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Ein Minusgeschäft in Millionenhöhe

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Das Ende des Freiburger Modells der Medikamentenabgabe in Pflegeheimen sorgte im vergangenen Juni kantonsweit für einen regelrechten Aufruhr (die FN berichteten). Bis dahin wurden die Medikamente der Heimbewohner im Kanton mittels einer Tagespauschale von 5.50 Franken abgerechnet. Doch seit dem 1. Januar 2018 darf der Medikamentenverbrauch nicht mehr pauschal, sondern nur noch patientenspezifisch verrechnet werden. Entsprechende Verhandlungen zwischen der Direktion für Gesundheit und Soziales, der Vereinigung freiburgischer Alterseinrichtungen (VFA) und der Freiburger Apotheker-Gesellschaft auf der einen Seite sowie den Krankenversicherern auf der anderen Seite hatten zum Ziel, doch noch eine Lösung zu finden, scheiterten aber Ende April 2018.

1264 Betten einbezogen

Nun zeigt sich, dass sich die Befürchtungen der drei Freiburger Partner des Modells der pharmazeutischen Betreuung in den Pflegeheimen bewahrheiten. Eine Beurteilung der Auswirkungen der Abschaffung beweist, dass die Kosten massiv angestiegen sind, wodurch auch die Ausgaben für die Bewohnerinnen und Bewohner zugenommen haben. Dies schreiben die drei Partner in einem Communiqué.

2018 hätten die Versicherer zugesichert, dass eine Abschaffung des rund 15-jährigen Freiburger Modells keine Folgen für die Heimbewohner und einen Kostenanstieg von maximal 1,5 Millionen Franken bedeuten würde. Doch dem ist nicht so. Eine Studie, die Olivier Bugnon und Anne Niquille der Universitäten Lausanne und Genf im Auftrag von Pharma Suisse in 20 Pflegeheimen mit 1264 Betten durchgeführt haben, beweist dies.

Um 59 Prozent höher

Aus der Studie geht hervor, dass die Arzneimittelkosten zwischen dem ersten und dem zweiten Halbjahr 2018 um 59 Prozent, im Vergleich zu 2017 sogar um 70 Prozent angestiegen sind. Hochgerechnet auf alle 2655 Betten der 42 Pflegeheime des Kantons beträgt der Kostenanstieg 3,4 Millionen Franken pro Jahr.

Zum einen hätten die Versicherer auf die äusserst günstigen Einkaufskonditionen verzichtet, welche die Pharmaindustrie den Freiburger Pflegeheimen gewährt hatte, heisst es weiter. Zum anderen sei der massive Anstieg eine direkte Folge der geschwächten berufsübergreifenden Zusammenarbeit, die für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Arzneimitteln gesorgt habe. Das Ende des Freiburger Modells führe zu einer «Verschwendung der Versichertengelder», heisst es im Communiqué. Die Folge davon seien steigende Gesundheitskosten. Die Pflegeheimbewohner müssten nun ihrerseits für manche Mittel vollständig aufkommen, wenn sie keine Zusatzversicherung hätten.

Zahlen und Fakten

Klar unter dem Schweizer Mittel

Mit dem Freiburger System betrugen die durchschnittlichen Tageskosten für Arzneimittel eines Pflegeheimbewohners im Kanton im Jahr 2016 nur 4.80 Franken. Das Schweizer Mittel betrug 8.55 Franken oder 78 Prozent mehr. Angewandt auf die 2600 Freiburger Pflegeheimbewohner liegen die tatsächlichen Arzneimittelkosten bei rund 4,5 Millionen Franken pro Jahr. Mit einer Berechnung auf Grundlage des Schweizer Mittelwerts würden sich diese Kosten laut dem Staatsrat auf rund 8,1 Millionen Franken und die Mehrkosten somit sogar auf jährlich 3,6 Millionen Franken belaufen.

jcg

Grosser Rat

«Ein Zeichen in Richtung Bern»

Das Freiburger Modell der pharmazeutischen Betreuung in den Pflegeheimen war gestern auch Thema im Grossen Rat. Mit 92 zu 0 Stimmen bei zwei Enthaltungen erklärte das Kantonsparlament gegen den Willen des Staatsrats eine entsprechende Motion der Grossratsmitglieder Antoinette de Weck (FDP, Freiburg) und Marc-Antoine Gamba (CVP, Freiburg) für erheblich. Die beiden hatten zusammen mit 58 Mitunterzeichnenden gefordert, dass sich der Staatsrat beim Bund für Zusammenarbeitsprojekte von Fachpersonengruppen einsetzen solle, welche sowohl den Patienten als auch der Qualität und der Wirtschaftlichkeit zugutekommen – wie eben dieses Freiburger Modell.

Es war an Staatsrätin Anne-­Claude Demierre (SP) zu erklären, wieso die Kantonsregierung gegen dieses Anliegen war, obwohl auch sie «überzeugt von der Effizienz des Freiburger Modells» sei. «Der Bundesrat hat ein Projekt in die Vernehmlassung geschickt, um das Krankenversicherungsgesetz zu ändern und entsprechende Pilotprojekte zu ermöglichen.» Die Teilnahme des Freiburger Modells an diesen Pilotprojekt lasse sich viel schneller realisieren als ein Intervenieren auf Bundesebene im Sinne der Motion.

Die Ratsmehrheit und alle Fraktionen waren aber anderer Meinung. «Es geht darum, ein Zeichen in Richtung Bern zu setzen», sagte Chantal Pythoud-Gaillard (SP, Bulle). Ansonsten drohe das Risiko einer «Zweiklassenmedizin». «Das Freiburger Modell ist kein Experiment, sondern ein jahrelanger Test, der konkrete Ergebnisse gezeigt hat», gab Hubert Dafflon (CVP, Grolley) zu bedenken. Letztlich gehe es hier aber auch um eine Frage des gesunden Menschenverstandes.

Benoît Rey (Mitte links – CSP, Freiburg) sagte: «Es war ein Fehler, dieses intelligente Freiburger System zu beenden. Solche ideologisch-technokratischen Entscheidungen sind sinnlos.» Offenbar habe diese Freiburger Ausnahme die Versicherer aber gestört. Michel Zadory (SVP, Estavayer-le-Lac) meinte: «Es geht jetzt darum, angesichts des Ausblutens unseres Gesundheitssystems eine zusätzliche Kompresse aufzulegen.»

Jean-Daniel Schumacher (FDP, Bürglen) wies schliesslich darauf hin, dass die totalen Mehrkosten seiner Ansicht nach sogar noch weit über den kommunizierten 3,4 Millionen lägen. Wenn man die angebrauchten und in Reserve lagernden Packungen, die Steuern und die Zusatzleistungen der Ärzte dazuzähle, würden die Kosten insgesamt «um fünf bis sechs Millionen Franken» steigen.

jcg

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