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Eine ethische Güterabwägung

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Es gibt wohl wenige Themen, an denen sich die Geister derart scheiden, wie an Tierversuchen. Die Universität Freiburg ist neben Zürich die einzige in der Schweiz, an der derzeit mit Affen experimentiert wird – mit Makaken. Diese Domäne obliegt dem 65-jährigen Eric Rouiller, Medizinprofessor und Spezialist für Neurophysiologie. Seit 30 Jahren ist er auf diesem Gebiet tätig.

«Tierversuche gibt es schon seit der griechischen Antike, und namentlich seit den 1930er-Jahren haben sie massgeblich zum Fortschritt der Humanmedizin beigetragen», sagt er im Gespräch. Als Beispiele nennt er die Entwicklung von Impfstoffen gegen die Diphtherie, die Kinderlähmung, das Gelbfieber, die Masern, Hepatitis B und Milzbrand. Aber auch bei der Erforschung von Aids, der Parkinsonschen Krankheit sowie der Entwicklung der Chemotherapie gegen Krebs hätten sie stets eine entscheidende Rolle gespielt. Tierversuche seien weltweit eine Realität, so Rouiller. Was die diesbezügliche Rolle Freiburgs auf der akademischen Landkarte betreffe, so könne sich die Saanestadt in quantitativer Hinsicht natürlich nicht mit Institutionen wie Oxford, Harvard oder der ETH messen. In qualitativer Hinsicht gehöre man indes durchaus zur Weltspitze, vor allem, weil man sich auf Nischen-Forschung spezialisiert habe.

Das Spektrum der in Freiburg erforschten Tiere reicht laut Rouiller von einfacheren Lebensformen wie der Fliege oder dem Wurm über Fische, Mäuse und Ratten bis zu Tupai und Makaken. Von 2009 bis zum August 2017 sei die Universität Freiburg sogar die einzige in der Schweiz gewesen, die auf Hochschulebene Versuche mit Affen durchgeführt habe, da die entsprechenden Projekte in Zürich blockiert gewesen seien. Daneben gebe es freilich noch die Versuchslabore der Pharma-Unternehmen Novartis und Roche in Basel, die jedoch derzeit erwägen würden, ihre Affen-Labore in andere Länder zu versetzen.

Nie direkt aus der Wildnis

Die Makaken, mit denen Rouiller arbeitet, stammen aus China, Vietnam, Mauritius und den Philippinen – und nie direkt aus der Wildnis. Vielmehr gebe es in diesen Ländern grosse Zuchtzentren, und in der Regel müssten die Tiere zuerst zwei Generationen in diesen Zentren leben, bis sie für die Forschung freigegeben würden. Die Universität Freiburg beziehe diese Tiere von einem französischen Importeur. Rouiller kaufe in der Regel etwa fünf Tiere pro Jahr. Die Universität Freiburg habe zwar Kapazität für 25 Makaken. In den Forschungsprotokollen der letzten zwei Jahre seien beispielsweise nur ein rundes Dutzend Tiere erwähnt. So könne man den Tieren bei der Haltung sogar noch mehr Raum gewähren, als vom Gesetz vorgeschrieben sei – namentlich externer Raum. Aus­ser den Affen habe die Universität Freiburg im Jahr 2016 mit 4700 Mäusen, 626 Ratten und rund 20 Tupai gearbeitet. Grundsätzlich seien für Wirbeltiere und Kopffüsser eine entsprechende tierärztliche Autorisierung nötig, für Fliegen und Würmer nicht.

Rouillers Forschungen konzentrieren sich auf Therapien für verschiedene Arten von Nerven-Pathologien. Dazu gehören partielle Rückenmarkverletzungen, wie sie für Para- und Tetraplegie typisch seien. «Wir durchtrennen operativ gezielt Nervenstränge und versuchen, die Tiere mit gelähmten Gliedern mittels elektrischer Stimulation und medikamentöser Behandlung anschlies­send wieder zum Laufen zu bringen», so Rouiller. Erste Ergebnisse seien aber erst in zwei, drei Jahren zu erwarten. Weitere Forschungsschwerpunkte seien Gehirnverletzungen infolge von Gehirnblutungen sowie die Behandlung von Drogensucht mittels elektrischer Stimulation – durch Elektroden, die den Tieren implantiert werden. Insgesamt arbeitet ein 20-köpfiges Team an diesen Versuchen mit, darunter Doktoranden, Postdoktoranden und Techniker.

Strenge Auflagen

Für die ethische Seite von Tierversuchen und die Anliegen von Tierschützern bringt Rouiller grundsätzlich grosses Verständnis auf. Umso wichtiger sei es ihm, die Öffentlichkeit über die Tatsachen zu informieren. Tierversuche würden in der Schweiz gesetzlichen Regelungen unterliegen, die wohl in kaum einem anderen Land so streng wie hier seien. Letztlich stehe am Ende der Ethik-Diskussion aber immer eine Güterabwägung. Auf der einen Seite stehe das Leiden gewisser Tiere, auf der anderen Seite die Hoffnung von Millionen von Patienten. Daher versuche man, so wenig Tiere wie möglich zu benutzen, möglichst wenig invasive Methoden zu verwenden und drittens Tierversuche so weit möglich durch andere Methoden zu ersetzen. Operative Eingriffe würden selbstverständlich immer unter Anästhesie durchgeführt. Aber einfach nur mit Zellkulturen oder Computer-Simulationen zu arbeiten, wie dies gewisse Tierversuchsgegner wünschten, sei nicht ausreichend, um alle gesetzten Forschungsziele zu erreichen.

Eins sei aber klar: Ohne einen konkreten Zweck würde kein einziger Versuch durchgeführt. Denn das Ganze koste letztlich Millionen. Ein Affe koste im Einkauf 5000 Franken sowie 5 Franken pro Tag in der Haltung. Daneben habe er rund 20 Mitarbeiter zu bezahlen. Nicht zuletzt gebe es eine klare demokratische Legitimierung von Tierversuchen. Drei Versuche, sie mit Volksini­tiativen abzuschaffen, seien 1985, 1992 und 1993 mit Zweidrittelmehrheit an der Urne gescheitert.

Die innere Uhr von Mäusen

Mit einer ganz anderen Art von Versuchen befasst sich der 55-jährige Biochemie-Professor Urs Albrecht. Er erforscht seit 25 Jahren das Thema «Innere Uhr» anhand von Mäusen. «Die innere Uhr ist bei allen Lebewesen eine Realität», sagt er, «von den Menschen über die Wirbeltiere bis zu Pflanzen, Pilzen und Bakterien.» Sie sei im Prinzip vom Hell-Dunkel-Rhythmus steuerbar und letztlich eine evolutionäre Anpassung an den Rotationsrhythmus unseres Planeten. Der inneren Uhr eines ganzen Organismus entspreche übrigens immer auch eine innere Uhr jeder einzelnen Zelle.

Bei seinen Mäusen untersuche er dieses Thema zusammen mit einem zehnköpfigen Team anhand von verhaltenswissenschaftlichen Tests. So ändere er mit der Beleuchtung bewusst den Wach-Schlaf-Rhythmus der Tiere oder füttere sie zu unterschiedlichen Zeiten, um zu schauen, wie sie darauf reagieren würden. «Es gibt sogar depressive Mäuse», so Albrecht. Diese würde man daran erkennen, dass sie bei einer Herausforderung viel schneller aufgeben würden als nicht depressive Tiere. Die Tests an den Mäusen sind um einiges kostengünstiger als Rouillers Affen-Experimente. Da die Tiere im Haus gezüchtet werden, fallen keine Anschaffungskosten an, und für die Haltung rechnet Albrecht mit Kosten von 20 bis 30 Rappen pro Tag und Maus.

«Forscher würden abwandern»

Albrechts Experimente sind ausserdem auch weniger invasiv als diejenigen von Rouiller. Grundsätzlich zweifelt er aber ebenso wenig an der Not­wendigkeit von Versuchen für den wissenschaftlichen Fortschritt, und natürlich stellt auch er sich der Ethik-Debatte. Würde man Tierversuche in der Schweiz gänzlich verbieten, dann würden die Forscher laut Albrecht wohl einfach ins Ausland abwandern, wo die gesetzlichen Auflagen im Dienste des Tiers weit weniger streng seien. Grundsätzlich gelte es, jedes Tier – auch jedes Versuchstier – mit der ihm zustehenden Würde zu behandeln.

«Grundsätzlich gilt es, jedes Tier – auch jedes Versuchstier – mit der ihm zustehenden Würde zu behandeln.»

Urs Albrecht

Biochemie-Professor

«Tierversuche haben seit den 1930er-Jahren massgeblich zum Fortschritt der Humanmedizin beigetragen.»

Eric Rouiller

Medizinprofessor

Die Stimme eines Kritikers

«Ich höre zahlreiche Klagen von Studierenden»

Ein Kritiker der Tierversuche an der Universität Freiburg ist Luc Fournier, Präsident der Schweizer Liga gegen Vivisektion und für die Rechte des Tieres. «Es gibt im Zusammenhang mit diesen Tierversuchen mehrere Probleme», sagt er. Eines sei das mangelnde Engagement der Universität für Methoden, die Tierversuche ersetzen könnten. Er höre zahlreiche Klagen von Studierenden, die sich von ihren Professoren geradezu dazu gezwungen fühlten, mit Tieren zu arbeiten. Dabei stünden als Alternative etwa Computer- Simulationen zur Verfügung.

Gewisse Professoren würden zudem mit gezielter Einflussnahme versuchen, die Studenten bezüglich des Themas Tierversuche zu desensibilisieren. «Das Ziel dieser Bemühungen ist, zu erreichen, dass Tierversuche als etwas Normales betrachtet werden», so Fournier. Der Grund dafür sei, dass die entsprechenden Professoren selbst Tierversuche durchführten. Da liege es in ihrem Inte­resse, so viele Befürworter wie möglich für ihr Tun zu gewinnen. Als Erstes versuchten sie es daher bei ihren Studierenden, die ja auch im Hinblick auf die eigene akademische Karrie­re von ihnen abhängig seien.

Geradezu «schockierend» sei laut Fournier zudem, dass die Rechte von Versuchstieren im Rahmen der jüngsten Verordnung zum Tierschutzgesetz weiter eingeschränkt worden seien – im Unterschied zu Tieren auf Bauernhöfen, deren Haltungsbedingungen sich mit derselben Verordnung verbessern würden. Davon seien die asiatischen Tupai, mit denen die Forscher an der Universität Freiburg arbeiten würden, besonders betroffen. Der ihnen zustehende Platz sei von den bisherigen sechs Quadratmetern schlicht halbiert worden.

«Astronomische Kosten»

Was das Leiden der Tiere betreffe, so sei dieses laut Fournier bei den an der Universität Freiburg verwendeten Makaken noch grösser als bei den Tupai. So würden etwa mittels unnötiger Operationen einzelne Glieder dieser Tiere gezielt gelähmt. Davon würden sich die Forscher Erkenntnisse für die Paralyse-Forschung beim Menschen erhoffen. Es gebe aber auch noch weit invasivere Praktiken, über die sich die Universität Freiburg konsequent ausschweige. So würden den Tieren etwa gezielt Gehirnverletzungen beigefügt, wovon man sich neue Erkenntnisse zu Krankheiten wie dem Parkin­son-Syndrom erhoffe.

«Ob Tierversuche nötig sind für den Menschen, ist schwierig zu sagen», so Fournier weiter. An der Universität Freiburg würden sie schon seit Jahrzehnten durchgeführt – die sichtbaren Resultate würden jedoch eher bescheiden scheinen. Dem gegenüber stünden geradezu astronomische Kosten, ein beträchtliches Risiko für den Menschen, hohe Abfälle und eine hohe Anzahl letztlich nutzloser Experimente. Natürlich gebe es auch Tierversuche, die nicht durch andere Methoden ersetzbar seien. Doch stellten diese eine klare Minderheit aller Experimente dar. Insgesamt seien im Kanton Freiburg im Jahr 2016 rund 13 300 Tiere für Tierversuche eingesetzt worden. Das scheine auf den ersten Blick eine grosse Zahl zu sein, relativiere sich aber, wenn man sie mit den Zahlen der Nachbarkantone vergleiche. In Genf seien es rund 41 000 Tiere und im Kanton Waadt 88 000 Tiere. Die Zahlen im Kanton Freiburg hätten sich namentlich seit der Schliessung des Tierversuchsanstalt Elanco der Novartis in Saint-Aubin verringert. Gegenwärtig würden fast nur noch an der Universität Freiburg Tierversuche durchgeführt.

Volksinitiative ist lanciert

Auf gesetzlicher Ebene lasse sich gemäss dem heutigen Stand der Dinge wenig unternehmen. Anfang Oktober sei aber bundesweit eine weitere Volksinitiative zum Stopp von Tierversuchen lanciert worden. Parallel dazu gebe es auch in mehreren Kantonen entsprechende kantonale Initiativen. Theoretisch wäre der Schutz der Tiere mit dem heutigen Tierschutzgesetz schon ausreichend gegeben. Dort heis­se es nämlich, dass der Bund Massnahmen unterstützen solle, die Tierversuche durch andere Forschungsmethoden ersetzen könnten. Allerdings gebe es diesen Gesetzespassus schon seit Jahrzehnten, und er werde einfach nicht konsequent genug umgesetzt.

jcg

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