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Eine Auszeit für die Sicherung der Renten

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Die Putzfrau stösst einen Wagen mit Besen und Putzlappen durch einen Gang der Universität Miséricorde. Sie trägt eine hellblaue Schürze mit dem Logo der Uni. Auf die Frage, wo die Arbeitsniederlegung des Uni-Personals stattfinde, schaut sie verdutzt. «Sie wollen eine Pause machen?», fragt sie zurück und beschreibt dann den Weg zur Cafeteria.

Punkt 9 Uhr. Beginn der angekündigten einstündigen Arbeitsniederlegung des Staatspersonals. Mit der Aktion demonstriert dieses gegen die geplante Reform der Pensionskasse und für den Erhalt einer angemessenen Rente.

Die Tür zum Uni-Rektorat ist offen, und die Rektorin ist anwesend. Astrid Epiney weiss, dass sich gleich unter ihrem Büro Mitarbeiter der Universität versammeln. «Die Frage der Pensionskasse ist von Bedeutung», sagt sie. Das Rektorat nahm zur Arbeitsniederlegung nicht speziell Stellung, aber Epiney verweist auf ein Schreiben von Staatsrat Georges Godel (CVP), der die Aktion als illegal bezeichnet hatte.

Orange Kleber überall

Die beiden Sekretärinnen des Rektorats gesellen sich für die Zeit ihrer Kaffeepause zu den Personen, die unterdessen vor der Ehrenhalle protestieren. «Die Rentenreform ist schon etwas fraglich», meint die eine Mitarbeiterin. «Andererseits arbeite ich für Frau Epiney, und sie kann ja nichts dafür.» Ihre Kollegin sagt, sie nehme erstmals überhaupt an «einer kleinen Revolution» teil.

Auf der Treppe vor der Ehrenhalle haben sich rund 100 Personen eingefunden. Sie kleben sich orange Kleber auf die Jacken: «Gegen Rentenabbau, für den öffentlichen Dienst!»

Ein Flugblatt legt dar, was die Ziele der Arbeitsniederlegung sind: dem Staatsrat ein klares Signal zu senden, dass man mit einer Reform der Pensionskasse nicht einverstanden ist, welche die Renten reduziert und die Qualität des öffentlichen Diensts gefährdet. Besonders in der Kritik steht der geplante Wechsel vom Leistungs- zum Beitragsprimat.

In Sichtweite der Universität befindet sich die Finanzdirektion. 9.20 Uhr. Gesprächslärm dringt aus der Kantine im ersten Stock. Rund die Hälfte der Tische sind besetzt, man trinkt Kaffee, spricht über die Arbeit. Von Flugblättern und orangen Aufklebern keine Spur.

Bei der Staatskanzlei im Burg-Quartier öffnet eine Angestellte das Fenster beim Empfang. Die Arbeitsniederlegung ist unterdessen seit einer halben Stunde im Gang. Der Staatsrat habe gerade wie jeden Dienstagmorgen seine Arbeitssitzung, und auch die Staatskanzlerin nehme daran teil.

9.45 Uhr. Vor dem Amt für Strassenverkehr und Schifffahrt wartet ein Mann auf die Expertise seines Autos. Er hätte vor zehn Minuten dran sein sollen. In der Prüfhalle wird gerade ein Lastwagen inspiziert. Dann schreitet ein Prüfer zum wartenden Mann und beginnt mit der Inspektion des Fahrzeugs. In der Empfangshalle sind alle Schalter besetzt, es herrscht Hochbetrieb. Im Untergeschoss verkündet eine Anzeigetafel: «Zurzeit werden keine Prüfungen angeboten.» Ein Hinweisblatt informiert aber darüber, dass an Dienstagen auch sonst keine Theorieprüfungen stattfinden. Der Direktor des Amts ist an einer ­Sitzung.

Um das Ausmass der Arbeitsniederlegung aufzuzeigen, haben die Personalverbände dazu aufgerufen, Bilder der Protestaktion zu machen. Gegen Mittag waren auf der Website 52 Bilder aufgeschaltet. Sie zeigen mehrere Hundert Personen, meist in Schwarz gekleidet und mit dem orangen Aufkleber gekennzeichnet. Einige Bilder sind anonymisiert: Zu sehen sind nur Beine, Hände oder Rücken. Auf anderen Fotos sind hingegen Angestellte mit ihren Gesichtern an ihrem Arbeitsort zu sehen.

Ein neues Projekt gefordert

Gemäss einer Mitteilung der Personalverbände VPOD und Fede haben 3000 bis 4000 Personen an der Arbeitsniederlegung mitgemacht. Laut Jacque­line Häfliger, Präsidentin der Lehrerinnen und Lehrer Deutschfreiburg, wurde der Aufruf in Deutschfreiburg besser befolgt als erwartet. Aufgrund der Fotos schliesst sie auf 150 Personen. Ein Team beschloss, Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen (CVP) einen Kaktus zu schicken.

Die Personalverbände hatten am Vortag noch Anweisungen dazu gegeben, wie sich Angestellte vor Sanktionen schützen können: indem sie zum Beispiel während der Pause an der Aktion teilnehmen oder ausstempeln und dies dem Vorgesetzten mitteilen.

Für den VPOD und die Fede ist der gestrige Tag ein Zeichen dafür, dass das Personal das Reformprojekt ablehnt. Es müsse neue Verhandlungen geben. Eine Sitzung mit dem Staatsrat finde am 8.  Mai statt, und da erwarteten sie Vorschläge von der Regierung.

uh

In schwarzen T-Shirts protestieren statt in weissen Kitteln behandeln

In der Eingangshalle des Spitals HFR am Standort Freiburg wurde gestern viel diskutiert: Rund 45 Spitalangestellte protestierten gegen die Pensionskassenreform des Staatsrats (siehe Text oben). Von neun bis zehn Uhr legten sie ihre Arbeit nieder und ersetzten ihre Arbeitskleidung durch schwarze T-Shirts – alle mit einem Kleber auf dem Rücken: «Gegen Rentenabbau, für den öffentlichen Dienst».

«Mit Sanktionen gedroht»

Zu den Vorträgen von Mitgliedern der Gewerkschaft VPOD, dem Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste, klatschten und applaudierten sie, es gab sogar Buhrufe. «Es braucht eine bessere Reform als diese.» Sie bedankten sich auch bei den Leuten für das zahlreiche Erscheinen, denn es sei ein «historischer Tag, weil erstmals mehrere Personen von öffentlichen Diensten gemeinsam die Arbeit niederlegen».

Es habe Mut gebraucht, seinen Posten zu verlassen, sagte eine Krankenschwester zu den FN, denn der Druck von oben sei gross. «Sie haben uns mit Sanktionen gedroht.» Das habe ihm zu denken gegeben, sagte Wolfgang Müller, Coach-Ausbildner am HFR und Präsident der Verbandskommission Gesundheit im VPOD: «Die Verantwortlichen des HFR sollten doch Vertrauen in ihr Personal haben. Trotz Arbeitsniederlegung stehen die Patienten bei den Angestellten an erster Stelle, die Versorgung ist gewährleistet.» Er freue sich aber, dass trotzdem 45 Leute den Schritt gewagt hätten und protestieren würden, sagte Müller.

jp

Auch Lehrpersonen legten die Arbeit nieder – so etwa an der OS Belluard

Fast alle Lehrpersonen  der Orientierungsschule  Belluard in der Stadt  Freiburg machten gestern deutlich, dass sie nicht bereit sind, Renten­kürzungen hinzunehmen.

Das Staatspersonal hat ein Gesicht. Es sind Menschen wie jene, die am Dienstagmorgen auf der Treppe vor der Orientierungsschule Belluard zusammenkommen, um gegen die geplanten Rentenkürzungen zu demonstrieren. Menschen, die die Töchter und Söhne dieser Gesellschaft unterrichten und fit für die Zukunft machen. «Die Frage ist nicht, ob wir wegen der Revi­sion befürchten, in Altersarmut zu geraten oder unsere Kaufkraft zu verlieren», macht Lehrer Jacques Comment klar. «Das ist eine naive Frage und sie führt in die Irre.» Argumente, wonach Staatsangestellte gegenüber Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft privile­giert seien, lenkten vom Kern der Sache ab. «Es geht um Respekt», sagte Comment den FN. Er ist seit 22 Jahren in seinem Beruf. «Wir arbeiten, und das verdient Anerkennung.» Notabene in Form einer ordentlichen Rente.

Eine Kollegin, die selber kurz vor der Pensionierung steht, findet: «Es ist nicht in Ordnung, dass die Einsparungen allein auf dem Rücken der Angestellten getätigt werden.» Und eine jüngere Lehrerin kritisiert: «Sie wollen unsere Renten kürzen, dabei geht es der Pensionskasse finanziell gut, hört man sagen.»

Auf dem Pausenplatz, wo die Schülerinnen und Schüler wegen der Arbeits­nie­der­legung ihrer Lehrerinnen und Lehrer eine ausgedehnte Pause genies­sen, steht auch der Direktor der OS Belluard. François Michel ist da, um zum Rechten zu schauen, aber auch, um seine Solidarität zu bekunden. «Ich kann die Anliegen meiner Kolleginnen und Kollegen verstehen – natürlich.»

rs

Staatsrat

In den kantonalen Direktionen 180 Personen gezählt

In den Augen des obersten Personalchefs des Kantons, Staatsrat Georges Godel (CVP), wurde der Aufruf zur Arbeitsniederlegung nur schwach befolgt. Eine Umfrage in den sieben Direktionen habe eine Teilnahme von 180 Personen ergeben, so Godel. Da seien die Schulen aber nicht mitgerechnet. «Das Personalamt wird eine Untersuchung machen und einen Vorschlag unterbreiten.» Dabei werde berücksichtigt, wer während der Pause an der Aktion teilgenommen oder ausgestempelt habe. «Ich will keine Juristerei lostreten», sagt Godel. Die schwache Beteiligung hänge damit zusammen, dass die Angestellten verstünden, dass die Verhandlungen weiterliefen und man zu einem Konsens kommen werde.

uh

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