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«Ein Leben für ein Leben»

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Die Hauptfigur in Ruth Bergers Roman, die Frankfurter Dienstmagd Susanna Margaretha Brand war Vorbild für das tragische Gretchen im Faust von J. W. von Goethe.

Autor: Aldo Fasel

In einem spannungsgeladenen Roman, der auf Tatsachen beruht, erzählt die Autorin das Leben der Susanna und zeichnet dabei zugleich ein Sittengemälde der Frankfurter Gesellschaft des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

In dem an vielen Stellen mit angenehm ironischem Unterton geschriebenen Text zeigt sich so ganz nebenbei die Scheinheiligkeit und Verlogenheit der vermeintlich besseren Leute, deren Standesdünkel eine einfache Dienstmagd jeder Gerechtigkeit oder gar Gnade beraubt.

Arm und reich

Es geht in diesem Roman nicht zuletzt auch um den ewigen Kampf zwischen «unten» und «oben», arm und reich; ein Thema, das uns gerade auch in unseren Zeiten wieder vermehrt beschäftigt, angesichts der Tatsache, dass auch unsere Gesellschaft – auf dem Weg in eine Zweiklassengesellschaft – immer mehr auseinanderzubrechen droht.

Die Handlung: Susanna (oft auch kurz Susann genannt), ein fleissiges, anständiges Mädchen, 24 Jahre alt, arbeitet als Magd und Köchin bei der Witwe Bauer im Gasthaus «Zum Einhorn». Kurz vor Weihnachten 1770 wird sie von einem jungen holländischen Goldschmiedegesellen verführt. Doch das Liebesabenteuer hat eine Schwangerschaft zur Folge. Ein uneheliches Kind bedeutete in jener Zeit Schimpf und Schande, Verlust des Arbeitsplatzes und völliges Ausgestossensein.

Geburt in der Waschküche

Susanna kennt den Kindsvater nicht näher. Von ihrer Schwangerschaft erzählt sie niemandem etwas und vertuscht sie so lange als möglich. In der Waschküche bringt sie heimlich ihr Kind zur Welt. Ist das Kind schon tot, als es geboren wird? Oder tötet die Mutter es vorsätzlich?

Als Kindsmörderin gerät Susann in die Mühlen der Justiz, der Fall erregt in Frankfurt die Gemüter. Die Mutter legt ein Geständnis ab. In der Stadt munkelt man, die Magd habe nur unter Androhung der Folter den Mord zugegeben, auch handle es sich um typische Klassenjustiz, den Oberen gehe es nur darum, mit der Verurteilung ein Exempel zu statuieren zwecks Einschüchterung des Volkes.

Die Autorin vermeidet diesbezüglich jede Parteinahme und lässt den Leser selber sein Urteil bilden. Wie dem auch sei, am 14. Januar 1772 findet sich eine riesige Menge Schaulustiger am Frankfurter Römer ums Schafott ein, unter ihnen der junge Goethe. Punkt zehn Uhr trennt der Scharfrichter Hoffmann mit einem einzigen Hieb der Kopf der Susann ab.

Ruth Berger: Gretchen: ein Frankfurter Kriminalfall; historischer Roman. Rheinbeck bei Hamburg; Kindler, 2007, 459 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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