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Ein Sensler im Hochgebirge

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Autor: Nicole Jegerlehner

Sensler und Walliser haben einiges gemeinsam: Beide sind ruhig und zurückhaltend – und sie sind bescheiden. So ist der Sensler Bruno Jelk auch in seiner Wahlheimat Zermatt kein Aufschneider geworden. Mit unaufgeregten Worten erzählt er von seinem Alltag, den andere als so aufregend und einzigartig ansehen, dass er schon im Fernsehen gezeigt wurde: Bruno Jelk ist Rettungschef von Zermatt.

Jelk hätte einiges, womit er prahlen könnte: Er hat schon unzählige Leben gerettet, er bildet in verschiedensten Ländern Retter aus, und er hat immer wieder Rettungsmaterial verbessert. Doch er erzählt davon, als ob sich alles einfach so ergeben hätte. Dabei investiert er viel Herzblut und Energie in das Rettungswesen.

Jelk, der auf der Riggisalp in Schwarzsee aufgewachsen ist, war schon immer ein Mann der Berge. «Ich kann mit Städten und mit dem Flachland nicht viel anfangen.» Nach Zermatt ist er als Grenzwächter gekommen. «Wir gingen im Hochgebirge der Grenze nach, im Sommer wie im Winter.» Schmuggler sollten davon abgehalten werden, mit ihrer Ware über die grüne – oder weisse – Grenze zu gehen.

Die neue Aufgabe

Mit der Zeit war Jelk auch als Retter tätig. Und als der damalige Rettungschef René Arnold 1980 tödlich verunglückte, wurde er Rettungschef – vorerst für ein Jahr. «Die Grenzwacht wollte schauen, wie die beiden Posten sich nebeneinander vertragen.» Sie vertrugen sich: Nach einem Jahr wurde er definitiv zum Rettungschef. Damals investierte er rund 30 Prozent seiner Arbeitszeit in die Rettung, 70 Prozent blieben für die Arbeit als Grenzwächter. «Am Schluss war es umgekehrt», sagt Jelk – auch, weil er in nationalen und internationalen Kommissionen sitzt. «Die Grenzwacht war sehr grosszügig, ich war quasi freigestellt.»

Die Jelk-Bahre

Seit elf Jahren ist Bruno Jelk pensioniert. Der 69-Jährige arbeitet aber immer noch als Rettungschef und rückt aus, wenn ein Alpinist in Gefahr gerät, ein Skifahrer in eine Gletscherspalte fällt oder sich eine Lawine löst.

Bruno Jelk hat viel dazu beigetragen, dass im Rettungswesen gutes Material eingesetzt wird. «Ich habe nicht gerne drei Mal das gleiche Problem.» Trete ein Problem bei einem Einsatz einmal auf, gehe das noch. «Beim zweiten Mal wird mir unwohl, und beim dritten Mal suche ich nach einer besseren Lösung.» So hat er stundenlang an besseren Bahren und geeigneteren Dreibeinen getüftelt. «Wir wollen professionell helfen – und es geht auch um die Sicherheit der Retter.» So gibt es heute Material, das nach seinem Erfinder benannt ist – beispielsweise die Jelk-Bahre.

Andere Entwicklungen ergaben sich wegen neuer Sportarten. «Die Extremkletterer müssen wir mit der Longline aus den Steilwänden retten.» Und die Gleitschirm-Flieger «hingen plötzlich in schwierigem Gelände oder in Kabeln», sagt Jelk. Und so entwickelte er ein Gerät für die Kabelrettung.

Die Handys

«Wir Retter merken, dass die Leute heute besser ausgerüstet sind und Handys auf sich tragen», sagt Jelk. Das sei positiv: «Der Alarm trifft früher bei uns ein.» Wenn sich ein verunfallter Alpinist melde, könne er auch gleich mitteilen, wo er sei und wie es ihm gehe – im Gegensatz zu früher, als sich spätabends Angehörige meldeten, weil jemand nicht aus den Bergen zurückgekehrt war.

Die Handys wirken sich aber auch negativ aus: «Die Leute gehen los und rufen uns an, wenn es nicht mehr geht – auch ohne Unfall, einfach weil die Nacht kommt oder ein Gewitter aufzieht.» In solchen Fällen machen die Retter eine Risikoanalyse. Ist das Risiko für die Retter grösser als das Risiko einer draussen verbrachten Nacht, müssen die Alpinisten auch einmal warten, bis das Wetter besser ist und die Retter ausrücken. «Es ist auch schon vorgekommen, dass sie dann am nächsten Morgen nichts mehr von einer Rettung wissen wollten und selber zurückgekehrt sind.»

Ist aber jemand in Gefahr, rücken die Retter immer aus, «egal, bei welchem Wetter». Wenn sich unterwegs zeige, dass das Risiko für die Retter zu gross sei, «muss man den Mut haben abzubrechen». Dieser Entscheid falle immer im Team. «Ist jemand verletzt, versuchen wir wirklich alles.» Jelk rückt auch deshalb immer aus, «damit kein schlechtes Gefühl zurückbleibt» – damit er weiss, «wir haben das Maximum gemacht und sind nicht im warmen Bett geblieben».

Doch nicht immer gehen Rettungen gut aus. Zwar sei es selten, dass jemand – beispielsweise an inneren Verletzungen – während der Rettung sterbe, sagt Jelk. Doch letztes Jahr «hatten wir 29 Tote in und um Zermatt». Zwischen 20 und 35 Toten birgt die Rettung Zermatt im Jahr. «Das ist unbefriedigend.» Das Schwierigste sei der Umgang mit den Angehörigen. «Die Polizei informiert die Familien, aber danach kommen sie zu uns.» Dabei sei es wichtig, «Klartext zu reden». Die Angehörigen wollten immer wissen, wie und wo sich der Unfall ereignet hatte – «und ob er leiden musste».

Die Dankbaren

Zu einigen Alpinisten, die Bruno Jelk und sein Team gerettet haben, hat er noch heute Kontakt: Sie schicken ihm Weihnachtskarten oder besuchen ihn. «Merci sagt aber nur ein Prozent.» Und es sei auch schon vorgekommen, dass jemand die Rechnung für die Rettung zurückgeschickt habe – eine Rechnung, die sich schnell einmal auf 2000 bis 5000 Franken belaufen kann.

Bruno Jelk wurde auch schon zu Rettungen ins Himalajagebirge gerufen. Als die Nepalesen sahen, wie die Schweizer am Seil am Helikopter hingen und Alpinisten aus steilen Wänden holten, fragten sie für eine Ausbildung an. «Das ist sinnvoll, denn bis wir aus der Schweiz in Nepal sind, ist der Bergsteiger meist schon tot.» Und so bilden Jelk und sein Team seit bald drei Jahren nepalesische Rettungsteams aus.

Der Sensler hat auch bereits das nächste Projekt auf Lager: Er will erreichen, dass Ärzte in nepalesische Bergdörfer eingeflogen werden, damit die Bevölkerung medizinisch versorgt werden kann. Dazu ist er in Kontakt mit der Freiburgerin Nicole Niquille, die in Nepal ein Spital aufgebaut hat. «Das ist ein grosses Projekt», sagt Jelk. «Aber wir fangen klein an – die Rettung hat bei uns vor hundert Jahren auch klein angefangen, und heute ist sie höchst professionell.»

Bruno Jelk am Seil des Helikopters, mit einem Verletzten – und bei der Arbeit mit dem Dreibein.Bilder zvg

Zur Person

Ein Sensler wird im Wallis berühmt

Bruno Jelk ist 1943 im Kanton Freiburg zur Welt gekommen. Der Sohn von Alphirten ist in Schwarzsee, auf der Riggisalp, aufgewachsen; im Winter ging er in Plaffeien zur Schule. Danach arbeitete er während vier Jahren bei der Sesselbahn Schwarzsee AG. 1965 trat er der Grenzwacht bei; während der Ausbildung kam er an verschiedensten Orten zum Einsatz. Seine erste Stelle als Grenzwächter hatte er von 1966 bis 1972 auf dem Grossen St. Bernhard inne. Während dieser Zeit machte er das Skilehrerbrevet und wurde Bergführer. 1972 wechselte er nach Zermatt. Seit 1980 ist er zudem Chef des Rettungswesens. Jelk ist mit der Senslerin Madeleine Rappo verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. njb

«Ich kann mit Städten und Flachland nicht viel anfangen.»

Autor: Bruno Jelk

Autor: Rettungschef Zermatt

«Die Leute gehen los und rufen uns an, wenn es nicht mehr geht.»

Autor: Bruno Jelk

Autor: Rettungschef Zermatt

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