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Ein Steg als Fundament einer Brücke

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Ein schöner Sommertag in La Roche. Die Kinder einer Kindergartenklasse singen fröhlich im Kreis mit ihren beiden Lehrerinnen. Eine ist katholisch, die andere ist reformiert, aber die Kinder kümmert das nicht. Wie in der Klasse im Greyerzbezirk sollen gemischte Lehrerpaare bei den klei- nen Schülern den christlichen Glauben wecken. Dies ist der Gedanke hinter dem Pilotprojekt, den die katholische Ökumene-Dozentin Céline Ruffieux-Morel und der Synodalratspräsident der evangelisch-reformierten Kantonalkirche des Kantons Freiburg, Pierre-Philippe Blaser, verantworten.

Zum ökumenischen Unterricht kam es, nachdem der Kanton den Kindergarten in das Curriculum der obligatorischen Schule eingegliedert hatte. Dadurch stand den beiden anerkannten Kirchen im Kanton eine Unterrichtseinheit pro Woche zur Verfügung. Offen blieb noch die Frage, wie man über diese Stunde verfügen wolle. «Im Gespräch ist man sich bewusst geworden, dass es bereichernder wäre, ökumenisch zu arbeiten», sagt Ruffieux. Dies gilt auch für die Reformierten: «So sehr es für ein Kind wichtig ist, seine Identität aufgrund einer bestimmten Tradition zu entwickeln, so sehr ist es unsere Pflicht, uns für den anderen zu interessieren, ihn zu entdecken und uns an unseren Unterschieden zu bereichern», ergänzt Blaser.

Gemeinsame Ziele

Noch ist das Projekt in der Pilotphase. 44 Personen haben seit 2013 die Schulung durchlaufen. Die Herausforderung liegt laut den Verantwortlichen darin, gemeinsame theologische und religiöse Ziele zu formulieren und den Lehrpersonen Instrumente zu geben, um kohärente und ökumenische Kurse zu entwickeln. «Anfangs gab es eine grosse Unkenntnis des jeweils anderen», betont Ruffieux. Allein das Kreuzzeichen zu Beginn eines Gebets, erzählt sie, habe zu hitzigen Diskussionen geführt.

Aspekte des Glaubens

Eine Liste mit «Tabu-Themen» gebe es nicht, betonen die Katholikin und der Reformierte, aber die konfessionellen Unterschiede gehörten normalerweise nicht zum Unterrichtsinhalt: Sie können aufgegriffen werden, wo sie auftauchen – sofern dies nicht in abwerbender Haltung geschieht. Ansonsten haben sich die Verantwortlichen auf die Konzentration auf allgemeine Aspekte des christlichen Glaubens geeinigt, auf existenzielle Fragen in Verbindung mit liturgischen Festen und Elementen des Glaubens, denen die Kinder im Alltag begegnen.

Die Begegnungen zwischen den Teilnehmern der beiden Konfessionen beschreibt Céline Ruffieux-Morel als «erstaunlich». Ihr Gegenüber gibt ihr recht, wenn sie sagt, die Fortbildungskurse hätten beide Seiten dazu gebracht, ihre konfessionelle Identität neu zu definieren. Nicht nur die Lehrpersonen mussten sich Fragen wie «Was ist mein Glaube?» und «Was möchte ich vermitteln?» stellen, sondern auch die Eltern der Kindergartenschüler. Persönlich zeigen sich die beiden Verantwortlichen glücklich über diese Chance, den eigenen Glauben zu hinterfragen und sich dem je anderen weiter anzunähern.

Das unterschiedliche Funktionieren der beiden Kirchen hat die Umsetzung des Projekts erschwert. Gleichzeitig zwangen die Herausforderungen die Akteure zur Zusammenarbeit. «Die schwierige Umsetzung des Projekts hat zu Interaktionen auf einem weiten Feld geführt, vor allem zwischen Pastoren und Pfarrern», sagt Ruffieux. Die Akteure des Projekts hätten festgestellt, wie nahe sie eigentlich aneinander lebten. Einige hätten sogar weitere ökumenische Projekte initiiert. Diskutiert würden gemeinsame Weihnachtsfeiern in manchen Schulen oder Ausflüge der Katecheten.

Positive Rückmeldungen

Parallel dazu arbeitet die reformierte Kirche mit dem katholischen Bischofsvikar Rémy Berchier an einer Charta für gemeinsame Einsätze. Sie soll eine Reihe von Grundsätzen zur Zusammenarbeit der beiden Kirchen festlegen.

Céline Ruffieux-Morel und Pierre-Philippe Blaser bekommen vor allem positive Rückmeldungen zum ökumenischen Religionsunterricht im Kindergarten. Auch wenn noch unklar ist, ob das Pilotprojekt fortgeführt werden wird, sind sie sich sicher: Die Erfahrung hat das Fundament für eine Brücke gelegt, die geeignet ist, die Ufer der beiden wichtigsten christlichen Traditionen im Kanton anzunähern.

Definition

Die Ökumene, von der viele sprechen

Das griechische Wort «Oikumene» für Haus oder Erdkreis prägte im alten Byzanz die Sicht eines umfassenden Staats- und Religionsverständnisses (Einheit von Staat und Glaube). Seit dem Zweiten Vatikanum wird es für den Dialog zwischen den Kirchen und den Religionen weltweit verwendet.fca

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