Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Eine baltische Ostsee-Brise in Freiburg

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Labdien!», begrüsst die lettische Gruppe rund um den Flötisten Piters Daugulis das Freiburger Publikum. Der Raum ist rappelvoll, etwas unsicher lassen die vier lettischen Musikanten ihre Augen über die Zuschauer gleiten. Dann setzen die Sängerinnen an; klare Stimmen, begleitet von einer Violine, erfüllen den Saal mit exotischen Klängen. Die Akustik der Steinhöhle ist hervorragend, und das Publikum verstummt. Daugulis beginnt auf einer Flöte zu spielen, die aussieht wie eine Kinder-Blockflöte aus dem Supermarkt. Seine Finger tanzen auf dem Instrument, das er nur mit seinem äussersten Mundwinkel spielt, und schon bald hat er damit den ganzen Saal zum fröhlichen Mittanzen animiert.

Nudeln oder Fritten?

In einer klangvollen Sprache, bei der weder Deutsch- noch Französischsprachige den Hauch einer Chance aufs Verstehen haben, singt die Gruppe von Flüssen, weiten Landschaften und darüber, wie man Wäsche richtig wäscht. Doch nicht nur die lettischen Ostsee-Küsten bringen Piters Daugulis ins Schwärmen: «Ich liebe die Schweiz. Man kann in jedem Restaurant zwischen mehreren Beilagen auswählen, egal ob Nudeln, Reis oder Fritten.» Ferner gefalle ihm, dass alles so modern und sauber sei, zum Teil fast beängstigend reinlich: «Ich habe kein einziges Graffiti gesehen!», so der 22-Jährige fassungslos. Dies sei seine erste Reise in den Westen, und er sei glücklich darüber, etwas aus seiner eigenen Kultur in Freiburg vortragen zu können.

Trippeln, treten, tanzen

Die Kleinen und Jugendlichen aus dem Baltikum haben ihren grossen Auftritt am späteren Nachmittag im Equilibre. Kinder jeden Alters haben sich für die Vorführung versammelt, ein aufgeregt ungeduldiges Stimmengewirr füllt den Saal. Kinder aus Nordossetien, Lettland und der Ukraine führen die traditionellen Tänze ihres Landes vor. Kleine Supertänzer im Barock-Outfit wirbeln zu irren nordossetischen Klängen auf der Bühne herum. Die Tänze bestehen aus Luftsprüngen, in die Hüften gestemmten Händen und viel hastigem Trippeln. Die Jungen lassen sich auf die Knie fallen, nur um gleich wieder aufzuschnellen, machen fünf Spagate nacheinander und tänzeln weiter. Die lettischen Mädchen haben ihre Haare alle zu Zöpfchen gebunden. Sie versprühen eine ansteckende Lebensfreude, klatschen, stampfen, rennen zu Flötenmusik. Die jüngste Tänzerin aus Lettland ist gerade mal sechs Jahre alt. Die Freiburger Kinder lieben die exotische Show, die sich ihnen bietet. Spätestens als die lettische Kindergruppe die Freiburger Zuschauer auf die Bühne holt, um mit ihnen im Kreis zu tanzen und Klatschspiele zu machen, ist es um sie geschehen–und der erhoffte Kulturaustausch geglückt.

Programm

Heute am Folkloretreffen

18 Uhr:Auftritt der südamerikanischen Gruppen aus Chile und Uruguay im Dorf der Nationen auf dem Georges-Python-Platz.18 Uhr:Auftritt einer portugiesischen Folklore-Gruppe aus dem Greyerzbezirk, am selben Ort.20 Uhr: Gala-Spektakel der Länder Martinique, Lettland, Neuseeland, Chile und der Ukraine im Equilibre.22 Uhr:«Un autre regard», Nachthimmel- Ritual und Anden-Karneval im Belluard-Turm.kf

Konflikt: Lieber Kultur als Politik

Unter den drei Kindergruppen, die gestern Nachmittag im Rahmen des Internationalen Folkloretreffens (RFI) im Equilibre in Freiburg auftraten, waren neben Lettland auch diejenigen aus der Ukraine und aus Nordossetien (Russland). Er habe mit den beiden Gruppen Kontakt aufgenommen, bevor der bewaffnete Konflikt zwischen den beiden Ländern ausgebrochen sei, sagte der künstlerische Direktor Stéphane Renz den FN. Obwohl nun beide Gruppen gut in Freiburg angekommen seien, hätten die Unruhen für einigen Mehraufwand gesorgt. So könne er von Glück reden, dass die Mitglieder der Gruppe aus der Ukraine ihre Visa erhalten hätten. «Da es Kinder sind, werden sie in ihr Land zurückkehren. Wären sie zwischen 18 und 25 Jahre alt, wäre es wohl unmöglich gewesen, ein Visum zu bekommen.»

Ebenfalls habe er viele Telefonate mit Eltern aus beiden Ländern geführt. «Ich musste den Eltern versichern, dass ihre Kinder hier in der Schweiz gut aufgehoben sind», so Renz. Und schliesslich habe die russische Gruppe bei der Anreise nicht die Ukraine durchqueren können und habe einen Umweg genommen.

Kein Thema scheint der Konflikt hingegen bei den beiden Folkloregruppen zu sein.

Sie habe keinen Moment an einer Teilnahme gezweifelt, sagte Macha Danishevskoya, Koordinatorin der Gruppe aus Nordossetien, gegenüber den FN. «Wir machen hier Kultur und keine Politik.» So kämen die Kinder, die grösstenteils im Alter zwischen 9 und 13 Jahren sind, sehr gut mit der Gruppe aus der Ukraine aus. «Sie sind unschuldig.» Zudem begreife auch sie selbst nicht, wo das Problem liege. «Wir haben doch alle dieselben Wurzeln, wir sind ein Volk. Von unserer Seite aus gibt es kein Problem», so Danishevskoya.

Ähnlich klingt es auch auf ukrainischer Seite. «Wir haben nie darüber diskutiert, ob wir kommen sollen oder nicht», betont Gruppenleiterin Larissa Koval; insbesondere auch, da die Schweiz sehr sicher sei. Auch den Konflikt relativiert sie: «Es ist der Konflikt Putins, der Politiker. Wir hingegen haben viele Freunde in Russland», sagt sie und fügt mit einem Schmunzeln an: «Wir trinken doch auch Wodka.» rb

Mehr zum Thema