Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Ein Pädagoge zwischen den Fronten

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Erfolgsorientiertes Lernen ohne Noten, individuelle Lernaufgaben je nach Niveau des Schülers, Methodenvariabilität im Unterricht, mediale Unterstützung: Was modern tönt und in der heutigen Schule immer noch aktuell ist, fand sich in Freiburg schon vor 200  Jahren. Es war die Zeit des Pädagogen Gregor Girard, Franziskanerpater und von 1804 bis 1823 Leiter der städtischen Knabenschule. Bekannt ist er vor allem für den wechselseitigen Unterricht, bei dem die Schüler in Gruppen lernen, jeweils angeleitet von einem fortgeschrittenen Kameraden. Girard hat die Methode zwar nicht erfunden, aber perfektioniert und praxistauglich gemacht. Das sei Girards grosse Stärke gewesen, sagt der Pädagoge Beat Bertschy, Lektor an der Universität Freiburg: Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Heinrich Pestalozzi sei Girard pragmatisch und alltagsnah gewesen. «Wenn es darum ging, Theorie und Praxis zu verbinden, war Girard viel weiter als Pestalozzi», so der Girard-Experte.

«Zu wenig katholisch»

Als Präfekt der Freiburger Stadtschulen liess Gregor Girard ein neues Schulhaus bauen, dessen Architektur seinen pädagogischen Ideen entsprach. 1819, vor genau 200 Jahren, wurde das Haus an der Chorherrengasse 1 eingeweiht. Zum Jubiläum enthüllt die Stadt Freiburg heute Abend eine Gedenktafel an der Fassade und eine erklärende Schautafel im Gebäudeinnern. Am Wochenende ist Gregor Girard auch ein Thema im Rahmen der Europäischen Denkmaltage.

Nach dem Girard-Jahr 2015 zum 250. Geburtstag des Pädagogen sei dies eine weitere Gelegenheit, die Bedeutung Girards in Erinnerung zu rufen, sagt Beat Bertschy. Denn während Pestalozzi noch heute national und international bekannt sei, sei Girard ausserhalb des französischen Sprachraums nicht einmal unter Pä­da­go­gen ein Begriff, obwohl er in vielerlei Hinsicht geradezu avantgardistisch gewesen sei.

Tatsächlich liegt die Tragik Girards darin, dass er seiner Zeit voraus war und in der Auseinandersetzung zwischen liberalen und katholisch-konservativen Kräften zwischen die Fronten geriet. Der liberale Franziskaner, der als erster katholischer Pfarrer nach der Reformation in Bern gewirkt hatte, sei für Freiburg wohl «zu wenig katholisch» gewesen, so Bertschy. Seine Unterrichtsmethoden seien so erfolgreich gewesen, dass die Kirche Angst bekommen habe. Sie fürchtete, dass Girards Schüler allzu kritisch denken würden und dass die herausragende Funktion der fortgeschrittenen Schüler das soziale Gefüge aufbrechen könnte.

So kam es, dass der wechselseitige Unterricht 1823 verboten und Girard aus Freiburg vertrieben wurde. Das Verbot ging vom gleichen Mann aus, der die Methode nur sieben Jahre zuvor ausdrücklich erlaubt hatte: Bischof Pierre Tobie Yenni. Kurz darauf schloss sich auch der Grosse Rat dem Verbot an. «Gregor Girard war in der Praxis überzeugend, aber er wurde bildungspolitisch kaputtgemacht», sagt Bertschy. Girard zog nach Luzern, wurde Philosophielehrer und verfasste Lehrmittel und pädagogische Schriften. 1835 kehrte er nach Freiburg zurück. Hier schrieb er sein pädagogisches Hauptwerk über den muttersprachlichen Unterricht, das 1844 erschien, sechs Jahre vor seinem Tod.

Auf den Schüler zugeschnitten

Girards Schule blieb bis 1907 in Betrieb. Ironischerweise hielt sich der wechselseitige Unterricht auch nach 1823, nur schon aus praktischen Gründen: Es gab zu wenig Lehrer, um alle Schüler traditionell zu unterrichten. Allmählich sei die Methode aber versandet, die Qualität habe nachgelassen, sagt Beat Bertschy. Denn auch bei der gegenseitigen Anleitung durch Schüler brauche es einen guten Lehrer im Klassenzimmer – auch das eine Pa­rallele zur heutigen Zeit.

An die Blütezeit von Girards Pädagogik erinnert noch heute der grosse Saal im ehemaligen Schulhaus, in dem bis 2016 der Generalrat tagte. Die neue Schautafel zeigt einen Kupferstich aus dem Jahr 1820, auf dem der Schulbetrieb in dem Saal verewigt ist: Zu sehen sind Gruppen von Schülern, die unter der Anleitung ihrer Kameraden lernen. Hatte ein Schüler den Unterrichtsstoff verstanden, durfte er zur nächsten Station wechseln. Darin bestand laut Beat Bertschy die Besonderheit von Girards Verständnis des wechselseitigen Unterrichts: Statt nach einem starren Schema habe er die Methode in abgestufter Form angewendet, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler. Würde der Bildungspionier an den heutigen Schulen Gefallen finden? «Ja», meint Bertschy. «Die Schule geht heute vom Kind und dessen Lebenswelt aus. Das hätte Gregor Girard sicher gefallen.»

Einweihung der Gedenktafel: Fr., 13. September, 18 Uhr. Anschliessend Vorträge im Gutenberg-Museum.

Führungen anlässlich der Denkmaltage am Wochenende: siehe Kasten.

Programm

Gregor Girard, Hans Fries und Ciba-Geigy

Das Girard-Schulhaus ist einer von zwölf Freiburger Beiträgen zu den Europäischen Tagen des Denkmals von diesem Wochenende.

Girard-Schulhaus, Freiburg: Rundgang durchs Quartier auf den Spuren von Gregor Girard. Sa. 10 Uhr (frz.) und 14.30 Uhr (dt. und frz.); So. 14 Uhr (dt. und frz.) und 15.30 Uhr (frz.).

Albertinum, Freiburg: freie Besichtigung und Führungen. Sa. und So. 10 bis 17 Uhr.

Franziskanerkirche, Freiburg: Wandgemälde von Hans Fries: Besuch der Kirche und Vorstellung des Gemäldes. So. 10 bis 17 Uhr.

Baudirektion, Freiburg (Joseph-Piller-Gasse 7): Ausstellung über die Farbe in der Architektur. Sa. und So. 10 bis 16 Uhr. (Die Ausstellung dauert bis zum 13. Dezember.)

Vortrag von Michel Pastou­reau über Farbsymbolik (frz.): Aula des Kollegiums Gambach, Freiburg. So. 17.30 Uhr.

Marly Innovation Center: Die Geschichte des Fotopapiers Cibachrome von Ciba-Geigy. Sa. und So. 10 bis 17 Uhr.

Uebewil: Heckenwanderung. Sa. 14 Uhr (ca. zwei Stunden).

Greyerzer Museum, Bulle: Veranstaltungen rund ums Patois. Sa. 9.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17 Uhr.

Greyerzer Museum, Bulle: Polychromie in Bulle. Sa. und So. 10, 14 und 15.30 Uhr.

Vitromusée, Romont: Thematische Führungen und kollektives Kunstwerk. Sa. und So. 10 bis 17 Uhr.

Kirche Saint-Pierre, Treyvaux. Sa. und So. 10 bis 17 Uhr.

Römermuseum, Vallon: thematische Führungen. Sa. und So. 13, 14.30 und 16 Uhr.

 

Details: www.hereinspaziert.ch

 

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema