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Ein Paradies für Klangtüftler

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Ein Novachord von Hammond aus dem Jahr 1938, ein Mellotron von 1965 oder eine Electone EX-1 von Yamaha mit Jahrgang 1976: Das sind nur drei Schätze aus einer riesigen Sammlung elektronischer Musikinstrumente, die sich seit Kurzem in einer Halle der Blue Factory auf dem Gelände der ehemaligen Cardinal-Brauerei in Freiburg befindet. Rund 2000 Objekte umfasst der Bestand, darunter 600 analoge und digitale Synthesizer, über 500 Effektgeräte, 120 Orgeln und zahlreiche Studiogeräte. Es handelt sich um die Sammlung des Baslers Klemens Niklaus Trenkle, die dieser während 35 Jahren zusammengetragen hat. Über den neu gegründeten Freiburger Verein «Schweizer Museum und Zentrum elektronischer Musikinstrumente» (SMEM) ist die Sammlung nach Freiburg gelangt.

Der Kontakt zum Basler Sammler entstand über ein anderes Projekt, das schon seit Längerem für die Blue Factory im Gespräch ist: Das «Rocksilo» soll zugleich ein Museum für aktuelle Musik und ein Musikclub sein. Dieses Projekt habe sich bis jetzt nicht konkretisiert, sagt Präsident Christoph Allenspach. Doch sei Sammler Trenkle darüber auf die Freiburger Initianten aufmerksam geworden und habe ihnen die Übernahme seiner Sammlung vorgeschlagen. «Als wir die Sammlung gesehen haben, waren wir so begeistert, dass wir das SMEM als zweiten Pfeiler des Projekts gegründet haben», so Allenspach.

Schaulager und Studio

Während die Realisierung des Rocksilos weiterhin in den Sternen steht, ist das SMEM innert kürzester Zeit Wirklichkeit geworden: Im November 2016 wurde der Verein gegründet, woraufhin Klemens Niklaus Trenkle diesem seine Sammlung als dauerhafte Leih- und Erbgabe vermachte. Das bedeutet, dass der Bestand in Trenkles Besitz bleibt bis zu dessen Tod und danach in den Besitz des Vereins übergeht. Mitglieder und Sympathisanten des Vereins haben die Objekte danach gesichtet und bis März 2017 aus verschiedenen Lagern in der Schweiz in die Halle der Blue Factory transportiert. Dort sind sie nun in Gestellen und auf Paletten eingelagert, auf einer Fläche von rund 400 Quadratmetern. Seit Mai läuft die systematische Inventarisierung der Sammlung; ab sofort soll das Schaulager schrittweise für Musiker und für das breite Publikum zugänglich gemacht werden.

Eine erste Möglichkeit, die Sammlung zu entdecken, bietet sich heute Samstag im Rahmen des Internationalen Bollwerkfestivals (siehe Kasten). Ab August sind weitere Anlässe wie Workshops, Performances und punktuelle Führungen geplant. Eine Museumsstruktur mit festen Öffnungszeiten ist hingegen nicht die Absicht des Vereins, der momentan rein ehrenamtlich funktioniert. Hingegen wird ein Studio eingerichtet, in dem Musikerinnen und Musiker die Instrumente und Geräte für ihre Aufnahmen nutzen können. Zudem ist eine Website im Aufbau, auf der dereinst die komplette Sammlung zugänglich sein soll.

Heute wieder gefragt

Die Sammlung sei einzigartig in der Schweiz und weltweit eine der grössten ihrer Art, sagt Kunsthistoriker Christoph Allenspach. Ihr geschätzter Wert betrage mehrere Hunderttausend Franken. Der Umfang der Sammlung habe auch mit der ständigen Weiterentwicklung der elektronischen Musikinstrumente zu tun, ergänzt Kunsthistoriker und Vereinsmitglied Vincent Borcard. «Es kamen laufend neue Instrumente auf den Markt, die Trenkles Interesse weckten.» Oft habe der Sammler Objekte gekauft, die damals keiner mehr wollte und die heute wieder sehr gefragt seien.

Das meiste funktioniert

Tatsächlich sei die Sammlung ein Paradies für Klangtüftler, sagt der Musiker Manuel Oberholzer, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Feldermelder. Oberholzer ist ebenfalls Mitglied des SMEM und an der Inventarisierung beteiligt. «Wir machen jeden Tag neue Entdeckungen», sagt er. Viele Instrumente müsse man noch ausprobieren, aber schon jetzt stehe fest, dass das meiste funktioniere oder mit wenig Aufwand repariert werden könne. Ziel sei, mit dem Verein eine Gemeinschaft von Leuten aufzubauen, die sich mit den alten Instrumenten auskennten und ihr Wissen einbringen könnten.

Derzeit hat der Verein rund 20 Mitglieder aus verschiedenen Fachbereichen, die ohne Entlöhnung arbeiten. Die Miete für die Lagerhalle bezahlt ein privater Gönner. Mittelfristig will der Verein seine Strukturen professionalisieren und die dafür notwendigen Gelder generieren. Er denkt dabei an Eigenmittel aus Mitgliederbeiträgen, Nutzungsgebühren, Eintritten und Schenkungen, aber auch an öffentliche Subventionen. Für die Infrastruktur im Lager, die Inventarisierung und die Organisation von Anlässen rechnen die Verantwortlichen für 2017 mit einem Finanzbedarf von 185 000 Franken und für 2018 mit 200 000 Franken. Christoph Allenspach ist zuversichtlich, dass sich das machen lasse. Dafür spreche nicht zuletzt das Interesse von so namhaften Schweizer Musikern wie Boris Blank und Dieter Meier von Yello, Franz Treichler von The Young Gods oder Sophie Hunger.

«Wir machen jeden Tag neue Entdeckungen.»

Manuel Oberholzer

Musiker und Klangtüftler

Programm

Anschauen und zuhören

Rund um das «Schweizer Museum und Zentrum elektronischer Musikinstrumente» in der Blue Factory findet heute Abend das 34. Internationale Bollwerkfestival seinen Abschluss. Von 18 bis 22 Uhr kann das Publikum das Schaulager besichtigen. Um 22 Uhr bietet Manuel Oberholzer alias Feldermelder eine akustische Kostprobe unter dem Motto «Holy Oscillators»: Der Sensler Klangtüftler stellt ausgewählte Schätze aus der Sammlung auf die Probe und kombiniert sie mit neuen Technologien. Ab 23 Uhr lässt der Zürcher Sacha Winkler alias DJ Kalabrese das Festival ausklingen.

cs

Details und weitere Anlässe des letzten Festivaltages: www.belluard.ch.

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