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«Ein Kind kittet keine Beziehung»

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«Ein Kind kittet keine Beziehung»

«Wenn das Paar zur Familie wird»: eine Langzeitstudie an der Universität Freiburg

Ein halbes Jahr lang hat Muna El-Giamal an der Universität Freiburg Paare untersucht, welche ihr erstes Kind erwarteten. Die Resultate der Studie sind vor kurzem als Buch erschienen. Die FN haben sich mit der Psychologin unterhalten.

Frau El-Giamal, Sie leiten die Zusammenfassung Ihres Buches mit dem Zitat eines Vaters ein: «Eltern werden ist ein unvorstellbarer Irrsinn, nüchtern betrachtet; erstaunlich, dass sich so viele Leute darauf einlassen.» Weshalb lassen sich so viele Leute darauf ein?

Mit dem Gedanken an Kinder verbinden viele die Hoffnung auf Glück und Freude im Alltag, das Streben nach Selbstverwirklichung oder auch die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung. Eine Familie zu gründen gehört zu den Wünschen vieler Menschen. Aber gerade nach der Geburt eines Kindes liegen Glücksgefühle und Gefühle des Überfordertseins nahe beieinander – und dieses Spannungsfeld kommt im Zitat des Studienteilnehmers sehr gut zum Ausdruck.

Eine persönliche Frage: Sind Sie selber Mutter?

Bisher noch nicht, aber ich freue mich auf diese Herausforderung. Die Ergebnisse meiner Untersuchung sind so vielfältig, dass ich mich auf keinen Fall abgeschreckt fühle. Mein Mann war beim Korrekturlesen meiner Arbeit zwar etwas erschrocken über die Tatsache, dass es bei vielen Eltern zu einer Verschlechterung der Paarbeziehung kommt, ich habe ihn dann allerdings beruhigen können – denn jeder/jede kann hier einiges dazu beitragen, dass eine Beziehung durch ein Kind eher bereichert als belastet wird.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Eltern zu erforschen?

Am Lehrstuhl für Klinische Psychologie der Universität Freiburg, unter der Leitung von Professor Meinrad Perrez, liegt ein Forschungsschwerpunkt in der Frage «Wie entstehen Belastungen im Alltag, und wie gehen Menschen mit Belastungen um?» Belastungen erleben wir natürlich jeden Tag. Allerdings gibt es bestimmte Lebensereignisse, die mit grossen Veränderungen verbunden sind und bei denen in der Folge das Belastungsniveau erhöht sein kann.

Um was für Ereignisse handelt es sich dabei?

Von diesen Ereignissen gibt es im Lebenslauf eine Menge – Eingehen einer Partnerschaft, Scheidung, Übergang in den Ruhestand, oder auch nicht zu erwartende Ereignisse wie Unfälle, plötzliche Arbeitslosigkeit oder Krankheit.

Die Ankunft eines neuen Familienmitglieds ist mit vielen Veränderungen und daher auch Belastungen verbunden – daher eignete sich dieses Übergangsereignis gut für meine Forschungszwecke. Und da es sich in der Studie um Paare handelte, die sich ihre Kinder wünschten, war es zudem auch noch ein sehr erfreuliches Forschungsfeld für mich.

Auf welche Art haben Sie die Untersuchung durchgeführt?

Die Eltern haben sich auf Zeitungsaufrufe und Aushänge in Arztpraxen und Geburtsvorbereitungskursen bei mir gemeldet. Etwa acht Wochen vor der Geburt begann die Erhebung. Es gab zwei Untersuchungsgruppen, die ihren Alltag mit Hilfe eines strukturierten Protokollheftes beobachteten; eine dieser Gruppen erhielt zusätzlich noch als Vorbereitung auf die neue Rolle sogenannte Elternbriefe, in denen verschiedene für junge Eltern interessante Themen behandelt wurden. Eine weitere Gruppe füllte lediglich Fragebogen aus. Bei allen Teilnehmern wurde zudem die Partnerschaftszufriedenheit erfasst.

Wie lange hat die Untersuchung gedauert?

Insgesamt lief die Untersuchung über ein halbes Jahr. Acht Wochen vor der Geburt protokollierten die werdenden Eltern vier Tage ihres Alltags, dasselbe erfolgte vier Wochen und vier Monate nach der Geburt des Kindes. Auf diese Weise konnten Fragen zur Veränderung des Alltags, des Belastungsniveaus und der Partnerschaftszufriedenheit untersucht werden.

Weshalb haben Sie diese Methode angewandt?

Die meisten Studien mit werdenden und jungen Eltern verwenden Fragebogen oder Interviewmethoden, bei denen im Nachhinein bestimmte Informationen erfragt werden. Diese Methoden haben bereits sehr wertvolle Erkenntnisse erbracht. Allerdings wissen wir aus vielen Forschungsbefunden, dass das menschliche Gedächtnis recht leicht zu Verzerrungen neigt und selbst sehr bedeutsame Ereignisse nicht mehr korrekt rekonstruiert werden können – retrospektive Erhebungsmethoden sind also oft mit einem Informationsverlust verbunden. Daher hatte ich mich entschlossen, die sogenannte Zeitstichprobenmethode zu verwenden, die zum Ziel hat, menschliche Aktivitäten und menschliches Erleben möglichst unmittelbar im Alltag zu erfassen.

Wenn jemand von Ihnen verlangen würde, während der Schwangerschaft Protokolle auszufüllen, was würden Sie davon halten?

Als Forscherin weiss ich, wie schwierig es ist, motivierte Studienteilnehmer zu finden. Daher wäre ich natürlich durchaus bereit, Protokolle in meinem Alltag zu führen. Ich weiss, dass es für die Eltern nicht immer einfach war, die Studienbedingungen zu erfüllen. Allerdings war die Teilnahme ja freiwillig, und wenn die Belastung zu gross wurde, konnten die Paare die Teilnahme jederzeit abbrechen. Zum Glück geschah dies nur in wenigen Fällen. Die Akzeptanz der Methode war sehr hoch.

Wie entwickelt sich die Partnerschaftszufriedenheit, wenn ein Kind geboren wird?

Wie wir aus vielen Forschungsbefunden wissen, sinkt die Partnerschaftszufriedenheit nach der Geburt des ersten Kindes im Durchschnitt statistisch bedeutsam ab. Dies hat viele Gründe. Oft entwickelt sich die familiäre und partnerschaftliche Situation nicht so, wie die Partner das erwartet hatten. Häufig nehmen sich Paare vor, die Aufgaben nach der Geburt des Kindes sehr partnerschaftlich aufzuteilen. Fast immer jedoch müssen die Paare feststellen – und das wird auch in der vorliegenden Studie deutlich – dass die Rollenaufteilung traditioneller wird. Die entstehende Enttäuschung, das Erleben von Ungerechtigkeit und Unausgewogenheit im Alltag können zu gegenseitigen Vorwürfen führen. Dies kann langfristig zu einer schlechteren Beziehungsqualität führen.

Ist diese Folge unausweichlich?

Nein! Ein wichtiges Ergebnis meiner und auch anderer Studien ist, dass es bestimmte Paare gibt, deren Beziehung unter dem ersten Kind leidet – andere wiederum berichten über eine stabile oder sogar steigende Zufriedenheit. Hier scheint das Ausgangsniveau der Partnerschaftszufriedenheit von besonderer Bedeutung zu sein. Generell gilt: «Ein Kind kittet keine Beziehung.» Paare mit einer vergleichsweise niedrigen Zufriedenheit in der Beziehung vor der Geburt berichten im Verlauf über die grössten Schwierigkeiten.

Wie belastend wird die Schwangerschaft eigentlich subjektiv eingeschätzt?

Fragt man die Eltern: «Wie belastend war die Zeit der Schwangerschaft oder die Zeit nach der Geburt?», wird das Belastungsniveau von den Eltern nach den allgemeinen Fragebogendaten höher eingeschätzt als in der Zeit der Schwangerschaft. Insofern werden Befunde anderer Fragebogenstudien gestützt, in denen die Eltern die erste Zeit mit dem Kind als sehr belastend erleben. Vergleicht man diese Ergebnisse allerdings mit den «Alltagsdaten» aus den Protokollheften, so zeigt sich eine eher gleich bleibende

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