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Ein Pendler zwischen drei Jahrhunderten

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Urs Haenni

Ganz entblösst steht die Schönheit vor Jean-Louis Allemann. Es ist eine edle Comtoise. Anerkennend schätzt Allemann ihren Jahrgang: «Zwischen 1750 und 1770.»

Die Wände und das Zifferblatt sind beiseite gelegt, das Innere mitsamt Zahnrädern, Spindel, Steg offenbart sich dem Beobachter. Er habe sie komplett auseinandergenommen, so Allemann, alle Teile geputzt, poliert, neue Lager und neue Schnüre eingesetzt.

Es könnte einem bange werden, wenn man daran denkt, dass Allemann mit einem Hammer und Zangen an so einem Prachtstück hantiert, doch die Kunden haben Vertrauen in ihn. Der Murtner ist als Pendulier weitherum bekannt. Leute aus der ganzen Schweiz oder sogar aus Deutschland bringen ihm ihre Grossuhren zur Revision oder zur Reparatur. Vertreter aus der Branche haben ihm gesagt, es gäbe in der gesamten Schweiz höchstens fünf Uhrmacher, die wie er antike Pendeluhren, Tischuhren, Biedermeier-Uhren wieder zu neuem Leben erwecken.

Vertrauen ist sein Kapital, auch wenn Allemann kein Zertifikat vorweisen kann. Er hat keinen Lehrabschluss als Uhrmacher, und doch ist er ein anerkannter Spezialist auf seinem Gebiet.

Mausarm sei er aufgewachsen, sagte der heute im Pensionsalter stehende Pendulier. Als Verdingbub musste er früh hart arbeiten und hat dabei immer wieder Handwerkern über die Schultern geschaut. Eigentlich wäre er gerne Uhrmacher geworden, wie sein Urgrossvater oder Grossvater auch, doch das Geld für eine Lehre in Biel fehlte. So schickte man ihn in die Murtner Saia, wo er bei einem Eignungstest sein Geschick bewies und eine Mechanikerlehre machen konnte, obwohl eigentlich schon alle Lehrstellen vergeben waren. Ab dem zweiten Lehrjahr konnte ihm der Lehrmeister nichts Neues mehr zeigen; Allemann schloss als Kantonsbester ab.

Handfertigkeit Stück für Stück angeeignet

Tatsächlich sind bei Jean-Louis Allemanns heutiger Arbeit vor allem Mechanikerkenntnisse gefragt: «Uhren, das ist reine Mechanik, nichts anderes.» Schon während der Zeit in der Saia beschäftigte er sich mit Uhren. Er hat sich auf Flohmärkten umgeschaut, Uhren gekauft, sie auseinandergenommen, daran herumgedoktert und seine Kenntnisse immer mehr verfeinert. Abends reparierte er zuhause Uhren für Kunden, und vom Uhrmacher Spreng an der Französischen Kirchgasse erhielt er Auftragsarbeiten.

Plötzlich eröffnete Spreng Allemann, er sei krank und könne das Budeli nicht mehr weiterführen; ob denn Allemann das Geschäft nicht übernehmen wolle? Dieser überlegte es sich, begann mit Geldsammeln und machte schliesslich sein Hobby zu seinem Beruf.

Das war vor 30 Jahren, und in dieser Zeit hat sich Jean-Louis Allemann nicht nur eine beneidenswerte Handfertigkeit, sondern Stück für Stück auch ein grosses Wissen angeeignet. «Sich in die Materie hineinlesen? Oh, ja», sagt er. «Das ist so ein riesiges Gebiet. Es erstreckt sich über 300 Jahre, und da gibt es all diese regionalen Unterschiede. Französische, englische, deutsche oder italienische Antikuhren – alle haben ihren eigenen Stil. Ein Uhrmacher hat von einem anderen etwas gesehen, probierte es selber nachzubauen, änderte aber vielleicht wieder Details ab.»

Trotz der vielen Uhren kein Pünktlichkeitsfanatiker

Kaum verwunderlich also, dass der Murtner immer wieder in Fachbüchern nachgeschaut und diese verglichen hat. Er selber verspürte nie den Wunsch, sein grosses Wissen niederzuschreiben. «Aber wenn einmal ein Kenner zu Besuch ist, so tauschen wir durchaus untereinander Wissen aus.»

Trotzdem ist Allemann in all diesen Jahren Tüftler geblieben. Seine ganze Werkstatt ist mit allen möglichen Maschinen und Werkbänken ausgerüstet, die es braucht, um Zahnräder oder Bolzen zu fertigen, ein Holzstück zu drechseln, ein Zifferblatt frisch zu bemalen oder auch um Pendelgewichte zu giessen.

40 Jahre von Uhren umgeben zu sein – ob dies abfärbt? Nein, ein Pünktlichkeitsfanatiker sei er nicht unbedingt, sagt Allemann. Eher geduldig. Zu seinem Arbeitsritual gehört es, dass er jeden Dienstagmorgen alle Uhren in der Werkstatt aufzieht und richtet, um Ende Woche die Genauigkeit zu kontrollieren. Wenn nun halb vier ist, so tut dies jeweils ein richtiges Uhrenorchester kund.

Allemann selber trägt übrigens eine Festina am Handgelenk. Auf den ersten Blick unscheinbar. Aber eben doch speziell: eine Hybrid-Uhr, bei der ein mechanisches Uhrwerk den Akku eines zweiten Uhrwerks auflädt.

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