Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Eine Fusion kann eine Chance sein, die eigene Identität zu stärken»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Territorialität und Regionalismus im Senseoberland» lautet der Titel der Bachelor-Arbeit von Daniel Fasel. Der Student der Geschichte und der Geografie an der Universität Freiburg hat ein Thema ausgewählt, das angesichts der geplanten Gemeindefusionen (siehe Kasten) sehr aktuell ist. «Ich wollte wissen, was und wo eigentlich das Senseoberland ist», erklärt er. Die Erkenntnisse hat er aus Interviews mit Bewohnern des untersuchten Gebiets gewonnen. «Es waren keine politischen Experten, aber es waren Leute dabei, die auch mal über den Gartenzaun hinaus schauen und Visionen entwickeln können.»

Ziel der Arbeit war es auch, aus der Auswertung dieser Gespräche Rückschlüsse auf mögliche Gemeindefusionen zu ziehen. «Wenn sich eine Region zusammengehörig fühlt, ist es einfacher, zu fusionieren», erklärt der 23-Jährige.

Starkes Heimatgefühl

Eine erste Erkenntnis von Daniel Fasel: «Die Senseoberländer halten gegenüber aussen sehr stark zusammen und treten als Einheit auf.» Die Bewohner des Senseoberlandes assoziierten mit dem Dialekt ein starkes Heimatgefühl, das dadurch verstärkt werde, dass in den benachbarten Regionen Berndeutsch oder Französisch gesprochen werde. «Die Senseoberländer sehen sich als eine Gemeinschaft, die sich gegenüber ihren grösseren Nachbarn zu behaupten hat», hält er in seiner Arbeit fest, und «die enorme Heimatverbundenheit ist ein Merkmal vieler Oberländer». Auf Ländlichkeit werde viel Wert gelegt.

Kein gemeinsamer Raum

Allerdings hat Daniel Fasel auch festgestellt, dass der Begriff «Senseoberland» trotz dem regionalen Selbstbewusstsein und der gemeinsamen Identität innerhalb des Gebiets unterschiedlich wahrgenommen wird. «Es gibt keinen einheitlichen, gemeinsamen Raum ‹Senseoberland›», hält er fest. Aus seinen Befragungen geht hervor, dass beispielsweise mancher Plaffeier Tentlingen und Giffers schon längst nicht mehr zum Oberland zählt. Trotz eines regionalen Gemeinschaftsgefühls gegenüber aussen identifizieren sich die Bewohner eines bestimmten Dorfes oftmals lieber mit ihrem Dorf. «Es herrscht eine leichte, oft nicht ernste Konkurrenz zwischen den Gemeinden», sagt Daniel Fasel. Jedes Dorf sei stolz auf seine Eigenheiten und distanziere sich von anderen.

Dieses starke Gemeinde-Denken sei in den letzten Jahrzehnten allmählich gelockert worden. Gründe seien zum einen Zuzüger, welche neue Ideen einbringen würden. Zum anderen hätten die Gemeindebehörden auch festgestellt, dass eine interkommunale Zusammenarbeit viele Vorteile mit sich bringe. «Die gemeinsame Feuerwehr des Senseoberlandes ist ein Beispiel für die positive Zusammenarbeit, wodurch die Gemeindegrenzen in den letzten Jahren auch merklich schwächer geworden sind», sagt Daniel Fasel. Die interkommunale Zusammenarbeit habe den Alltag der Menschen verändert und somit auch deren Wahrnehmung, wo das Oberland liege. Er hat in seinen Befragungen die Bestätigung erhalten, dass Plaffeien/ Schwarzsee unbestritten dasZentrum des Oberlandes ist. Er konnte aber eine Zweiteilung des Raumes feststellen: «Zwischen dem Zentrum Plaffeien und dem östlichen Teil des Oberlandes besteht ein gewisser Graben.» Der zweite Kern konzentriert sich um die Gemeinden Giffers und Tentlingen.

Stärker gegen aussen

Diese Erkenntnis hat Daniel Fasel mit möglichen Fusionsplänen abgeglichen. Er kommt zum Schluss, dass alle neun Oberland-Gemeinden in den nächsten Jahrzehnten wohl noch keine gemeinsame Fusion erleben. «Die momentan wahrgenommenen Unterschiede zwischen den Menschen und Gemeinden sind deutlich.» Doch seien kleinere Fusionen plausibel. «Durch die guten Erfahrungen der interkommunalen Zusammenarbeit entstehen neue gemeinsame Räume, die auch als positiv wahrgenommen werden», sagt Daniel Fasel. «Viele sehen eine Fusion auch als Chance, die Identität zu stärken.» Ein Zusammenschluss mache es zudem möglich, gegen aussen stärker auftreten zu können.

Bachelor-Arbeit: Ein Taferser im Oberland

E r habe versucht, einen Einblick in die Gedankenwelt der Senseoberländer, in einem Gebiet mit neun Gemeinden und rund 10 000 Einwohnern, zu erhalten, sagt Daniel Fasel zu seiner Bachelor-Arbeit. Als Taferser sei ihm das Oberland zwar einigermassen vertraut gewesen. «In den Gesprächen wurde mir auch immer wieder bewusst, dass meine Kenntnisse nur sehr grob und vereinfacht waren.» Überrascht hat ihn, dass die Oberländer selbst ihre Region nicht klar abgrenzen. im

Die von Professor Olivier Graefe begleitete Arbeit ist abrufbar unter: www.unifr.ch/geosciences/geographie, dort unter «Publications» und «Selected Bachelor and Master Thesis» .

Fusionspläne: Zwei statt neun Gemeinden

A nfang Juli haben die Oberamtmänner des Kantons Freiburg ihre Vorstellungen künftiger Fusionen vorgestellt (die FN berichteten). Der Sensler Oberamtmann Nicolas Bürgisser stellte seinen Fusionsplan unter den Titel «Aus 19 werden vielleicht acht» vor. Die erste Grossfusion betrifft die fünf Gemeinden des Sensemittellands, wo mittelfristig eine grosse Gemeinde entstehen soll. Für das Oberland sieht der Oberamtmann mittel- bis langfristig noch zwei Gemeinden. Die eine würde Brünisried, Oberschrot, Plaffeien, Plasselb und Zumholz umfassen, die andere entstünde aus Rechthalten, St. Silvester, Tentlingen und Giffers. im

Mehr zum Thema