Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Eine fabelhafte Familiengeschichte

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Aldo Fasel

Joschi Molnár, Lilys Grossvater, bleibt ein Rätsel. Der famose Fabulierer habe seinen Kindern etliche Versionen seines Lebens hinterlassen, lesen wir im Klappentext. Als sich die Halbgeschwister Hannah, Marika und Gabor treffen, um Joschis hundertsten Geburtstag zu feiern, prallen Welten aufeinander. In rasanten Dialogen und skurrilen Szenen nähern sie sich der Wahrheit – und finden zueinander.

Blick in die Familiengeschichte

In Weimar, ein Steinwurf vom KZ Buchenwald entfernt, treffen sich die Nachkommen von Joschi, um seiner gebührend zu gedenken. Er wäre zu dieser Zeit 100 Jahre alt geworden. Die Geburtstags- und Gedenkfeier entwickelt sich jedoch immer mehr zu einer Art Vergangenheitsbewältigung im Familienkreis.

Es handelt sich jedoch in keiner Weise um einen historischen Roman. Nationalsozialismus und Judenverfolgung figurieren lediglich als «Zutaten», die aber nicht gänzlich weggelassen werden können, da die Familiengeschichte ohne diesen historischen Kontext auch wieder nicht denkbar wäre. Obwohl der Roman in ein ernsthaftes Umfeld eingebettet ist, wird der Leser mit Szenen konfrontiert – selbst in Buchenwald -, die unweigerlich zum Schmunzeln führen.

Ein erfundenes Leben?

Joschis Biografie ist mehr als dubios, keiner sieht so richtig durch, Joschis Leben war ein Buch mit sieben Siegeln. Er will als Jude im KZ Buchenwald inhaftiert gewesen sein. Er ist der mutmassliche Vater einer Schar von Kindern von fünf verschiedenen Frauen. Über ihn werden fantastische Geschichten erzählt, welche er möglicherweise selber in die Welt gesetzt hat. Die Frage nach deren Wahrheitsgehalt bleibt wohl für immer unbeantwortet. War er Opfer tragischer Verstrickungen, ein freches Schlitzohr, ein faustdicker Lügner? Vielleicht hat er seine KZ-Vergangenheit auch nur fabelhaft erlogen, um eine angemessene Entschädigung einklagen zu können. Doch, letzten Endes, ist diese Frage für Lily gar nicht mehr so wichtig. Ihr geht es darum, hinter das Geheimnis des wahren Joschi Molnár zu kommen. Seine echte Persönlichkeit ist es, die ihr Interesse weckt. Sie will sich nicht damit abfinden, dass man ihren Grossvater auf einen lebenslustigen, unzuverlässigen Nichtsnutz reduziert, wie ein Spruch über ihn vermuten lässt: «Er liebte die Frauen, er hatte keine Ahnung von Verhütung, er log wie gedruckt, und wenn es eng wurde, verpisste er sich.»

Gleich in ihrem Erstlingsroman ist Susann Pásztor ein hinreissender Familienroman gelungen, reich an witzigen, ironischen Elementen und überlegt gesetzten Pointen. Diese geglückte Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit weiss auch durch ihre direkte und frische Sprache zu überzeugen.

Susann Pásztor: «Ein fabelhafter Lügner», Roman. Köln: Kipenheuer & Witsch, 2010. – 204 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

Mehr zum Thema