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Ein Loblied auf die Individualität

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wie kann Hass entstehen? Wie kommen Menschen dazu, ihr Gegenüber nicht mehr ebenfalls als Mensch wahrzunehmen? Wer bestimmt, was normal ist, wer dazugehört und wer nicht? Welche Sorgen, welche Ängste werden geschürt, dass Anderes, Neues, Fremdes nicht angenommen werden kann?

Mechanismen aufgedeckt

Solchen Fragen geht die Autorin Carolin Emcke in ihrem neuen Buch «Gegen den Hass» nach. Sie analysiert anhand von tatsächlichen Begebenheiten ganz genau, wie es zu Gewaltausbrüchen, zu Hass gekommen ist. Zum Beispiel die Ankunft eines Busses mit Flüchtlingen in Clausnitz: Eine wütende Menge hindert die Frauen und Kinder am Aussteigen. Erst die Polizei kann die Situation entschärfen.

Durch das sehr exakte Hinschauen und Prüfen deckt Carolin Emcke Mechanismen auf, die zu solchen Ereignissen führen können – aber nicht müssen. «Dem Hass begegnen lässt sich nur, indem man seine Einladung, sich ihm anzuverwandeln, ausschlägt. Es gilt, zu mobilisieren, was den Hassenden abgeht: genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren und Selbstzweifel.»

Wer ist «wir»?

Die Autorin (Jahrgang 1967) hat ihre Doktorarbeit zum Begriff «kollektive Identitäten» geschrieben. Das vorliegende Buch greift dieses Thema ebenfalls auf mit der Frage, wer ist «Wir»? Da sind «wir», die wir uns zunehmend einschüchtern lassen von Hass und Fanatismus. Da ist auch das «Wir», das sich anmasst, «das Volk» zu sein, die Norm, an die sich jede und jeder zu messen hat – aber auch das «Wir» derjenigen, die die Welt mit allen Mitteln vor den «Ungläubigen» retten wollen. Und da ist schlussendlich noch das «Wir», welches die Autorin das «universale» nennt. Ein «Wir», in dem alle Menschen Platz finden sollten.

Liebe Deinen Nächsten

Das Buch ist ein Loblied auf die Vielfältigkeit der einzelnen Lebensentwürfe in einer offenen, demokratischen Gesellschaft. Die Vielfalt, schreibt sie, «beruhigt»: «Solange ich diese Verschiedenheit im öffentlichen Raum sehe, so lange weiss ich auch die Freiheitsräume gewahrt, in denen ich als Individuum mit all meinen Eigenheiten, meinen Sehnsüchten, meinen möglicherweise abweichenden Überzeugungen oder Praktiken geschützt werde. Ich fühle mich weniger verletzbar …» Mit diesem Zitat hat sie die Lesung anlässlich der Buch Basel im November beendet. Eindringlicher kann man «liebe deinen Nächsten, wie dich selbst» nicht beschreiben, wobei sie betont, dass wir den Nächsten nicht lieben müssen, sondern achten.

Für eine offene Haltung

Das Buch und die Autorin haben verdientermassen den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016 erhalten. Carolin Emcke wurde für ihr Schaffen schon mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin bereiste von 1998 bis 2013 weltweit Krisenregionen und berichtete darüber. Sie ist freie Publizistin und engagiert sich immer wieder mit künstlerischen Projekten und Interventionen. «Gegen den Hass» ist ein Buch für alle, die überzeugende Argumente suchen, um eine humanistische Haltung und eine offene Gesellschaft zu verteidigen.

Carolin Emcke: «Gegen den Hass», Verlag S. Fischer, 2016, 239 Seiten, Sachbuch Gesellschaft.

Barbara Schwaller-Aebischer (bs) ist freiwillige Mitarbeiterin bei Livr’Echange.

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