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Ein Masterplan für das Ilford-Areal

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Das Ilford-Areal in Marly ist gross–und momentan ziemlich leer. Seit die Firma im vergangenen Dezember in Konkurs ging, versucht das ehemalige Management jedoch alles, um das Gelände wiederzubeleben: Im März taufte es die Ilford Property GmbH–eine vom Konkurs nicht betroffene Partnerfirma von Ilford Imaging–in «Marly Innovation Center» um. Dies mit dem Ziel, die Gebäude von Ilford an Firmen zu vermieten und so am Ort Arbeitsplätze zu schaffen. Knapp ein halbes Jahr später haben die Verantwortlichen des Innovationszentrums grosse Ziele: «Wir haben einen Masterplan», sagt Jean Marc Métrailler, ehemaliger Finanzdirektor von Ilford Imaging und Co-Direktor des Marly Innovation Centers.

Hightech und Kultur

Der Masterplan sieht vor, das heutige Gelände deutlich dichter zu bebauen. Dieses hat insgesamt eine Fläche von 370 000 Quadratmetern, wovon rund 115 000 in die Wohnzone aufgenommen werden sollen (siehe Text unten rechts). Auf dem anderen Teil des Gebietes sind momentan gut 70 000 Quadratmeter bebaut. «Wir möchten die heutige industrielle Fläche verdoppeln», sagt Métrailler.

 Die Firma plant, das Gelände in verschiedene Sektoren aufzuteilen: Handwerk, Industrie, Dienstleistungen und Hightech-Labors sollen genauso Platz finden wie Kunst und Kultur. Die Direktion hat den Masterplan dem Gemeinderat Marly vorgestellt und wird ihn in nächster Zeit dem Generalrat präsentieren.

 Gemäss Jean Marc Métrailler sollen die ersten Bauarbeiten schon nächstes Jahr erfolgen, die gesamte Entwicklung soll in den kommenden fünf bis zehn Jahren geschehen. Investieren wird das Marly Innovation Center. «Aber wir brauchen auch Partner, die interessiert sind, hier zu arbeiten, und die investieren», sagt Métrailler. Das Innovationszentrum, das rund 15 Mitarbeiter beschäftigt, werde die Räumlichkeiten vermieten und die Entwicklung koordinieren. «Wir stellen die Infrastruktur zur Verfügung, die von allen Mietern genutzt wird.» Die Haupteinnahmequelle des Marly Innovation Centers sind–und werden es auch in Zukunft sein–die Mieten. Es sei möglich, einen Teil der Gebäude zu verkaufen. «Im Moment ist das aber heikel, da wir eine Struktur für das ganze Gelände erarbeiten möchten», sagt Métrailler. Produzieren, wie dies die Ilford Imaging tat, wird das Innovationszentrum selbst jedoch nicht.

20 neue Unternehmen

Das Areal sei attraktiv, sagt Métrailler. «Es ist mit Energie und Wasser erschlossen, und die Strasse ist vorhanden.» Seit dem Konkurs von Ilford haben sich denn auch schon rund 20 neue Unternehmen auf dem Gelände eingemietet. «Wir waren in den Medien, das hat uns geholfen», sagt Métrailler. Die Negativschlagzeilen zu Ilford seien kein Hindernis gewesen. «Alle wollen eine neue Geschichte erzählen können.» Interessenten hätten angerufen und sich erkundigt, wie es mit dem Areal weitergehe. «Das Negative wirkt nicht nach, wir haben hier viel Raum, und alle sind sich der Qualität des Standortes bewusst.» Trotzdem gibt es immer noch viel Platz: Erst rund ein Drittel der bestehenden Gebäude ist belegt.

Platz für 1000 Angestellte

Im Moment arbeiten auf dem Areal etwa 250 Leute. In diesem Monat wird die Zahl Beschäftigter auf dem Gelände jedoch auf unter 200 schrumpfen. Das Adolphe-Merkle-Institut verlässt das Ilford-Areal und zieht in die renovierten Räumlichkeiten der ehemaligen Klinik Garcia auf der Perolles-Ebene (die FN berichteten). «Das wussten wir seit längerem», sagt Métrailler.

Die Ilford Imaging beschäftigte 2004, als die Probleme anfingen, 450 Personen, zuletzt waren es noch 130. Das Areal hat für rund 1000 Arbeitsplätze Potenzial–ungefähr so viele Angestellte hatte die Ciba-Geigy, die sich in den 1960er-Jahren auf dem Gelände angesiedelt hatte, zu den besten Zeiten. «Es wäre natürlich schön, wenn wir diese Zahl erreichen könnten», sagt Métrailler. «Aber das kommt nicht von selbst, dazu braucht es zusätzliche Infrastruktur.»

«Wir haben Platz, das ist unser Vorteil», sagt Jean Marc Métrailler, Co-Geschäftsführer des Marly Innovation Centers. Bild Aldo Ellena/a

«Die zehn Millionen Franken sind nicht verlorenes Geld.»

Damien Piller

Verwaltungsratspräsident Anura AG

Wohnquartier: Die Anura AG konnte das Land nicht kaufen

V or einem Jahr brauchte Ilford dringend Geld. Das Management entschied deshalb, einen Teil des Geländes zu verkaufen, um die Firma so vor dem Konkurs zu retten. Für zehn Millionen Franken kaufte die Anura AG ein Kaufversprechen für 115 000 Quadratmeter des Geländes. «Dieses Geld floss direkt in die Ilford Imaging», sagt Jean Marc Métrailler, ehemaliger Finanzdirektor von Ilford und Co-Geschäftsführer des Marly Innovation Centers. Doch es reichte nicht lange (siehe Kasten oben rechts). Und zum eigentlichen Landverkauf kam es nie: Das Amt für Umwelt verbot es, das Gelände aufzuteilen, da es sich um einen belasteten Standort handelt. Bis ins Jahr 1920 befand sich dort eine Papierfabrik und ab 1960 Ciba-Geigy. Beide Firmen verwendeten giftige Substanzen. Gemäss Métrailler laufen momentan die Analysen, um herauszufinden, wie schlimm die Verschmutzung ist. «Wir sind optimistisch. Klar, es gab giftige Stoffe, aber zumindest war es keine Deponie.» Sollte das Gelände entgegen diesen Erwartungen schlimm verschmutzt sein, könnte es teuer werden, denn dann muss es saniert werden.

Anura Teil des Zentrums

Die Anura AG hat sich mit der Marly Innovation Center GmbH nun auf andere Weise geeinigt. Die Anura AG ist Mitinhaberin des Innovationszentrums. «So können wir die Zukunft des Geländes mitbestimmen», sagt Damien Piller, Verwaltungsratspräsident der Anura AG. «Die zehn Millionen Franken sind nicht verlorenes Geld.» Und dass es nicht zum Landverkauf gekommen sei, sei «keine Katastrophe».

Die Anura AG wollte auf dem Gelände ein Wohnquartier erstellen, dies ist weiterhin der Plan. Dafür muss die Gemeinde das Land allerdings erst von der Industrie- in die Wohnzone umzonen. Wie dieses Quartier aussehen wird und wie vielen Leuten es Platz bieten soll, ist unklar. «Wir haben ein Studienauftragsverfahren lanciert, neun Büros arbeiten nun Vorprojekte aus», sagt Piller. Ende Jahr werde man drei bis vier Projekte auswählen, welche die Büros dann ausarbeiten. «Das Ganze dauert noch eine Weile.» Deshalb sei noch nicht klar, wie viel Geld investiert werde.

«Ein urbanes Konzept»

Piller betont, dass für die Entwicklung des gesamten Geländes eng mit der Gemeinde zusammengearbeitet werde. «Wir wollen ein richtig urbanes Konzept.» Es solle nicht einfach ein Wohnquartier neben einem Industriequartier entstehen. «Es soll Leute anziehen, die auf dem Gelände arbeiten und wohnen.» Und seine Idee ist gleich wie jene von Jean Marc Métrailler: «Wir wollen das ganze Areal wiederbeleben.» mir

Jean Marc Métrailler: «Wir wollen eine neue Welt aufbauen»

C o-Direktor Jean Marc Métrailler zeigt sich zufrieden mit dem Start des Marly Innovation Centers.

 

Marly Innovation Center gibt es seit rund einem halben Jahr – Wie läuft es?

Gut. Wir haben die vorläufigen Ziele erreicht. Wir wollten das Areal wieder beleben und die angesiedelten Mieter beruhigen. Beim Konkurs von Ilford war die Unruhe gross, jetzt ist das Vertrauen zurück, und es sind neue Mieter hinzugekommen. Ich bin überzeugt, dass wir hier einen wichtigen Ort für die künftige Entwicklung der Region schaffen können.

 

Ähnliche Absichten hat der Innovationspark Blue Factory. Konkurrieren Sie sich?

Das ist häufig ein Thema; aber nein, wir sind keine Konkurrenten. Die Standorte haben unterschiedliche Vorteile. Wir können in Marly grosse Flächen bieten und so zum Beispiel Firmen des Bausektors, Handwerker oder auch Industrie ansiedeln. Blue Factory konzentriert sich auf den wissenschaftlichen Sektor. Wir treffen uns regelmässig mit den Verantwortlichen von Blue Factory. Es ist eine Zusammenarbeit, keine Konkurrenz.

 

Inwiefern beeinflusst das Konkursverfahren von Ilford den Aufbau des Zentrums?

Auf dem Gelände gibt es viele Sachen, die zur Ilford gehören, also Konkursmasse sind. Wir haben diese da behalten, um das Verfahren zu erleichtern. Wir sind täglich im Kontakt mit der Konkursverwaltung und helfen, wo wir können. Das Konkursverfahren belastet uns, und alle hoffen, dass es schnell geht. Aber wahrscheinlich wird es mindestens zwei Jahre dauern.

 

Durch den Konkurs haben viele Leute den Job verloren. Bringt diesen das Innovation Center etwas?

Ja, einige Mitarbeiter des Entwicklungsbereiches haben sich zusammengetan und eine KMU gegründet. Sie arbeiten in denselben Büros wie zuvor. Einige haben auch bei neu eingemieteten Firmen Arbeit gefunden. Insgesamt haben etwa zwei Drittel der ehemaligen Mitarbeiter wieder einen Job.

 

Sie haben ein turbulentes Jahr hinter sich – Sind Sie trotzdem zuversichtlich?

Ja. Aber es ist klar, es war ein lokales Drama, eine traurige Geschichte, die wir nicht vergessen können. Gerade wegen der Entlassungen. Ich hoffe, dass wir hier nun eine neue Welt aufbauen können. mir

Rückblick

Drei Jahre vor dem Konkurs gegründet

Im Jahr2010wird die Ilford Property GmbH gegründet. Sie übernimmt sämtliche Grundstücke der Ilford Imaging Switzerland GmbH, die seit längerem mit Problemen kämpft. ImFrühling 2013kommt es bei Ilford Imaging zu Liquiditätsengpässen, da sich der Investor Paradigm Global Partners LLP zurückzieht. ImAugust 2013übernehmen Paul Willems, CEO von Ilford, und Jean Marc Métrailler, Finanzchef, die Firma. Sie streichen 92 der 220 Stellen und wollen sich mit Landverkäufen Geld verschaffen. Eine Anzahlung von zehn Millionen Franken durch die Anura AG verschafft dem Unternehmen kurz Luft, dennoch ist das Ende nicht abzuwenden; imDezember 2013geht Ilford Imaging in Konkurs. Die Immobilienfirma Ilford Property ist davon nicht betroffen. Sie erhält imMärz 2014den neuen Namen Marly Innovation Center GmbH.mir

Gemeinde: «Haben grünes Licht gegeben»

Die Gemeinde Marly ist mit dem Masterplan für das Marly Innovation Center einverstanden. «Wir haben ihn noch nicht im Detail geprüft, aber wir haben für die Weiterführung grünes Licht gegeben», sagt Syndic Jean-Pierre Helbling. Das Projekt sei für Marly und die künftige Entwicklung der Gemeinde sehr interessant. «Und die Zusammenarbeit mit dem Management ist super, wir können unsere Anliegen einbringen.» mir

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