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Ein Star und eine tragische Figur

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Autor: Matthias Fasel

Die Ausgangslage könnte klarer kaum sein. Mit Casey Dellacqua (WTA 103) steht selbst die schlechtestklassierte Spielerin des vierköpfigen australischen Teams in der Weltrangliste noch vor der Schweizer Nummer eins, Stefanie Vögele (WTA 124). Doch Australiens Coach David Taylor zerschlug an der gestrigen Medienkonferenz etwaige Schweizer Hoffnungen, die Gäste könnten die Partie auf die leichte Schulter nehmen. «Sicherlich sind wir favorisiert. Doch wir waren bereits letztes Jahr gegen die Ukraine der grosse Favorit und haben verloren. Das sollte für uns Motivation genug sein.»

Stosur: Strauchelnde US-Open-Siegerin

Diese Niederlage ist der Grund dafür, dass Australien überraschend in die Weltgruppe II abgestiegen ist. Das Ziel ist deshalb der sofortige Wiederaufstieg. Im Gegensatz zur Niederlage gegen die Ukraine kann Taylor zumindest auf der ersten Etappe auf dem Weg dorthin in Freiburg auf seine besten Spielerinnen zählen. Angeführt wird das Team von Samantha Stosur (WTA 5). Dass sie zu den besten Spielerinnen der Welt gehört, hat die 27-Jährige spätestens letzten Herbst bewiesen, als sie in New York die US Open gewann. «2011 war ein fantastisches Jahr. Mit dem Gewinn eines Grand-Slam-Titels ging für mich ein Lebenstraum in Erfüllung», blickte Stosur gestern noch einmal zurück. Die Erinnerungen an letztes Jahr werden der Australierin ganz gut tun. Denn 2012 hat für sie denkbar schlecht begonnen. Auf das Aus in der zweiten Runde von Brisbane folgten zwei überraschende Erstrunden-Niederlagen in Sydney sowie an den Australian Open. «Ich kann wirklich nicht sagen, was falsch gelaufen ist. Aber mittlerweile habe ich die Enttäuschungen verdaut», so Stosur, die in ihrer Karriere bereits 9,9 Millionen Dollar an Preisgeld gewonnen hat. «Die Saison ist noch lang. Und ich bin überzeugt, dass es noch eine erfolgreiche wird.» Das Frauentennis ist ausgeglichen wie selten zuvor. Bei den letzten acht Grand-Slams gab es sieben verschiedene Siegerinnen. Für sämtliche Spielerinnen in den Top-10 ist deshalb immer alles möglich. Träumt Stosur davon, die Nummer eins der Welt zu werden? «Natürlich wäre ich gerne die Nummer eins. Wenn ich mein bestes Tennis spiele, gehört es zum besten der Welt. Dennoch ist es noch ein weiter Weg. Und es ist nicht so, dass jeden Morgen mein erster Gedanke ist, dass ich nun die Nummer eins der Welt werden will.»

Dokic: Opfer eines Tyrannen

Trotz ihrer Startschwierigkeiten ist Stosur für eines der Einzel von Samstag gesetzt. «Die übrigen Personalentscheide treffen wir in den nächsten Tagen», so Taylor. Die besten Chancen auf einen Einsatz hat Jelena Dokic (WTA 67), obwohl sie in der Weltrangliste um 27 Positionen schlechter klassiert ist als Jarmlia Gajdosowa. Doch Dokic ist im Fed Cup eine Macht. 15:2 lautet ihre Einzelbilanz im Teamwettbewerb. «Ich liebe diese Wochen. Wenn der Fed Cup zu Ende ist, geht jeder wieder seinen eigenen Weg und konzentriert sich auf sich selbst, man ist sonst das ganze Jahr nie in einem Team. Deshalb mag ich die Atmosphäre so.» Aus Dokics Mund klingen diese Worte glaubwürdig, ja fast schon rührend. Denn ihr Name steht quasi stellvertretend für Spielerinnen mit übermotivierten Vätern.

Bei Dokic jedoch war der Vater nicht bloss ein Schleifer, sondern ein regelrechter Tyrann. Das einstige Wunderkind wäre fast daran zerbrochen. Zunächst hatte für Jelena Dokic alles auf eine Traumkarriere hingedeutet. Als 16-Jährige besiegte sie 1999 als Qualifikantin in Wimbledon die damalige Nummer eins, Martina Hingis, in der ersten Runde 6:2, 6:0. 2001 stand sie als 19-Jährige bereits auf Rang vier der Weltrangliste. Doch wegen ihres cholerischen Vaters geriet die Karriere Schritt für Schritt aus den Fugen. Damir Dokic beschimpfte Schiedsrichter ebenso wie Journalisten und seine eigene Tochter. Bei vielen Turnieren erhielt er deshalb Hausverbot. Als er sich auch noch mit dem australischen Verband überwarf, zwang er seine Familie, wieder in die serbische Heimat zurückzukehren. 2005 schliesslich brach Jelena den Kontakt zu ihm völlig ab und spielte fortan wieder für Australien.

Doch das alles ging nicht spurlos an ihr vorüber. Sie kämpfte mit Depressionen, nahm 20 Kilogramm zu, fiel bis Ende 2006 bis auf Rang 621 der Weltrangliste zurück und machte fast zwei Jahre Pause. Nach ihrem Comeback 2008 kehrte die heute 28-Jährige zwar bald wieder in die Top 100 zurück, doch an die grossen Erfolge früherer Tage konnte sie (auch wegen diverser Verletzungen) nie wieder anknüpfen.

Ziel Rückkehr in Top 20

Dafür hat sie sich letzten September nach jahrelanger Funkstille wieder mit ihrem Vater versöhnt, gerade nachdem dieser in einem serbischen Gefängnis eine einjährige Haftstrafe abgesessen hatte, weil er eine australische Diplomatin mit dem Tod bedroht hatte und bei einer Hausdurchsuchung Bomben und Gewehre gefunden worden waren. Dabei hatte Jelena Dokic, die seit Jahren keine Fragen mehr zu ihrem Vater hören will, noch vor einigen Jahren die Zeit mit ihm in Interviews wiederholt als «Hölle» bezeichnet und von psychischen und physischen Misshandlungen gesprochen.

Für 2012 hat die Australierin wieder ambitionierte Ziele. Sie hofft, in die Top 20 zurückzukehren. Eine mögliche Traumkarriere hat ihr ausfälliger Vater Jelena Dokic jedoch vermasselt.

Schweiz:Hoffen auf Wunder und Zuschauer

Das Schweizer Fed-Cup-Team ist auf dem Papier klar schwächer als das australische. Wenig spricht dafür, dass das auf dem Platz anders aussehen wird. Captaine Christiane Jolissaint findet trotzdem drei Gründe, warum ihr Team «dem Sieg mindestens nahe» kommen werde. «Wir spielen vor eigenem Publikum, haben nichts zu verlieren und konnten zudem die Unterlage auswählen. Sand ist gegen Australien sicher die beste Unterlage.» Obwohl Sand wohl tatsächlich nicht Australiens beliebteste Unterlage ist, wird allerdings auch Jolissaint wissen, dass Samantha Stosur 2010 im Final von Roland Garros und Jelena Dokic 2002 immerhin auch im Viertelfinal dieses Grand-Slam-Turniers, das auf Sand ausgetragen wird, stand.

«1200 Zuschauer wären ok»

Also bleibt noch der Heimvorteil. Obwohl Swiss Tennis viele Tickets verschenkt und verlost hat, Jugendliche bis 16 Jahre gratis Eintritt haben und Spielerinnen und Spieler mit einer Lizenz von Swiss Tennis für ein Tagesticket 15 statt 51 Franken bezahlen, wird die 7500 Zuschauer fassende Halle wohl nicht einmal zur Hälfte gefüllt sein. «Wir haben viele Aktionen mit Clubs und Tenniscentern durchgeführt. Aber wir wissen nicht, wie viele Leute dann auch wirklich kommen werden», sagt Mediensprecherin Sandra Perez. «Die Halle ist sehr gross für ein Fed-Cup-Match. Bei der letzten Partie im Tessin kamen 1200 Zuschauer. Wenn es wieder im selben Rahmen ist, wäre das ok.»

Welche zwei Spielerinnen des Trios Timea Bacsinszky, Stefanie Vögele und Amra Sadikovic am Samstag die Einzel bestreiten werden, wollte Jolissaint gestern noch nicht verraten.fm

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