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«Ein Nullrisiko gibt es nicht»

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Der tragische Brand in der Pariser Notre-Dame-Kathedrale vom Montagabend hat auch in Freiburg zu Solidaritätsbezeugungen geführt. Wie in den meisten europäischen Domen und Kathedralen haben gestern über Mittag auch in Freiburg die Glocken geläutet.

Aus dem 15. Jahrhundert

«Grundsätzlich wäre ein Brand wie in Paris auch in der Freiburger Kathedrale möglich», sagt Stanislas Rück, Dienstchef des kantonalen Kulturgüteramts. «Ihr hölzerner Dachstuhl stammt aus der Bauzeit des Gotteshauses, aus dem Jahr 1403. 90 Prozent dieser originalen Bausubstanz ist immer noch vorhanden.» Dass das verwendete Holz nach 600 Jahren total trocken sei, liege auf der Hand, sei aber an sich gut im Sinne der Stabilität eines so massiven Gebälks. Im Fall eines Brandes wie in Paris gebe es allerdings keinen Unterschied mehr zwischen trockenem und grünem Holz. Rück schätzt die in Paris entstandenen Temperaturen aufgrund der Farbe der Flammen und angesichts des geschmolzenen Bleidachs auf rund 1000  Grad Celsius.

Natürlich habe man bei der Freiburger Kathedrale gewisse Vorkehrungen getroffen, sagt Rück. So umfasse das System der Brandmeldeanlagen die ganze Kathedrale. Dadurch liessen sich die Eingriffszeiten für die Feuerwehr verkürzen. «Doch in Paris hat man gesehen, wie schwierig es im Ernstfall sein kann, zum Brandherd vorzudringen», sagt Rück. Löschmaterial vor Ort helfe im allerersten Stadium des Brands. Deshalb sei die Freiburger Kathedrale auch mit zwei Trockenleitungen mit Schlauchmaterial und Feuerlöschgeräten ausgerüstet worden. Aber sobald etwa Renovierungsarbeiten vorgenommen würden, wie dies in Paris der Fall gewesen sei, steige das Brandrisiko fast zwangsläufig massiv an. Dann würden sich in Räumen, in denen sich normalerweise niemand aufhalte, viele Menschen und Materialien befinden. «Wir haben zwar in der Freiburger Kathedrale bei jeder Gelegenheit die Brandabschottungen verbessert, damit die Ausbreitung eines Feuers vermieden oder gebremst werden kann», so Rück. «Aber ein Nullrisiko gibt es einfach nicht.»

Laut dem Stadtfreiburger Feuerinspektor Dominique Monney habe die Freiburger Kathedrale gegenüber Notre-­Dame allerdings den gros­sen Vorteil, dass das Dach weniger hoch und somit für Feuerwehrfahrzeuge ungleich leichter zu erreichen sei. Denn oberhalb einer gewissen Maximalhöhe sei die Feuerwehr im Prinzip machtlos. Eine solche historische Kirche mit Löschflugzeugen zu überfliegen – wie beispielsweise bei einem Waldbrand –, ist laut Monney ebenfalls undenkbar. Damit würde nur noch mehr Schaden angerichtet.

«Eine Katastrophe»

Der Brand in Paris hat auch Rück erschüttert. «Dass es ausgerechnet im Kontext einer offenen Baustelle zu so einem Brand kam, hat mich zwar nicht sehr überrascht», sagt er. «Aber es ist und bleibt eine Katastrophe, wenn man an die Bausubstanz von unschätzbarem Wert denkt, die in der bisherigen Form für immer verloren ist.» Natürlich lasse sich der Dachstock rekonstruieren, so Rück; das Gleiche wie zuvor lasse sich damit aber niemals wieder erlangen. Sein Fazit: «Man muss einfach immer vorsichtig sein, es gibt nichts anderes.» Auch was die Kulturgüter innerhalb eines solchen Gotteshauses betreffe, sei die Zeit in einem Brandfall zu kurz, um eine vollständige Evakuierung zu bewerkstelligen. Die Kirchenfenster in der Freiburger Kathedrale seien zwar extra so gebaut, dass sie im Falle eines Kriegs oder einer Katastrophe rasch ausgebaut werden könnten. Dafür sei aber ein Tag Arbeit mit Leitern und Hebebühnen nötig. «Unterhalb dieser Frist wird es schwierig», so Rück.

«Noch nicht ausgestanden»

Es gelte nun, aus dem Fall Notre-Dame die Lehren zu ziehen, namentlich bei der Frage, wie sich das Feuer so rasant habe über den ganzen Dachstuhl ausbreiten können. Eine Möglichkeit, in einem solchen Dach für mehr Brandsicherheit zu sorgen, wäre die Schaffung von Brandabschnitten. In einer historischen Kathedrale sei dies aber ganz schwer umzusetzen.

Eine glückliche Fügung ist für Rück, dass das Feuer in Paris nicht in die Kathedrale eingedrungen sei und das Gewölbe gehalten habe. Denn Dachstühle hätten in hohen gotischen Kathedralen eine wichtige statische Funktion, indem sie die oberen Teile der Seitenmauern zusammenhielten. Ein Grossbrand könne daher für das ganze Gebäude zu massiven statischen Schäden führen, was es im Fall von Paris noch zu untersuchen gelte. «Das Ganze ist noch nicht ausgestanden», so Rück.

Burgen und Stadtmauern

Die Frage nach dem Brandschutz stellt sich auch für andere historische Gebäude im Kanton Freiburg wie Kirchen, Burgen oder Stadtmauern. «Steinbauten sind naturgemäss weniger brandgefährdet als hölzerne Bauelemente», bemerkt der Kantonsarchitekt Gian Carlo Chiovè dazu. Diese zu ummanteln, sei wiede­rum aus Gründen des Kulturgüterschutzes problematisch. «Es gilt hier immer abzuwägen, ob man dem Feuerschutz oder dem Kulturgüterschutz mehr Gewicht verleiht», so Chiovè.

«Wo immer möglich, haben wir bereits Brandmeldeanlagen eingebaut, so etwa auch in den Stadtmauern von Freiburg», sagt Rück. Die besten Beobachter seien aber die Menschen, die sich an solchen Orten aufhielten. Nachts fehle diese menschliche Kontrolle allerdings.

Ein anderes Problem ist dasjenige der Versicherung. Der Staat Freiburg hat laut Rück für all seine Gebäude – auch die historischen – eine obligatorische Brandschutzversicherung und eine Mobi­liar­versi­cherung für die Ausstattung. Die Versicherungssumme für die Freiburger Kathedrale beträgt laut Jean-Claude Cornu, Direktor der Kantonalen Gebäudeversicherung, 34,75 Millionen Franken. «Der künstlerische, emo­tionale und kulturerbliche Wert eines solchen Bauwerks lässt sich allerdings nicht versichern», so Cornu. «Er bleibt unbezahlbar.»

Franziskanerkloster

Saubere Baustelle, Rauchverbot und der heilige Florian

Dass das Brandrisiko bei Umbauarbeiten besonders hoch ist, weiss auch Pater Pascal Marquard, Guar­dian des Freiburger Franziskanerklosters. Sein Kloster wurde von 2013 bis 2016 aus- und umgebaut. «Auf Baustellen ist es oft schmutzig, es liegen Holzspäne, Kartonteile und Papier herum», so Marquard. «Die Frage nach einer regelmässigen Reinigung der Baustelle war daher sehr wichtig, und als Bauherrenvertreter war ich daher praktisch täglich auf der Baustelle präsent.» Dies habe sicher geholfen, das Risiko zu minimieren, ebenso wie die Tatsache, dass ein beträchtlicher Teil der Baustelle zur strikten Nichtraucherzone erklärt worden sei. «Ein Nullrisiko gibt es aber nicht», bestätigt auch Marquard. «Wir haben viel Holz im Dachgebälk, und jedes Jahr am 1. August wird es mir etwas mulmig, wenn alle Welt Feuerwerk in den Himmel steigen lässt.» Im Kloster habe er deshalb zusätzlich zu den feuerpolizeilichen Auflagen noch eine weitere Serie an Feuerlöschern installieren lassen und die ganze Klostergemeinschaft sowie die Angestellten entsprechend instruieren lassen.

Wenn alle Stricke reissen würden, helfe nur noch das Beten: Der Schutzpatron der Feuerwehrleute und der Gebäude ist der heilige Florian. Die Ereignisse in Paris hätten im Übrigen auch ihn schockiert: Eine Kirche sei ein Ort, an dem sich der Glaube konkret verorten lasse.

jcg

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