Zentralgefängnis ausgebrochen und ist seither auf der Flucht (die FN berichteten).

Geständnis nach TV-Bericht

Der 35-Jährige bestritt vor den Richtern, dass er den Mann in Frasses erschossen hat (siehe Kasten): «Einen Familienvater hätte ich nicht töten können. Ich habe selbst eine Tochter.» Zudem habe er das Mordopfer nicht gekannt.

Der flüchtige Kosovare und ein Mitglied des Familienclans, der Teil der tödlichen Fehde ist, hätten die Tat ausgeführt, gab er an. Die beiden Männer seien in der Mordnacht überraschend bei ihm zu Hause aufgetaucht. «Sie sahen bei mir im Fernsehen einen Bericht über die Tat und sagten: Wir sind das», erzählte der Beschuldigte. Der Mann des Clans habe explizit gesagt, dass er in Frasses geschossen habe. Eine Befragung dieses Mannes ist nicht mehr möglich: Er wurde fünf Monate nach dem Mord von Frasses ebenfalls Opfer der Fehde.

Das hatte der Mazedonier bereits den Ermittlern gesagt – jedoch erst einen Monat nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft. «Warum haben Sie diese Aussage nicht im Prozess am Bezirksgericht gemacht?», fragte Gerichtspräsident Michel Favre. Zum einen habe er sich vor Vergeltungsmassnahmen gefürchtet, wenn er darüber sprechen würde, antwortete der Angeklagte. Zum anderen sei er überzeugt gewesen, dass ihn das Gericht freisprechen werde, weil er unschuldig sei.

Tatwaffe beschafft

Vor den Ermittlern und auch gestern gab der Beschuldigte an, den Kontakt zwischen dem flüchtigen Kosovaren und einem Waffenverkäufer hergestellt zu haben. Er erinnere sich jedoch nicht mehr, welche Waffen der mutmassliche Täter erwerben wollte und wo genau das Treffen mit dem Verkäufer stattgefunden habe. Auf Nachfrage des Richters antwortete der Angeklagte, es sei «in der Stadt Bern» und «bei Bern» gewesen. Dass seine DNA im Schalldämpfer der Tatwaffe gefunden wurde, sei die Folge eines Qualitätstests: «Ich habe in den Schalldämpfer gepustet, um zu prüfen, ob die Luft frei zirkuliert.»

Fehlende Ermittlungen beklagt

Das Gericht befasste sich den ganzen Vormittag mit zwei Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Erst am Nachmittag konnte sich der Beschuldigte zu den Vorwürfen äussern. Generalstaatsanwalt Fabien Gasser verlangte, dass die Berufung des flüchtigen Kosovaren für hinfällig erklärt werde. «Wir wissen nicht, wo er sich aufhält, und konnten ihn nicht vorladen. Zudem wird er vom anwesenden Beschuldigten belastet», sagte Gasser.

«Dass ich heute hier bin, beweist, dass die Vorladung funktioniert hat», antwortete André Clerc, Verteidiger des Flüchtigen. Sein Mandant habe sich im Rahmen des bisherigen Verfahrens bereits ausführlich äussern können.

Yaël Hayat, Verteidigerin des anwesenden Angeklagten, beklagte sich über unzureichende Ermittlungen von Polizei und Justiz. Die Rolle des Clanmitglieds, den ihr Mandant als Täter nennt, müsse näher beleuchtet werden. Für sie scheine es kein Zufall zu sein, dass dieser mutmassliche Täter nur wenige Monate nach dem Mord von Frasses im Rahmen der Fehde ebenfalls getötet wurde. Der Generalstaatsanwalt entgegnete, dass es hierzu Ermittlungen gegeben habe. Das Gericht lehnte nach langer Beratung beide Anträge ab.

Die Plädoyers des Generalstaatsanwalts und der Anwälte der beiden Angeklagten sowie der Opferfamilie sind für Montag angesetzt.

Chronologie

Vor fünf Jahren geschah der Mord

Der Mord in Frasses ereignete sich am 11. Mai 2013 kurz vor Mitternacht. Als ein Familienvater in Begleitung seiner Verlobten und seiner vier Kinder nach Hause zurückkehrte, eröffneten zwei Personen das Feuer. 15 Projektile trafen den Italiener mit kosovarischen Wurzeln. Er starb am Tatort; seine Familie blieb unverletzt. Ein heute 36-Jähriger aus dem Kosovo und ein 35-jähriger mazedonischer Abstammung mussten sich im Januar 2016 vor dem Bezirksgericht Glane verantworten. Sie verlangten einen Freispruch. Die Richter folgten der Staatsanwaltschaft und verurteilten sie zu lebenslänglicher Haft wegen Mord.

jmw

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