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Ein Heimspiel für den Innenminister

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Einen Bundesrat als Festredner einzuladen – wer dies tut, hat in der Regel ein grosses Fest zu feiern. Genau dies war am Montag bei der Handels- und Industriekammer Freiburg (HIKF) der Fall – feierte sie doch ein Jahrhundert ihres Bestehens im Beisein von SP-Bundesrat Alain Berset im Freiburger Forum.

AHV-Abstimmung im Fokus

«Es ist selten für einen Bundesrat, eine Rede quasi zu Hause zu halten», begrüsste Berset die HIKF-Mitglieder und fügte schmunzelnd an: «Ausser, man kommt aus dem Kanton Bern.» Im selben humorvollen Ton ging es dann auch gleich weiter: Er habe nun seit einigen Jahren ja auch den gleichen Haarschnitt wie der HIFK-Präsident René Jenny, witzelte der Bundesrat. Er meinte nämlich seine Glatze.

Klar, dass Berset die Gelegenheit nutzte, um auch in staatsmännischer Manier auf die kommende AHV-Abstimmung vom 24. September einzugehen. «Ich kenne niemanden, der mit allen Punkten dieser AHV-Reform zu 100 Prozent zufrieden ist», sagte er. Aber man habe nun einen Kompromiss vor sich, den es zu akzeptieren gelte, wenn man den «Zug» in die Zukunft «nicht verpassen» wolle. Denn nach zwei Jahrzehnten des Stillstands in Sachen AHV habe die Schweiz derzeit ein echtes Problem bei der Altersvorsorge. Und die demografische Schere und die steigende Lebenserwartung seien Tatsachen, mit denen es zu leben gelte. Diese AHV-Reform sei für den Bundesrat neben der Unternehmenssteuerreform III und dem Energiegesetz das dritte wichtige Reformwerk dieses Jahres.

Zwei neue Verwaltungsräte

Wenig zu diskutieren gab der statutarische Teil des Abends, der von René Jenny in rekordverdächtigen 12 Minuten 50 Sekunden abgehandelt wurde – Alain Berset hatte die Zeit gestoppt. Diskussionslos und einstimmig genehmigten die Anwesenden die Jahresrechnung 2016 sowie den Geschäftsbericht 2016 und 2017. Die Jahresrechnung 2016 schliesst bei einem Aufwand von rund 3,1 Millionen Franken mit einem leichten Plus von rund 20 000 Franken ab. Neu in den HIKF-Verwaltungsrat wurden Daniel Eltschinger und Alex Geissbühler gewählt.

Neben Berset waren an diesem Abend Staatsratspräsident Maurice Ropraz (FDP) sowie Alisée de Tonnac, CEO von Seedstars World, geladen. Der Erstere überbrachte das Grusswort der Freiburger Kantonsregierung, Letztere sprach über die «rasende Innovation der Schwellenländer» und die Frage, wie die Schweiz darauf reagieren solle. Mit viel Elan berichtete sie aus Ländern wie Nigeria und Kenia, wo selbst Analphabeten das Handy zur Barzahlung einsetzen würden – oder von Ruanda, wo es regelrechte Drohnen-Flugplätze gebe.

Für die nötige Prise Humor war indes die junge Genferin Marina Rollman mit einer Stand-Up-Comedy-Einlage zuständig, die alles an diesem Abend Gesagte in höchst witziger und ironischer Weise parodierte. So hatte sie manchen Lacher auf ihrer Seite.

Ein wahres «Who’s who»

Die Gästeliste las sich wie ein Freiburger «Who’s who». So gaben sich die Nationalräte Jacques Bourgeois (FDP), Dominique De Buman (CVP) und Christiane Bulliard-Marbach (CVP) ebenso ein Stelldichein wie die Staatsräte Jean-Pierre Siggen (CVP), Georges Godel (CVP), Olivier Curty (CVP), Jean-François Steiert (SP) und Anne-Claude Demierre (SP), der Freiburger Stadtammann Thierry Steiert (SP), der Oberamtmann des Saanebezirks Carl-Alex Ridoré (SP), Grossratspräsident Bruno Boschung (CVP), Reto Julmy, Direktor des Freiburger Arbeitgeberverbands, Raoul Philipona, Verwaltungsratspräsident der Schumacher AG, Edgar Jeitziner, Präsident der FKB-Generaldirektion, Thomas Zwald, Generalsekretär der Cremo SA sowie diverse weitere Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.

 

«Die Verbindung zur Politik sicherstellen»

 

Was wäre die Freiburger Wirtschaft ohne die Handels- und Industriekammer?

Wie die Situation wäre, wenn es uns nicht gäbe, kann ich nicht sagen. Aber unser ganzes Dienstleistungsspektrum macht uns schon zu einer wesentlichen Komponente der Freiburger Wirtschaft. Vor allem stellen wir die Verbindung zur Politik sicher.

Wie ist denn Ihr Verhältnis zur Freiburger Politik?

Sehr gut – auch wenn ich oder meine Vorgänger bei gewissen Anliegen manchmal etwas harsch reagierten. Aber das gehört dazu. Sicher ist historisch gesehen die bürgerliche Seite im HIKF etwas stärker vertreten. Mir ist aber sehr wichtig, bei Events stets alle Parteien am Tisch zu haben. In Wahlkämpfen sind wir allerdings sicher klar bürgerlich orientiert. Was ich sehr schätze, ist die Nähe zur Kantonsregierung.

Müssten Sie als Präsident nicht im Grossen Rat sitzen?

Nein, ich bin sogar froh, dass dies nicht der Fall ist. Ich pflege zwar einen sehr engen Kontakt zum Kantonsparlament, bin aber der Meinung, dass ein HIKF-Präsident indirekt zu agieren hat. Mit Leuten wie Grossrat Jean-Daniel Wicht oder Nationalrat Jacques Bourgeois sind wir zudem schon genug in politischen Gremien vertreten.

Was unterscheidet die HIKF von analogen Institutionen in anderen Kantonen?

Da gibt es keine grossen Unterschiede. Eher bestehen Unterschiede zu ausländischen Handelskammern. Die sind in der Regel staatlich. Wir hingegen sind privat und können entsprechend unabhängig agieren – auch finanziell. Wir arbeiten übrigens vor allem mit den Westschweizer Handelskammern zusammen. Zwischen diesen gibt es keine Konkurrenz.

Bei Ihnen dominieren Mitglieder aus dem französischsprachigen Kantonsteil.

Es gibt tatsächlich einen Unterschied der Kultur zwischen den beiden Sprachregionen – auch wenn sich dieser nicht unbedingt in einer unterschiedlichen Unternehmenskultur auswirkt. Es gibt auch in beiden Sprachregionen etwa gleich viele Start-ups. Aber der Seebezirk ist nun einmal mehr in Richtung Bern ausgerichtet, und da wird sich über kurz oder lang auch wenig daran ändern. Und im Sensebezirk dominiert der Gewerbeverband Sense. Seit meinem Amtsantritt 2011 bin ich freilich sehr bemüht, diese beiden Bezirke besser einzubinden. Jedes Jahr führen wir mehrere Anlässe dort durch.

jcg

 

Thema

Ein Herz für den Nachwuchs

Um die zahlreichen Jung­unternehmer im Kanton zu stärken, rief die HIKF gestern ein neues Nachwuchsgremium ins Leben. Dessen Aufgabe ist es, dem Verwaltungsrat eigene Überlegungen und Zukunftsvisionen zu klar abgesteckten Themen zu unterbreiten sowie politische Aktionen und Anlässe vorzuschlagen. Die obere Altersgrenze für eine Teilnahme in dem Gremium liegt bei 40 Jahren – beziehungsweise 37 Jahren beim Eintritt –, die Anzahl der Mitglieder ist auf 20 Personen beschränkt.

jcg

 

 

Aus der Asche des Ersten Weltkriegs geboren

 

«Im Jahr 1917 wusste noch niemand, dass der Erste Weltkrieg nur noch ein Jahr dauern würde», sagt der Historiker Michel Charrière. Für eine Spezialausgabe des Freiburger Wirtschaftsmagazins «Echo» hat er seit dem vergangenen Oktober die 100-jährige Geschichte der Handels- und Industriekammer Freiburg (HIKF) untersucht. Gestern wurde diese aufwendige historische Arbeit, an der sich auch das Greyerzer Museum Bulle beteiligte, anlässlich einer Pressekonferenz zum HIKF-Jubiläum den Medien präsentiert.

Festhalten an Landwirtschaft

Trotz der schwierigen Kriegsjahre beschloss die Freiburger Gesellschaft für Handel und Industrie vor genau einem Jahrhundert, sich mit den wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft auseinanderzusetzen und eine ständige Einrichtung zu schaffen. Dies erfolgte im Sommer 1917 mit der Gründung der HIKF, welche die Gesellschaft nun als Sekretariat unterstützt. Die Kammer, die Handel und Industrie in einem überwiegend landwirtschaftlich geprägten Kanton fördern soll, ist von Anfang an liberal ausgerichtet. Diese Einstellung behält sie auch im Verlauf ihrer Geschichte bei.

Fünf Jahre später, 1922, merkte man, dass sich der Wirtschaftsbetrieb nach Kriegsende nicht einfach wieder normalisieren würde. Nach einigen Monaten erfasste eine Umstellungskrise die Unternehmen. Einige verschwanden ganz, in anderen kam es zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Massenentlassungen. Die Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe. «Diese Situation bestärkte die Behörden in ihrer Haltung, weiterhin auf eine landwirtschaftliche Ausrichtung des Kantons zu setzen», so Charrière. «Diese sollte Freiburg vor konjunkturellen und sozialen Misslichkeiten schützen.»

Die HIKF sei indes ihrem liberalen Credo treu geblieben und habe es bedauert, dass Steuerlast, Transportkosten und Preise angesichts der sich schliessenden ausländischen Märkte so hoch gewesen seien. In diesem Jahr habe die Kammer auch ein Sekretariat in Freiburg eröffnet.

Aufstieg und Fall der Industrie

1937, beim 20-Jahr-Jubiläum, zeichnete sich in der Nachbarschaft Nazi-Deutschlands bereits ein weiterer Weltkrieg am Horizont ab. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 traf Freiburg zwar langsamer als andernorts, dafür aber anhaltender. Dies hat die Behörden laut Charrière einmal mehr in ihrer Ansicht bestärkt, die landwirtschaftliche Ausrichtung des Kantons beizubehalten.

Die Wende sei erst in der Mitte der 1950er-Jahren gekommen, im Zuge des sogenannten «Wirtschaftswunders». Nun sei man zur Erkenntnis gelangt, dass sich der Kanton unbedingt der Industrie öffnen müsse. Diese sei denn auch positiv aufgenommen worden. Im sekundären, industriellen Sektor seien nun 35 Prozent der Arbeitnehmer beschäftigt gewesen. «Die Nahrungsmittelindustrie, der Bausektor und die Metallindustrie sind die dynamischsten Branchen der Freiburg Wirtschaft in jener Zeit», betonte Charrière.

Spätestens ab Mitte der 60er-Jahre habe die Bevölkerung nicht mehr emigrieren müssen, um Arbeit zu finden. Vielmehr habe die wirtschaftliche Entwicklung dazu geführt, dass Freiburg immer stärker auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen musste. Der Kanton wurde zum Industriestandort, der auch neue Branchen wie die Chemieindustrie beherbergte «Es kam zum Ende der konservativen Mehrheit im kantonalen Parlament und zur internationalen Öffnung mit dem Bau der A 12», so Charrière.

Seit Mitte der 1990er-Jahre befinde sich Freiburg nun wiederum an einem Scheideweg. So verschwindet auf einmal die Industrie wieder – am spürbarsten sei dies bei den alten Brauereien Cardinal, Beauregard, Winckler, Boxal oder Vuille. Gleichzeitig beginnt die neue, digitale Revolution. «Der gesamte sekundäre Sektor ist auf der Suche nach neuen Märkten, hängt jedoch immer noch von Entscheidungszentren ausserhalb des Kantons Freiburg ab», sagte der Historiker. «Das ist eine Strukturschwäche der Freiburger Wirtschaft, die sich Jahr für Jahr bestätigt.»

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