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Ein Kunst-Krimi um ein Vesperbild

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Eine wertvolle, rätselhafte Skulptur aus dem 14. Jahrhundert, ein Professor und angeblicher Nazi-Kollaborateur mit vielschichtigen Interessen, zwielichtige Kunsthändler, Betrugsvorwürfe und viele Gerüchte: Die Pietà aus Rechthalten, die sich seit 1955 in der Sammlung Erich Bührle in Zürich befindet und die derzeit im Museum für Kunst und Geschichte Freiburg zu sehen ist, hat alles, was eine gute Geschichte braucht. «Es ist ein wahrer Krimi», sagt der Kunsthistoriker Stephan Gasser. Er ist Konservator am Museum für Kunst und Geschichte und hat die Skulptur in den letzten Jahren zusammen mit dem Restaurator Alain Fretz eingehend untersucht.

«Die Figur ist von nationaler Bedeutung und kunsthistorisch und historisch interessant», so Gasser. Dazu gehören die unklare Entstehungsgeschichte, der unbekannte ursprüngliche Standort oder stilistische Eigenheiten, die sich bei keiner anderen Skulptur jener Zeit finden. Vor allem aber interessierte Gasser sich für die Zeit zwischen 1930, als der Kunstgeschichtsprofessor Heribert Reiners die Pietà in Rechthalten kaufte, und 1955, als ein deutscher Kunsthändler sie an den Zürcher Industriellen und Kunstsammler Emil G. Bührle verkaufte: «Es kursieren viele Thesen und Behauptungen über jene Jahre. Das wollte ich aufarbeiten und herausfinden, was den Tatsachen entspricht.»

Der Kunsthändler machte das Geschäft

Klar ist, dass der Verkauf der 164 Zentimeter hohen Skulptur, die sich bis 1930 in einem Bethäuschen im Weiler Tächmatt bei Rechthalten befunden hatte, an den umstrittenen Waffenfabrikanten Emil Bührle in Freiburg und besonders in Rechthalten für Unmut sorgte. Immerhin wusste man, dass der deutsche Professor Heribert Reiners für die Darstellung der Muttergottes mit dem vom Kreuz genommenen Christus gerade einmal hundert Franken bezahlt hatte und dass Bührle fünfundzwanzig Jahre später 150 000 Franken dafür hinblätterte. «Ich verstehe, dass die Rechthaltner sauer sind, weil die Skulptur nicht mehr da ist», so Stephan Gasser. Dass Reiners nach dem Zweiten Weltkrieg wegen angeblicher Kollaboration mit den deutschen Nationalsozialisten als Professor der Universität Freiburg abberufen und aus der Schweiz ausgewiesen wurde, trug nicht gerade zur Beruhigung der Gemüter bei – auch wenn der Deutsche 1957 vom Bundesrat rehabilitiert wurde. Was zwischen 1930 und 1955 wirklich passiert ist, hat Gasser jetzt anhand von Dokumenten aus verschiedenen Archiven rekonstruiert, darunter das Bundesarchiv, das Staatsarchiv Freiburg, das Pfarreiarchiv Rechthalten, aber auch die Archive des Museums für Kunst und Geschichte und der Sammlung Bührle. Er wolle nicht urteilen, sondern offene Fragen klären, betont der Kunsthistoriker. Zwar seien nicht mehr alle Details nachzuvollziehen, doch eines lasse sich aus heutiger Sicht mit Gewissheit sagen: «Es war nicht Heribert Reiners, der damals das grosse Geschäft machte, sondern der gewiefte Kunsthändler Heinz Kisters, der heute einen mehr als zweifelhaften Ruf geniesst.»

Wie kam es dazu? Dass Reiners überhaupt auf die Skulptur in dem Bethäuschen aufmerksam wurde, hatte wohl damit zu tun, dass er damals an einem kantonalen Kulturgüter-Inventar arbeitete und dafür viel durch den Kanton reiste. Das Oratorium gehörte zum benachbarten Hof des Eduard Tin­guely. Dieser verkaufte die Pietà im Mai 1930 an Reiners: für hundert Franken und ein kleineres Vesperbild aus Reiners’ Privatsammlung. Der Kunst­historiker Reiners habe die Bedeutung der Skulptur mit Sicherheit erkannt, sagt Stephan Gasser. «Ebenso wird er gesehen haben, dass die Bedingungen in der engen Kapelle für die Figur nicht optimal waren.» Reiners dürfte also zumindest teilweise in dem Bestreben gehandelt haben, die wertvolle Skulptur zu erhalten. Sicher sei, dass er für jene Zeit «zwar wenig, aber nicht extrem wenig» dafür bezahlt habe, umso mehr angesichts des damaligen Zustands der Skulptur. Für vergleichbare Objekte habe das Museum für Kunst und Geschichte zu Beginn der Dreissigerjahre 200 bis 300 Franken bezahlt, bestenfalls gegen 500 Franken. Mehr hätte Reiners damals vom Museum, dem er die Pietà tatsächlich schon bald zum Kauf anbot, auf keinen Fall erhalten.

Allerdings schlug das Freiburger Museum das Angebot aus, und Reiners bot die Pietà 1936 zusammen mit einer freiburgischen Tonfigur des heiligen Petrus dem Bernischen Historischen Museum an. Dieses war zunächst bereit, für beide Objekte 10 000 Franken zu bezahlen, der Handel kam aber nicht zustande. Schliesslich kaufte das Schweizerische Nationalmuseum zwar die Tonfigur, nicht aber die Pietà. So befand sich die Skulptur immer noch in Reiners’ Sammlung, als diese 1945 im Zuge der Ausweisung des Professors beschlagnahmt wurde. Im Gegensatz zu den übrigen gut zwanzig konfiszierten Skulpturen gelangte die Pietà aber nicht in ein Depot des Freiburger Museums, sondern zu Reiners’ Hausarzt Carl Spycher. Reiners hatte Spycher die Skulptur erst kurz zuvor verkauft, wohl in der Absicht, sie vor dem Zugriff der Behörden zu retten und sie später zurückzukaufen. Auch das zeige, so Gasser, dass Reiners sehr wohl gewusst habe, dass es sich um ein aussergewöhnliches Stück gehandelt habe.

Wichtiger Ankauf für Emil Bührle

Tatsächlich holte Reiners das Vesperbild wieder zu sich, nachdem er sich auf der deutschen Seite des Bodensees niedergelassen hatte, und verkaufte es um 1950 an Heinz Kisters, der in Meersburg am Bodensee eine Kunsthandlung betrieb. 1955 bot ein Zwischenhändler die Skulptur erstmals dem Sammler Emil Bührle an, der jedoch ablehnte. Sehr interessiert zeigte sich hingegen das Kunstmuseum Basel, das laut Gasser bis zu 100 000 Franken zu zahlen bereit war. Inzwischen hatte Kisters das Vesperbild aber dem Kunsthändler Benno Griebert in Kommission gegeben. In dessen Ausstellungsraum sah Bührle die Skulptur und kaufte sie im September 1955 für 150 000 Franken, wovon 130 000 Franken an Kisters gingen.

Stephan Gasser geht davon aus, dass Kisters seinerseits Reiners «ein paar Tausend Franken» bezahlt hatte. Dabei sei zu bedenken, dass Reiners in der Zwischenzeit auch etliche Kosten für Transporte und Restaurationsarbeiten gehabt habe. Gross bereichert habe er sich also nicht an der Pietà aus Recht­halten. Für Emil Bührle sei die Figur der wichtigste und teuerste Ankauf für seine Skulpturensammlung gewesen. Der Industrielle sammelte zwar vor allem Gemälde, besass aber immerhin etwa neunzig mittelalterliche Skulp­turen. Ein knappes Drittel davon, darunter auch die Pietà aus Rechthalten, gehört heute noch der 1960 gegründeten «Stiftung Sammlung E.G. Bührle».

Bald im Kunsthaus Zürich

In der Kirche von Rechthalten steht heute eine Kopie der Pietà, die 1958 im Auftrag von Bührles Witwe Charlotte Bührle-Schalk angefertigt wurde. Das Original ist noch bis zum 23. Februar in der Sonderausstellung «Freiburg im 14. Jahrhundert» im Museum für Kunst und Geschichte Freiburg zu sehen, bevor es ins Historische Museum Basel zurückkehrt, wo es vorübergehend in der Dauerausstellung steht. Läuft alles nach Plan, kommt das Vesperbild aus Rechthalten nächstes Jahr in den Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich, der im Herbst 2021 eröffnet werden soll und unter anderem die Sammlung Bührle aufnehmen wird.

Am Donnerstag, 9. Januar, hält Stephan Gasser im Museum für Kunst und Geschichte Freiburg einen Vortrag mit Kurzführung über die Erwerbungs­geschichte der Pietà aus Rechthalten (18.30 Uhr).

Die Skulptur

Die Pietà hat noch viele Geheimnisse

Eine Pietà oder ein Vesperbild ist eine Darstellung Marias mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus. Im Gegensatz zur Beweinung Christi liegt Jesus dabei in Marias Schoss. Zur Entstehungszeit der Pietà von Rechthalten um 1340 war diese Ikonografie erst seit kurzem verbreitet. Vergleichbare Skulpturen finden sich in der Schweiz, in Mitteldeutschland, Bayern und im Bodenseegebiet. Stilistisch ist die Figur aus Rechthalten in vielerlei Hinsicht ein Einzelfall. Wer sie geschaffen hat, ist nicht bekannt; Kunsthistoriker Stephan Gasser vermutet, dass sie aus einer Freiburger oder Berner Werkstatt stammt. Ebenfalls ungewiss ist der ursprüngliche Standort. Überlieferungen, nach denen die Pietà aus Guggisberg oder Rüeggisberg stammen soll, hält Gasser für unwahrscheinlich. Es sei eher anzunehmen, dass die Skulptur aus einer städtischen Kirche stamme und dass ein ehemaliger Besitzer der Tächmatt sie als Gegenleistung für Dienste an der Kirche erhalten habe. Einige Fragen rund um die Pietà bleiben also weiterhin offen.

cs

 

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