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Ein heimtückischer kleiner Feind

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Der Wald zwischen Belfaux und Grolley sieht auf den ersten Blick kerngesund aus. Prächtige Bäume recken ihre Stämme gen Himmel, darunter dichtes Unterholz, Brombeeren, Efeu. Vögel zwitschern. Ein vermeintlich unberührtes grünes Paradies unweit der Kantonshauptstadt.

Doch ein Spaziergang mit Valentin Queloz von der Fachstelle für Waldschutzfragen und Jacques Doutaz vom 3. kantonalen Forstkreis belehrte gestern ein halbes Dutzend Förster und Forstingenieure aus dem deutschsprachigen Kantonsteil eines Besseren. Denn die Esche, immerhin die zweitwichtigste Laubbaumart der Schweiz, hat einen Feind. Einen kleinen, heimtückischen Feind: das von Auge kaum wahrnehmbare Falsche Weisse Stängelbecherchen – ein weisser Pilz, dessen Fruchtkörper kaum sieben Millimeter gross werden.

Seine Nebenfruchtform – die asexuelle Entwicklungsform des Pilzes – löst das Eschentriebsterben aus, das befallenen Bäumen früher oder später den Tod bringt. Man erkennt die befallenen Bäume unter anderem an auffälligen Welkerscheinungen, Rindenverfärbungen, Blattflecken und Holzverfärbungen.

Von Asien nach Polen

Ursprünglich stammt dieser Pilz aus dem asiatischen Raum. 1992 wurde er in Europa erstmals nachgewiesen, in Polen – wobei die Forscher laut Valentin Queloz zunächst einmal rätselten, was der Grund für diese seltsamen Symptome sein könnte. «Zunächst ging man von Frostschäden aus, dann von Insektenbefall», so Queloz.

Als man schliesslich herausgefunden habe, dass ein Pilz dahinterstecken müsse, habe man noch die richtige Pilzart unter gegen 100 Arten finden müssen. 2008 seien die ersten Fälle in der Schweiz aufgetaucht, und schliesslich habe sich das Eschentriebsterben von der Nordwestschweiz aus über das ganze Land bis ins Südtessin ausgebreitet.

Auch dem Freiburger Amt für Wald, Wild und Fischerei bereitet die Baumkrankheit seit einigen Jahren Kopfzerbrechen. Daher sensibilisierte es seine Förster und Forstingenieure dieser Tage in drei Weiterbildungstagen im Forstwerkhof La Sonnaz in Belfaux auf das Thema. Nach zwei Kursen mit je etwa 20 französischsprachigen Förstern und Forstingenieuren waren gestern ihre deutschsprachigen Kollegen dran. Den Mittelpunkt dieser Tage bildeten neben fachlichen Referaten von Valentin Queloz und Jacques Doutaz zwei Beobachtungsspaziergänge im Belfaux-Wald sowie im Verdilloud-Wald.

Nur wenig gesunde Bäume

Im Unterschied zum Buchenpilz ist es beim Eschentriebsterben laut Queloz nicht eine Infektion, die zum Absterben des Baums führt. Vielmehr seien Millionen von Infektionen über Jahre hinweg für die tödliche Wirkung verantwortlich. Einerseits seien in Polen nach 25 Jahren rund 23 Prozent der Eschen abgestorben. Andererseits würden nur 4,7 Prozent der Bäume gar keine Symptome aufweisen.

In der Eidgenossenschaft sehe es ähnlich aus. So seien von über 500 untersuchten Bäumen im Kanton Jura nur fünf ganz gesund gewesen. Aus dem Kanton Freiburg seien im Jahr 2016 nicht weniger als 113 gesunde Eschen gemeldet worden – mehr als aus jedem anderen Kanton.

Es sei auch noch nicht definitiv geklärt, welche Bäume gegen den Pilz resistent seien. Man vermute, dass dies genetisch bedingt sei. Grundsätzlich sei aber nur die Gemeine Esche vom Eschentriebsterben betroffen. Die im Tessin und in Südeuropa heimische Blumen- oder Manna-Esche sei resistent gegen die Krankheit.

Ausbreitung nicht aufhaltbar

Forstingenieur Jacques Doutaz erwähnte in seinen Ausführungen vor allem konkrete Handlungsempfehlungen für das Forstpersonal. Da es bislang aber keine praxistauglichen Verfahren für die direkte Bekämpfung des Eschentriebsterbens gibt, lässt sich die weitere Ausbreitung der Krankheit nicht verhindern. Auch die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln wäre im Wald weder sinnvoll noch erlaubt. «Daher ist es umso wichtiger, dass Eschen, die keine oder nur geringe Symptome aufweisen, stehen gelassen und gefördert werden», so Doutaz. Sie seien möglicherweise weniger anfällig oder gar resistent und könnten diese Eigenschaft auch an ihre Nachkommen übertragen. Dies gelte allerdings nicht, wenn der befallene Baum ein Sicherheitsrisiko darstelle, weil er etwa unmittelbar neben einer Strasse stehe. Solche Bäume seien rechtzeitig zu entfernen.

Generell ist die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Eschen laut Doutaz im Juli vorzunehmen, weil dann die Blattbildung abgeschlossen ist und der vorzeitige Blattfall noch nicht begonnen hat. Dabei sei der Baum unbedingt in seiner Gesamtheit zu beurteilen. Denn es gebe viele befallene Eschen, die zwar keinen Kronenverlust aufweisen würden, wohl aber einen absterbenden Stammfuss. Auf Neuanpflanzungen mit Eschen sollte indes auf jeden Fall verzichtet ­werden.

Biologisches

Wälder stärker betroffen als Städte

Das Falsche Weisse Stängelbecherchen pflanzt sich in einem zwei Generationen umfassenden Zyklus fort. Dabei folgen stetig sexuelle und asexuelle Generationen aufeinander. Die asexuelle Form lebt parasitär in den Geweben der Blätter, in Trieben und in den verholzten Teilen von Eschen. Sie ist hauptverantwortlich für die Krankheit Eschentriebsterben, die auch Eschenwelke genannt wird. Bei den anfälligen Arten sind nicht nur Jungbäume, sondern Eschen jeden Alters betroffen. Junge befallene Bäume sterben allerdings viel rascher ab als ältere. Oft wird das Absterben auch dadurch beschleunigt, dass sich sekundäre Schadorganismen wie der Hallimasch-Pilz oder der Bunte Eschenbastkäfer in vom Eschentriebsterben befallenen Bäumen leichter einnisten können. Besonders Eschen an feuchten Standorten sind einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, denn Feuchtigkeit fördert die Sporenbildung. Die Forscher schätzen, dass etwa ein bis fünf Prozent der Eschen dank ihrer genetischen Ausstattung weniger anfällig oder gar resistent gegenüber der Krankheit sind. Aber auch der Standort des Baums kann den Verlauf des Eschentriebsterbens beeinflussen. Die Krankheit scheint in Städten und in der Kulturlandschaft weniger gravierend zu verlaufen als in Wäldern.

jcg

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