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«Eine falsche gute Idee»

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Die neu lancierte Initiative zur Organspende verursache mehr Probleme, als sie löse, sagt François-Xavier Putallaz. Der Philosoph und Professor an der Universität Freiburg präsidiert die Kommission für Bioethik der Schweizer Bischofskonferenz, er äussert sich hier aber nicht im Namen der Kommission. Denn diese steckt mitten in der Erarbeitung eines Dokuments zur Transplantation, in dem auch die Frage des Organspende-Modells vorkommt.

Was halten Sie von der neuen Initiative betreffend Organspende?

Diese Initiative ist eine falsche gute Idee. Das Ziel ist gewiss lobenswert, nämlich die Zahl der Organspender zu erhöhen. Das von der Initiative vorgeschlagene Mittel dazu ist jedoch kontraproduktiv: Die Zahl der Organspender wird nicht erhöht.

Finden Sie die aktuelle Organspende-Situation gut?

Sie ist gewiss nicht befriedigend, denn die Anzahl Spender ist viel zu niedrig. Um diese Situation zu verbessern, braucht es aber andere Fördermassnahmen, die effizienter sind als eine Gesetzesänderung. Wenn also die Initiative eine Bewusstseinsbildung bewirkt, ist das vielleicht sinnvoll. Aber ihr Inhalt ist nicht zu unterstützen.

Weshalb sind Sie dagegen?

Die Tatsachen sind eindeutig. Auf der ganzen Welt gibt es keinen Beweis dafür, dass der Wechsel vom Modell der Zustimmungslösung zu jenem der Widerspruchslösung – wie es die neue Initiative vorsieht – die Zahl der Spenderorgane erhöht. Entgegen aller Erwartung könnte sogar die gegenteilige Auswirkung auftreten.

Was ist problematisch am Prinzip der vermuteten Zustimmung, das in der Initiative propagiert wird?

Das Prinzip der vermuteten Zustimmung ist nicht nur ineffizient. Es bringt auch grössere Probleme als das aktuelle System. Wenn nämlich jedermann Spender ist, so muss auch jedermann informiert sein, um eventuell seine Ablehnung zum Ausdruck zu bringen. Dies bedingt zum einen eine Informationspflicht seitens des Bundes, welcher hier neutral bleiben muss. Zum anderen wird sich jede Einzelperson gezwungen sehen, sich zu äussern, wenn man jegliches Risiko vermeiden will, jemandem ein Organ zu entnehmen, der sich nicht geäussert hat. Das Prinzip der vermuteten Zustimmung einzuführen, bedeutet also einen Druck oder sogar eine Verpflichtung für die Bürger, sich zu dieser Frage zu äussern. Dies verletzt die Persönlichkeitsrechte.

Sehen Sie Vorteile beim neu propagierten System?

Es ist nicht unethisch, und es ist nicht inakzeptabel. Aber es verursacht mehr Probleme, als es löst. Die Nationale Ethikkommission hat diese Fragestellung während mehr als einem Jahr erörtert und empfiehlt einstimmig, das Modell der vermuteten Zustimmung – auch Widerspruchslösung genannt – nicht anzunehmen.

Sind die Organspende und die Annahme fremder Organe aus kirchlicher Sicht überhaupt zulässig?

Die Spende und der Empfang von Organen wie Niere, Herz, Lunge und anderen mehr ist nicht nur im Einklang mit der Lehre der Kirche. Die Kirche ermutigt die Menschen sogar dazu und lädt sie dazu ein. Sie sollte dies eigentlich auch noch lauter tun, indem sie die Christen zu mehr Solidarität und Liebe auffordert. Denn so, wie es keine grössere Liebe gibt als diejenige, die ihr Leben für ihre Freunde hingibt, so ist die Organspende eine Verlängerung der Selbsthingabe über den Tod hinaus. Auch eine Lebendspende einer Niere ist beispielsweise ein wunderbares Zeichen der Liebe.

Wehrt sich ein Mensch, der ein Spenderorgan annimmt, gegen den göttlichen Willen?

Nein. Der Katechismus der katholischen Kirche äussert sich zur Organspende klar positiv – mit den Worten: «Die unentgeltliche Organspende nach dem Tode ist erlaubt und kann verdienstvoll sein.» Derselbe Katechismus betont im Weiteren einen problematischen Punkt: «Organverpflanzung ist sittlich unannehmbar, wenn der Spender oder die für ihn Verantwortlichen nicht im vollen Wissen ihre Zustimmung gegeben haben.»

Birgt die Organspende weitere moralische oder ethische Probleme?

Es versteht sich von selbst, dass die Organentnahme auf keinen Fall ein Grund sein kann, einen Abbruch der Behandlung zu beschliessen oder den Tod eines Menschen am Lebensende zu beschleunigen. Dies führt zum Problem der Art und Weise, wie man einen sterbenden Menschen für eine Transplantation vorbereitet. Was die zu transplantierenden Organe betrifft, so kann man ernste Vorbehalte für Organe hegen, welche die persönliche Identität und die Fortpflanzung des Menschen betreffen, etwa das Gehirn oder die Keimdrüsen. Dies ist jedoch ein Grenzfall.

«Das Prinzip der vermuteten ­Zustimmung setzt die Bürger unter Druck.»

François-Xavier Putallaz

Philosoph und Professor

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