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Eine Ausbildung zur Selbständigkeit

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Eine Ausbildung zur Selbständigkeit

Wohnschule soll behinderten Menschen eigenständiges Wohnen ermöglichen

S eit einem halben Jahr leben Florian Eugster und Michael Schäfer in einer begleiteten Wohngemeinschaft mitten in der Stadt Freiburg. Hier lernen sie einen Haushalt zu führen, mit Geld umzugehen und ihre Freizeit zu gestalten. Kurz gesagt: sie lernen autonom zu sein.

Von ILONA STÄMPFLI

Während der Jazz-Parade schlief Florian Eugster regelmässig zu wenig. Da er von seinem Balkon direkt auf die Romontgasse sieht, packte ihn immer wieder die Lust, unter die Leute zu gehen und die Konzerte zu sehen. «Ich war fast jeden Abend bis um Mitternacht auf den Beinen», erzählt er schmunzelnd. «Am nächsten Morgen bei der Arbeit habe ich das dann leider gespürt . . .»

Der 28-jährige Florian Eugster lebt zusammen mit Michael Schäfer in der Wohnschule der Stiftung des Seebezirks für erwachsene Behinderte (SSEB). Im Herbst wird noch eine dritte Person zur Wohngemeinschaft für leicht bis mittelschwer geistig behinderte Erwachsene stossen.

Am gesellschaftlichen
Leben teilhaben

Die Lage der Wohnschule im Zentrum der Stadt wurde bewusst so gewählt. «Die Bewohner sollen sich nicht isolieren, sondern rausgehen und sich in der Gesellschaft integrieren», erklärt Cyprian Eggenschwiler, Leiter der Stiftung SSEB.

Die Wohnschule hilft Menschen wie Florian Eugster und Michael Schäfer ein «ganz normales» Leben als vollwertiges und mündiges Mitglied der Gesellschaft führen zu können. Nicht nur das Haushalten muss gelernt sein, sondern auch das Teilhaben am gesellschaftlichen Leben in einem Dorf oder in einer Stadt.

Das Ziel ist, dass die Absolventinnen und Absolventen der Wohnschule selbständig wohnen können. Für den 24-jährigen Michael Schäfer ist es bald so weit. Er will im Winter ausziehen und seinen eigenen Haushalt führen. Schon jetzt sieht er sich nach einer geeigneten Wohnung um. «Am liebsten würde ich wieder auf dem Land wohnen. Dort ist es weniger stressig und lärmig als hier», meint er.
Die Trennung von der eigenen Familie ist nicht nur für die Behinderten ein grosser Schritt, sondern fordert auch von den Eltern Mut und Verständnis. Für Cyprian Eggenschwiler ist es wichtig, dass die Jugendlichen nicht zu lange im Elternhaus bleiben. «Lebt ein Mensch mit Behinderung vierzig Jahre oder länger bei den Eltern, ist es nachher sehr schwierig für ihn, auf den eigenen Beinen zu stehen.» Oft müssten die Leute dann in ein Heim. Die Eltern sollten früh lernen, ihre Kinder loszulassen, auch wenn diese behindert seien. Der Slogan der Wohnschule, «Los geht’s», treffe deshalb nicht nur auf die Absolventen, sondern auch auf die Eltern zu.
In der Gesellschaft wird es noch heute nicht als Selbstverständlichkeit angesehen, dass ein Mensch mit geistiger Behinderung ein eigenständiges Leben in einer normalen Wohnung und in einer «normalen» Umgebung führen kann. «Es findet jedoch ein Umdenken statt», stellt Eggenschwiler fest. «Die Leute begreifen langsam, dass ein behinderter Mensch kein kranker Mensch ist.»

Florian und Michael ist es auf Grund ihrer Lernbehinderung momentan nicht möglich, einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft nachzugehen. Sie arbeiten in den geschützten Werkstätten der SSEB in Muntelier. An drei Nachmittagen in der Woche folgen sie dem praktischen und theoretischen Unterricht in der Wohnschule.

Auf dem Stundenplan stehen beispielsweise kochen, waschen, einkaufen und putzen. Auch die Körperhygiene und der Umgang mit Geld sind Dinge, die zu einem autonomen Leben gehören und gelernt werden. Einen hohen Stellenwert schreibt Cyprian Eggenschwiler der Freizeitgestaltung zu.
Die Absolventen der Wohnschule entdecken die Stadt mit ihren Freizeitangeboten, planen Ausflüge oder lernen, wie man Kontakte knüpft und diese aufrechterhält. «Das ist sehr wichtig, damit die Leute Selbstsicherheit gewinnen und sich später nicht von der Gesellschaft abschotten», erklärt Eggenschwiler. In der Schule wurde auch gelernt, wie man einen Partner oder eine Partnerin finden kann. «Für die jungen Erwachsenen ist das im Moment ein besonders aktuelles Thema.»

Keine Moralapostel

In der Wohngemeinschaft können die erworbenen Kenntnisse in die Praxis umgesetzt werden. An Werktagen ist von sechs bis elf Uhr morgens und von fünf bis acht Uhr abends eine Begleitperson anwesend. Diese mischt sich so wenig wie möglich in das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner ein. Sie ist jedoch immer da, wenn ihre Hilfe gebraucht wird.

Florian Eugster und Michael Schäfer können in ihrem Zimmer, in der Küche und im Wohnzimmer tun und lassen, was sie wollen. Sie dürfen die Wohnung verlassen, Leute einladen und zum Essen ein Bier oder ein Glas Wein trinken. «Das alles gehört dazu, wenn man selbständig wird. Wir sind keine Moralapostel», betont Cyprian Eggenschwiler.
Florian Eugster und Michael Schäfer haben ihre Ferien für diesen Sommer selber organisiert. Florian besucht für zwei Wochen einen Kollegen in Werdenberg, zu dem er den Kontakt vor ein paar Monaten wieder gefunden hat. «Wir schreiben uns regelmässig SMS», freut er sich. Auch Michael fährt weg. Er geht mit seiner Freundin und deren Eltern nach Frankreich.
Sechs Plätze in zwei Wohnungen

Die Wohnschule in Freiburg wurde ursprünglich von Pro Infirmis gegründet und im Januar dieses Jahres von der Stiftung des Seebezirks für Erwachsene Behinderte (SSEB) übernommen. Zur Wohnschule gehören zwei Wohnungen mit je drei Plätzen und eine kleine Wohnung für den Unterricht.

Die Absolventinnen und Absolventen sprechen Deutsch oder Französisch und leben während zwei bis drei Jahren in der begleiteten Wohngemeinschaft. Sie gehen einer Arbeit in geschützten Werkstätten oder in der freien Wirtschaft nach.
Gegen Ende des Aufenthalts wird den Absolventen geholfen, eine geeignete Wohnung oder einen Platz in einer freien Wohngemeinschaft zu finden. Nach dem Auszug werden sie noch rund einen Monat lang weiter begleitet.

Die Wohnschule kann mit der IV-Rente, Ergänzungsleistungen und dem kleinen Lohn der Werkstätten finanziert werden. Es ist eine Dienstleistung für alle behinderten Menschen und steht nicht nur den Klienten der SSEB zu. ist

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